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Wer braucht einen Defibrillator, wer einen Herzschrittmacher?

28.07.2005


Rhythmusstörungen bei Herzmuskelschwäche individuell behandeln: Neue Tests sagen voraus, welche Patienten profitieren / Zwei Kardiologen des Universitätsklinikums Heidelberg ausgezeichnet



Bis zu 50 Prozent der Patienten, die an einer fortgeschrittenen Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) leiden, sind durch gefährliche Herzrhythmusstörungen bedroht. Für sie kann es lebenswichtig sein, einen Defibrillator oder einen Herzschrittmacher implantiert zu bekommen, der ihr Herz wieder im Gleichklang schlagen lässt. Doch bislang war nicht immer klar, welche Patienten mit einer Herzinsuffizienz tatsächlich die elektrischen Taktgeber erhalten sollten.



Die Forschungsarbeiten von Dr. Roland Klingenberg und Dr. Grigorios Korosoglou, beide Ärzte und Wissenschaftler der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo Katus), haben hier nun wesentliche Fortschritte erzielt: Sie haben Tests dafür entwickelt, die in Zukunft eine bessere Vorhersage erlauben dürften, welcher Patient tatsächlich von einem Defibrillator bzw. Schrittmacher profitiert.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat die Arbeiten im Rahmen ihrer Jahrestagung am 31. März in Mannheim ausgezeichnet: Dr. Roland Klingenberg erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Michel-Mirowski-Preis 2005, Dr. Grigorios Korosoglou das mit 25.000 Euro dotierte Max-Schaldach-Forschungsstipendium 2005.

Defibrillatoren gegen den plötzlichen Herztod? Ein Blutwert gibt Aufschluss

Ist die Herzinsuffizienz fortgeschritten, sterben bis zu 50 Prozent der Patienten am plötzlichen Herztod. Zur Vorsorge kann ein implantierbarer Defibrillator (ICD) eingesetzt werden, der den Herzschlag im Notfall wieder stabilisiert. Obwohl der ICD zu den erfolgreichsten therapeutischen Geräten in der Kardiologie gehört, hat er auch Nachteile: Eine bedeutende Nebenwirkung sind unnötige Elektroschocks; zudem kostet ein Gerät rund 10.000 Euro.

In einer Pilotstudie konnte Dr. Roland Klingenberg eine Verbindung zwischen lebensgefährlichen Rhythmusstörungen bei diesen Patienten und erhöhten Werten des Herzinsuffizienz-Markers NT-proBNP zeigen. Diese Ergebnisse könnten in Zukunft eine Entscheidungshilfe darstellen, bei welchen Patienten eine ICD-Implantation notwendig ist. NT-proBNP wird bei Herzinsuffizienz-Patienten routinemäßig als Blutwert gemessen. Er gibt an, wie hoch die Wandspannung im Herzen ist und somit, wie viel Druck auf dem Herzmuskel lastet. "Nur wenn der Marker über einem bestimmten Schwellenwert lag, war die Implantation eines ICD auch notwendig", erläutert Roland Klingenberg die Ergebnisse seiner Untersuchung. Jetzt wird in einer größeren Studie mit mehreren 100 Patienten dieser Befund überprüft.

Dem Herzschlag auf der Spur: Bildgebende Verfahren zeigen asynchrone Muskelkontraktion

Einem zweiten Rhythmusproblem bei Herzinsuffizienz geht Dr. Grigorios Korosoglou nach. Zu der schwachen Pumpleistung des Herzens tritt nämlich bei einigen Patienten auch noch eine ungleichmäßige Kontraktion (Asynchronität) von rechter und linker und innerhalb der linken Herzkammer auf. Mit Hilfe eines speziellen Herzschrittmachers, der beide Herzkammern synchron stimuliert, gelingt es, die Kammern wieder synchron schlagen zu lassen (kardiale Resynchronisationstherapie).

"Ein großes Problem liegt aber darin, die Asynchronität überhaupt festzustellen und vor allem ihr Ausmaß zu erfassen, wenn die Zeitdifferenz der Herzmuskelkontraktion zwischen den beiden Kammern gering ist", betont Dr. Grigorios Korosoglou. Mit einem neuen Ultraschallverfahren lässt sich die zeitlich versetzte Kontraktion objektiv und quantitativ erfassen.

Hierzu werden die Aufnahmen eines Herzschlages mit einem mathematischen Algorithmus, der so genannten Fourier Analyse, bearbeitet. Das Resultat sind Aufnahmen des Herzens, bei denen die unterschiedlichen Zeitpunkte der Muskelkontraktion farblich dargestellt sind. Das Max-Schaldach-Forschungsstipendium wird dazu beitragen dieses Verfahren weiter auszuarbeiten. "Ziel ist es, mit Hilfe dieser Analyse Patienten zu erkennen, die von einer kardialen Resynchronisationsbehandlung profitieren", blickt der Kardiologe in die Zukunft.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

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