Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Transplantationsgesetz fördert die Spendebereitschaft

29.08.2001


Um dem Organmangel in Deutschland entgegenzuwirken, ist ein Vertrauen schaffendes Gesetz vonnöten. Dieses sollte die Voraussetzungen zur Organentnahme bei lebenden und toten Spendern klar regeln. Die sogenannte "erweiterte Zustimmungslösung", welche für die Zulässigkeit einer Organentnahme die ausdrückliche Zustimmung des Spenders verlangt, bietet sich an, da sie sowohl die Rechte lebender als auch toter Spender wahrt. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Untersuchung, die Dr. Nadine Bock am Institut für Verfahrensrecht der Universität zu Köln im Jahr des Inkrafttretens des Transplantationsgesetzes 1997 angefertigt hat. Wie sich hier zeigt, liegt die Spendebereitschaft in Ländern mit Transplantationsgesetzen deutlich höher als in Deutschland.

Gegenwärtig leben rund 300.000 Menschen mit einem fremden Organ und jährlich kommen etwa 40.000 weitere hinzu. Als Folge mangelnden Vertrauens in den Sektor Transplantationsmedizin zeigt sich jedoch in Deutschland ein enormer Rückgang der Spendebereitschaft. 96 Prozent der Bevölkerung bekunden durch den Nichtbesitz eines Organspendeausweises ihre ablehnende Haltung oder möglicherweise ihr Desinteresse. Auch die Zustimmung der Angehörigen zur Organentnahme bei Verstorbenen ist in den letzten Jahren von 90 auf teilweise unter 60 Prozent zurückgegangen. Die Transplantationsmedizin stagnierte infolge dieser Entwicklung und musste sogar rückläufige Operationszahlen hinnehmen. Für viele Patienten bedeutet dies, dass sie sich mit entsprechend geringeren Heilungs- und Überlebenschancen abfinden müssen.

Eine Steigerung des Transplantataufkommens kann in erster Linie durch die Förderung der Spendebereitschaft erreicht werden. Da die Entscheidung über eine Organspende aber stets eine individuelle Entscheidung des einzelnen bleiben muss, kann das Recht auf diese Entschlussfindung auch nur mittelbar Einfluss nehmen. Daher bedarf es der Schaffung einer Vertrauensgrundlage, indem die Voraussetzungen der Organentnahme bei lebenden und toten Spendern klar geregelt werden. Die tatsächlichen Begebenheiten auf dem Transplantationssektor müssen bei der Erarbeitung der rechtlichen Zulässigkeitskriterien einer Organentnahme Berücksichtigung finden.

Berührt werden bei der Herausnahme eines eigenen bzw. der Einpflanzung eines fremden Organs die Grundrechte der Menschenwürde, des Rechtes auf Leben und Gesundheit und des Rechtes auf freie Entfaltung der Persönlichkeit. Die Aufgabe des Gesetzgebers kann nach Auffassung von Dr. Bock nur darin bestehen, das Spendeaufkommen im Interesse Kranker unter Beachtung der verfassungsrechtlichen Vorgaben zu optimieren.
Die Zulässigkeit der Entnahme sollte von der freiwilligen Einwilligung des Spenders bzw. der Zustimmung der Ersatzentscheider abhängig gemacht werden. Ein Transplantationsgesetz, das auf dem erweiterten Zustimmungsmodell aufbaut, bietet insgesamt eine gute Grundlage für die Transplantationsmedizin. Einerseits wird den involvierten Ärzten durch klare und einheitliche Vorgaben Rechtssicherheit verschafft, andererseits wird das Vertrauen der Geberseite gestärkt, da es sich bei der Explantation dann um einen gesetzlich zulässigen und kontrollierten Prozess handelt, bei dem die Achtung vor der Würde und Selbstbestimmung des Menschen im Vordergrund steht.

Es sollte, so die Kölner Rechtswissenschaftlerin, der freiwilligen Entscheidung des Einzelnen überlassen werden, inwieweit er einem anderen, organkranken Menschen zu Lebzeiten oder nach dem Tode mit seinem eigenen Körper helfen will. Die Organspende kann nicht als "Bringschuld" begriffen werden; Menschen, die zu einer solchen Hilfeleistung nicht bereit sind, dürfen auch nicht diskreditiert und moralisch abgewertet werden. Für die Transplantationsmedizin sind deshalb insgesamt restriktive Normen zu fordern, welche die Persönlichkeitsrechte des lebenden und toten Spenders schützen. Ebenfalls vonnöten sind die Aufhebung finanzieller Barrieren, Öffentlichkeitsarbeit, Aufklärung und Unterstützung der Ärzteschaft sowie optimale Kooperation zwischen den Kliniken.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Frau Dr. Nadine Bock unter den Telefonnummern 0211/5142581 und 0173/8912460 zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw

Weitere Berichte zu: Transplantationsgesetz Transplantationsmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

Show Time für digitale Medizin-Innovationen

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Cohesin treibt die Alterung von Blutstammzellen voran

14.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics