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Digitale Gutachter verbessern Krebsvorsorge

10.11.2005



Ärzte können ihre Diagnosen mit Hilfe von Computern verbessern. Siemens hat dazu verschiedene Verfahren entwickelt, die riesige Datenmengen sinnvoll und rasch auswerten, wie das Forschungsmagazin Pictures of the Future berichtet. Beispiel Lungenkrebs: Bei Untersuchungen des Brustraums mit Computertomographen entstehen etwa 1000 Einzelbilder, die ein Radiologe beispielsweise auf verdächtige Lungenknötchen durchforsten muss. Lungenkrebs gehört zu den häufigsten und bösartigsten Tumoren. Wie bei anderen Krebsarten sind die Therapieaussichten jedoch umso größer, je früher die Krankheit erkannt wird. Die Software hilft dabei, indem sie die Bilder automatisch auswertet und verdächtige Knötchen markiert. Das erspart Ärzten Routinearbeit, und sie können sich den wichtigsten Befunden eingehender widmen.

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Die Software LungCARE NEV ist bereits auf dem Markt erfolgreich. Sie wird in mehr als 100 Kliniken weltweit eingesetzt. NEV kann Knötchen mit Durchmessern von nur drei Millimetern erfassen. Sie erkennt die Strukturen, die zu einer Liste von Knötchen-Charakteristika passen. Wenn ein Radiologe die Lunge eines Patienten analysiert, arbeitet NEV gleichzeitig im Hintergrund. Das Programm markiert verdächtige Stellen, die er eventuell übersehen hat. Nach Angaben von Siemens Medical Solutions arbeiten Ärzte mit diesen Techniken zehn bis 30 Prozent genauer als zuvor. Bei späteren Untersuchungen kann die Software zwei Scans automatisch vergleichen und feststellen, ob sich ein verdächtiges Knötchen zwischenzeitlich verändert hat. Die neuesten Richtlinien der US-Gesundheitsbehörde FDA fordern, dass NEV „als Zweitgutachter“ eingesetzt wird. Mit steigendem Vertrauen der Radiologen in die neue Technik könnte NEV aber künftig auch als „unabhängiger Gutachter“ oder sogar für Erstdiagnosen zugelassen werden.

Auch bei der virtuellen Darmspiegelung kann eine Software helfen, verdächtige Polypen aufzuspüren. Führende Mediziner verwenden zur Untersuchung des Darms heute einen Computertomographen. Dabei können – wie bei einer konventionellen Darmspiegelung – Polypen übersehen werden. Um die Genauigkeit zu verbessern, hat Siemens kürzlich die Software syngo Colonography PEV (Polyp Enhanced Viewing) herausgebracht. Das System ist das erste von der FDA zugelassene Zweitgutachter-Produkt für die Koloskopie. Genau wie NEV bei Lungenknötchen verwendet PEV auf Expertenwissen basierende Algorithmen und empirische Lernverfahren, um verdächtige Strukturen zu entdecken und zu analysieren. Im Größenbereich ab sechs Millimetern hat das System eine Genauigkeit von etwa 95 Prozent und ist damit ähnlich gut wie ein Experte. Gefährlich werden Polypen erst ab etwa einem Zentimeter Größe. (IN 2005.11.3)

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovation

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