Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hautkrebsscreening rettet Leben

25.09.2001


Krankenkassenstreit um Vorsorgeuntersuchungen
RUB-Hautspezialisten beziehen Stellung

Prof. Dr. Peter Altmeyer und Dr. Klaus Hoffmann (Hautkrebszentrum der Universitätshautklinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital) sprechen sich energisch für die Durchführung von Reihenuntersuchungen zur Hautkrebsvorsorge (Hautkrebsscreening) zu Lasten der Krankenkassen aus.

 Solche Untersuchungen sind lebensrettend und sparen außerdem die wesentlich höheren Kosten für die Behandlung von Hautkrebsen im fortgeschrittenen Stadium. Das Screening war in den letzten Wochen Zankapfel verschiedener Krankenkassenverbände: Die Betriebskrankenkassen, die es angeboten hatten, waren von anderen Kassen kritisiert worden, weil ihr Angebot angeblich nicht rechtens sei.

Sreenings waren sehr erfolgreich

Der Verband der Angestelltenkrankenkassen (DAK, TKK und kaufmännische Krankenkassen) greift die Betriebskrankenkassen an, weil deren Reihenuntersuchungen möglicherweise keine rechtliche Grundlage hätten. "Die Rechtslage in Deutschland ist in diesem Punkt leider unklar und nicht eindeutig," so Altmeyer und Hoffmann, "und das ist seit 15 Jahren bekannt." Die Hautspezialisten haben seit 1987 zuerst in Bochum und schließlich in ganz NRW mit Unterstützung aller hiesigen Krankenkassen Hautkrebssreenings durchgeführt. "Dabei können wir mit Sicherheit sagen, mehrere Hundert Leben gerettet zu haben", so Hoffmann. 80.000 Menschen waren untersucht worden - der Preis für ein gerettetes Menschenleben beträgt so gerade 4000 DM. Ein einziger zu spät entdeckter Fall von Hautkrebs kann leicht einige 100.000 DM kosten, die die Krankenkassen im Gegensatz zur Vorsorge klaglos übernehmen. "Die Mehrkosten tragen wegen der "gedeckelten" Budgets aber auch die Ärzte und Krankenhäuser, so dass die Kassen sich darüber keine Sorgen machen müssen", so Hoffmann. In den Jahren seit 1987 hat die Zahl derer, die an einem fortgeschrittenen Hautkrebs litten, durch die Screenings erheblich abgenommen.

Dringender Appell an die Kassen

Die Gesundheitsreform hat den Krankenkassen jedoch den Einsatz in der Prävention erschwert. Nur die Betriebskrankenkassen stellen noch die Mittel für Reihenuntersuchungen zur Verfügung, die anderen zahlen nur in absoluten Ausnahmefällen. Prompt stiegen auch wieder die Zahlen der Patienten im fortgeschrittenen Stadium. "Aus ärztlicher Sicht ist das unverantwortlich", stellt Hoffmann fest. In dem Angriff der konkurrierenden Kassen auf die Betriebskrankenkassen sieht er ein rein geschäftliches Interesse: Der Wettbewerb einiger Bürokraten steht vor der Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung. Zumal die kritisierenden Kassen seiner Ansicht nach erheblich mit Schuld daran sind, dass bundesweit Modellversuche nicht zügig vorangetrieben werden. Bestrebungen der Ärzteschaft, ein Hautkrebsscreening in den deutschen Gesetzen zu verankern, stecken seit über zehn Jahren im Paragraphendschungel der Medizinbürokratie fest. Die Mediziner appellieren dringend an die Kassen, die Kosten für diese Vorsorgeuntersuchung zu übernehmen, denn tun sie es nicht, spielen sie mit dem Leben der potentiell betroffenen Menschen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Peter Altmeyer, Dr. Klaus Hoffmann, Universitätshautklinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-3411, Fax: 0234/509-3445

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Hautkrebs Hautkrebsscreening

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Studie mit bispezifischem Antikörper liefert beeindruckende Behandlungserfolge bei Multiplem Myelom
01.04.2020 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Pool-Testen von SARS-CoV-2 Proben erhöht die Testkapazität weltweit um ein Vielfaches
31.03.2020 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Belle II liefert erste Ergebnisse: Auf der Suche nach dem Z‘-Boson

Vor ziemlich genau einem Jahr ist das Belle II-Experiment angelaufen. Jetzt veröffentlicht das renommierte Journal Physical Review Letters die ersten Resultate des Detektors. Die Arbeit befasst sich mit einem neuen Teilchen im Zusammenhang mit der Dunklen Materie, die nach heutigem Kenntnisstand etwa 25 Prozent des Universums ausmacht.

Seit etwa einem Jahr nimmt das Belle II-Experiment Daten für physikalische Messungen. Sowohl der Elektron-Positron-Beschleuniger SuperKEKB als auch der...

Im Focus: Belle II yields the first results: In search of the Z′ boson

The Belle II experiment has been collecting data from physical measurements for about one year. After several years of rebuilding work, both the SuperKEKB electron–positron accelerator and the Belle II detector have been improved compared with their predecessors in order to achieve a 40-fold higher data rate.

Scientists at 12 institutes in Germany are involved in constructing and operating the detector, developing evaluation algorithms, and analyzing the data.

Im Focus: Wenn Ionen an ihrem Käfig rütteln

In vielen Bereichen spielen „Elektrolyte“ eine wichtige Rolle: Sie sind bei der Speicherung von Energie in unserem Körper wie auch in Batterien von großer Bedeutung. Um Energie freizusetzen, müssen sich Ionen – geladene Atome – in einer Flüssigkeit, wie bspw. Wasser, bewegen. Bisher war jedoch der präzise Mechanismus, wie genau sie sich durch die Atome und Moleküle der Elektrolyt-Flüssigkeit bewegen, weitgehend unverstanden. Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung haben nun gezeigt, dass der durch die Bewegung von Ionen bestimmte elektrische Widerstand einer Elektrolyt-Flüssigkeit sich auf mikroskopische Schwingungen dieser gelösten Ionen zurückführen lässt.

Kochsalz wird in der Chemie auch als Natriumchlorid bezeichnet. Löst man Kochsalz in Wasser lösen sich Natrium und Chlorid als positiv bzw. negativ geladene...

Im Focus: When ions rattle their cage

Electrolytes play a key role in many areas: They are crucial for the storage of energy in our body as well as in batteries. In order to release energy, ions - charged atoms - must move in a liquid such as water. Until now the precise mechanism by which they move through the atoms and molecules of the electrolyte has, however, remained largely unknown. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now shown that the electrical resistance of an electrolyte, which is determined by the motion of ions, can be traced back to microscopic vibrations of these dissolved ions.

In chemistry, common table salt is also known as sodium chloride. If this salt is dissolved in water, sodium and chloride atoms dissolve as positively or...

Im Focus: Den Regen für Hydrovoltaik nutzen

Wassertropfen, die auf Oberflächen fallen oder über sie gleiten, können Spuren elektrischer Ladung hinterlassen, so dass sich die Tropfen selbst aufladen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben dieses Phänomen, das uns auch in unserem Alltag begleitet, nun detailliert untersucht. Sie entwickelten eine Methode zur Quantifizierung der Ladungserzeugung und entwickelten zusätzlich ein theoretisches Modell zum besseren Verständnis. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der beobachtete Effekt eine Möglichkeit zur Energieerzeugung und ein wichtiger Baustein zum Verständnis der Reibungselektrizität sein.

Wassertropfen, die über nicht leitende Oberflächen gleiten, sind überall in unserem Leben zu finden: Vom Tropfen einer Kaffeemaschine über eine Dusche bis hin...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Belle II liefert erste Ergebnisse: Auf der Suche nach dem Z‘-Boson

07.04.2020 | Physik Astronomie

Festkörperphysik: Vorhersage der Quantenphysik experimentell nachgewiesen

07.04.2020 | Physik Astronomie

Wie Serotonin die Kommunikation im Gehirn ausbalanciert

07.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics