Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hodgkin-Experten diskutieren neue Therapiekonzepte

26.09.2001


Erfolgsraten stabilisieren, Spätfolgen vermeiden

Die Heilungschancen für Patienten mit Morbus Hodgkin auch in fortgeschrittenen Stadien sind in den letzten drei Jahren von 80 auf 90 Prozent gestiegen. Die Patienten wurden mit einer Polychemotherapie nach dem ’Kölner BEACOPP-Regime’ behandelt. Das berichteten Experten während des ’Fifth International Symposium on Hodgkin’s Lymphoma’ in Köln. Für frühe Stadien der Erkrankung werden diese hohen Heilungsraten schon seit längerem erreicht.

Angesichts dieser Erfolge richten sich die Forschungsbemühungen nun auch auf andere Aspekte der Behandlung. Vorrangiges Ziel ist es, therapiebedingte Zweittumoren zu verhindern. "Mit den bis vor wenigen Jahren eingesetzten sehr aggressiven Therapien kam es bei bis zu 15 Prozent der Patienten später zur Entwicklung einer weiteren Krebserkrankung. Mittlerweile liegt die Zahl weit darunter. Dennoch ist das relative Risiko, im Zeitraum von 10-20 Jahren nach der Therapie an einer Leukämie zu erkranken oder einen soliden Tumor zu entwickeln, bei den geheilten Hodgkin-Patienten sicher noch fünf bis sieben Mal höher als in der Normalbevölkerung", erklärte Dr. Jürgen Wolf, Oberarzt der Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln. Es sei wichtig, sich nicht mit den akuten Erfolgsraten zufrieden zu geben, sondern auch die Langzeitfolgen im Blick zu haben.

Ein wichtiges Thema des diesjährigen Symposiums ist deshalb die Frage, wie die Aggressivität der Therapien zu reduzieren ist, ohne dass dadurch die bisher erzielten Heilungserfolge gefährdet werden. Derzeit suchen die Forscher nach biologischen und molekularbiologischen Faktoren, die eine individuelle Prognose des Therapieverlaufes und damit eine auf den jeweiligen Patienten ’maßgeschneiderte’ Therapie erlauben.

Nicht nur die Chemotherapie, sondern auch die strahlentherapeutische Behandlung wird so weit wie möglich reduziert. Hier hat in der letzten Zeit geradezu ein Dogmenwechsel stattgefunden: Patienten mit Morbus Hodgkin, die sich in einem frühen oder mittleren Stadium der Erkrankung befinden, erhalten heute standardmäßig eine milde Chemotherapie und eine ebenfalls milde Strahlentherapie, die nur ein sehr begrenztes Feld (’involved field’) umfasst. Vorher erhielten diese Patienten lediglich eine Strahlentherapie, wobei das bestrahlte Feld relativ groß war (’extended field’). "Die aggressive strahlentherapeutische Behandlung war für ungefähr 90 Prozent der Zweittumoren verantwortlich. Mit dem neuen Vorgehen können wir diese unerwünschten Spätfolgen vielfach vermeiden" erläuterte Professor Joachim Yahalom vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York.

Das ’International Symposium on Hodgkin’s Lymphoma’ findet alle drei Jahre statt und wird in diesem Jahr zum fünften Mal von der Deutschen Hodgkin-Lymphom Studiengruppe unter der Leitung von Professor Dr. Volker Diehl, Direktor der Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln veranstaltet. Trotz der widrigen Umstände aufgrund der dramatischen Ereignisse in den USA nehmen an dem Kongress 600 Ärzte und Wissenschaftler aus insgesamt 48 Ländern teil. "Wir sind froh, dass wir dieses Symposium trotz der Verunsicherung und trotz unserer Betroffenheit wie geplant durchführen und sind besonders glücklich über die Teilnahme von Kollegen und Freunden aus Übersee", betonte Professor Diehl. Es herrsche eine sehr positive und arbeitsintensive Atmosphäre. Das Symposium wird von der Deutschen Krebshilfe (DKH) und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt.

Für Rückfragen stehen Ihnen Professor Dr. Volker Diehl unter der Telefonnummer 0221-478-4400 und der Fax-Nr. 0221-478-5455 und Dr. Jürgen Wolf unter der Telefonnummer 0221-478-3410 und der Fax-Nummer 0221-478-6733 zur Verfügung.

Antje Schütt | idw

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Hodgkin Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gegen multiresistente Tuberkulose-Erreger: Mit künstlicher Intelligenz neuen Wirkstoffkombinationen auf der Spur
27.02.2020 | Klinikum der Universität München

nachricht Seeschnecken-Roboter erwacht durch Licht zum Leben
27.02.2020 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten aktuellen Stand der Anwendung des Maschinenlernens bei Forschung an aktiven Materialien

Verfahren des Maschinenlernens haben durch die Verfügbarkeit von enormen Datenmengen in den vergangenen Jahren einen großen Zuwachs an Anwendungen in vielen Gebieten erfahren: vom Klassifizieren von Objekten, über die Analyse von Zeitreihen bis hin zur Kontrolle von Computerspielen und Fahrzeugen. In einem aktuellen Review in der Zeitschrift „Nature Machine Intelligence“ beleuchten Autoren der Universitäten Leipzig und Göteborg den aktuellen Stand der Anwendung und Anwendungsmöglichkeiten des Maschinenlernens im Bereich der Forschung an aktiven Materialien.

Als aktive Materialien bezeichnet man Systeme, die durch die Umwandlung von Energie angetrieben werden. Bestes Beispiel für aktive Materialien sind biologische...

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Riesiger 3D-Drucker soll tonnenschwere Getriebeteile aus Stahl fertigen

27.02.2020 | Maschinenbau

Immunologie - Rachenmandeln als Test-Labor

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Pestizide erhöhen Risiko für Tropenkrankheit Schistosomiasis / Belastete Gewässer fördern Zwischenwirt des Erregers

27.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics