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Muttermilch hilft HIV-Blockierung

21.10.2005


Forscher suchen nach Substanzen um Aids zu stoppen



Ein Zuckerbestandteil der Muttermilch soll in der Lage sein die Übertragung von HIV von der Mutter auf die Babys zu verhindern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um Bill Paxton von der Amsterdamer Universität im Fachmagazin Journal of Clinical Investigation. Demnach liegt das Geheimnis in Lewis-X, einem Zucker, der auch im Speichel und im Blut vorkommt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe.

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HIV infiziert CD4-T-Zellen, die eine Schlüsselrolle im Immunsystem darstellen. Als Maß für die Zerstörung des Immunsystems dient die T-Helfer-Zellen-Zahl im Blut eines HIV-Infizierten. Einige Forscher nehmen an, dass das Virus an die CD4-Zellen herankommt, indem es sich an die dendritischen Zellen - Immunzellen - anhaftet.

Paxton und sein Team haben nun festgestellt, dass HIV nicht an die dendritischen Zellen anhaften kann, wenn Lewis X-Bestandteile an einem bestimmten Protein an der Zelloberfläche angebunden haben. In Versuchen konnten die Forscher zeigen, dass HIV sogar in 500-fach verdünnter Muttermilch nicht anbinden konnten. Fraglich bleibt natürlich auch , ob Muttermilch im echten Leben HIV blockieren kann, meint David McDonald, HIV-Experte an der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio. "Wenn das so wären, warum bekommen dann Babys HIV über die Muttermilch?", meint der Forscher.

Diese Frage stellt sich auch der Wiener Mikrobiologe Hermann Katinger vom Institut für Angewandte Mikrobiologie an der Universität für Bodenkultur in Wien im pressetext-Interview. "Statistisch gesehen geschieht die Mehrheit der Übertragung von HIV bei Babys über die Muttermilch und bei der Geburt", so der Forscher. Statistisch signifikant sei ein höheres Risiko bei Mädchen und beim Erstgeborenen bei Zwillingen gegeben. Nach Angaben der UNICEF werden jährlich etwa 200.000 Kinder über die Muttermilch mit dem Virus angesteckt. Katinger spricht sogar von weit höheren Zahlen. "Die Übertragungsrate ist besonders in den ersten Monaten sehr groß", erklärt der Forscher, der gemeinsam mit einem südafrikanischen Wissenschaftler aus Durban an einem HIV-Projekt arbeitet.

Katinger betont gegenüber pressetext, dass das Stillen von Babys in Afrika ein absolut wichtiges Thema sei. "In der Muttermilch werden viele Antikörper zum Schutz des Kindes übertragen", erklärt Katinger abschließend. Paxton argumentiert gegenüber kritischen Stimmen, dass Muttermilch dafür Sorge trage, dass weniger Kinder an HIV erkranken. Würden diese keine Muttermilch erhalten, wäre die Infektionsrate noch höher.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com
http://www.biotec.boku.ac.at

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