Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Harmonie in der Arzneimitteltherapie

20.06.2005


Pilotprojekt HeiCare stimmt bundesweit erstmals Verschreibungen zwischen Klinik und Hausärzten ab / Erprobungsphase mit 40 Praxen und AOK-Patienten


"Herr Doktor, in der Klinik gab es immer die kleinen blauen Pillen. Warum soll ich jetzt wieder die dicken roten einnehmen?" Mit diesen Beschwerden von Patienten müssen sich Hausärzte in Deutschland täglich auseinandersetzen.

Ein bundesweit einmaliges Projekt des Universitätsklinikums Heidelberg, das von der AOK Baden-Württemberg finanziell unterstützt wird, soll erstmals für mehr Harmonie bei der Arzneimittelverschreibung zwischen Klinik und niedergelassenem Bereich und damit eine bessere Behandlungsqualität sorgen. Im Projekt HeiCare bietet das Klinikum niedergelassenen Ärzten der Rhein-Neckar-Region eine gemeinsame elektronische Versorgungsplattform mit umfassender Expertise zur Arzneimitteltherapie an, sowie Schulungen zur Nutzung des Systems und für Beratungsgespräche der Patienten.


Fast 50 Prozent der Patienten erhalten neue Medikamente in der Klinik

Abstimmungsprobleme zwischen Hausarzt und Klinik sind kein Einzelfall: Fast die Hälfte aller Patienten wird bei der stationären Behandlung auf neue Medikamente umgestellt. Nach der Entlassung wird dies oft rückgängig gemacht: Rund 30 Prozent der Patienten verschreibt der Hausarzt die alten Präparate. Und etwa ein Drittel der Patienten, dies haben Untersuchungen gezeigt, nehmen ihre Medikamente gar nicht ein oder nicht so wie verordnet.

"Mit diesem Pilotprojekt wollen wir die gefährlichen Lücken bei der Arzneimitteltherapie zwischen niedergelassenen Ärzten und Klinik schließen", erklärte Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg, bei einer Pressekonferenz am 17. Juni 2005 in Heidelberg. Das Projekt, das bis 2006/2007 gemeinsam mit 40 Hausarzt-Praxen der Rhein-Neckar-Region erprobt wird, wird ab Herbst 2005 zunächst den Patienten der AOK zugute kommen, denen eine freiwillige Teilnahme angeboten wird.

Pilotprojekt bietet AOK-Patienten Teilnahme ab Herbst 2005 an

"Für unsere Patienten erwarten wir eine bessere Behandlungsqualität sowie insgesamt eine größere Wirtschaftlichkeit bei der Arzneimitteltherapie", sagte Bruno Krüger, Geschäftsführer der AOK-Rhein-Neckar. Da das Projekt auf zwei etablierten Säulen, dem bereits im Klinikum erprobten elektronischen Arzneimittelinformationsdienst AiDKlinik sowie dem Verbund von 200 mit dem Klinikum kooperierenden Hausarzt-Praxen aufbaue, erwarte er einen Erfolg der Investition in diesen Bereich der integrierten Versorgung.

Kooperationspartner im Heidelberger Klinikum sind die Sektion Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung unter Leitung von Professor Dr. Joachim Szecsenyi und die Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Walter E. Haefeli.

Klinikumsapotheke mit 3.000 Präparaten / Rund 60.000 Medikamente auf dem Markt

Wenn der Patient in die Universitätsklinik kommt, wird seine Arzneimitteltherapie oft umgestellt. "Das Sortiment der Klinikumsapotheke ist auf rund 3.000 Präparate beschränkt, im Gegensatz zu 60.000 verschiedenen Präparaten, die der niedergelassene Arzt verordnen kann", erklärte Professor Haefeli. Schon bei diesem ersten Übergang möchte HeiCare gravierende Informationslücken schließen: Der niedergelassene Arzt informiert vor der stationären Aufnahme die Klinik und den Patienten über dessen aktuelle Therapie.

Im Klinikum wird die Therapie zunächst mit denselben Präparaten fortgeführt, falls sie medizinisch angezeigt und verfügbar sind. "Mit dem elektronischen Arzneimittelberater AiDKlinik wird dann die gesamte Therapie überprüft", berichtet Professor Haefeli. Binnen weniger Sekunden zeigt der Computer an, ob gefährliche Neben- oder Wechselwirkungen zu befürchten sind, ob die Dosierung stimmt und der Nierenfunktion des Patienten angepasst ist. Die optimierte Verordnung wird automatisch in Rezepten und dem Arztbrief umgesetzt.

Hausärzte haben mehr Zeit durch abgestimmte Verordnungspläne

Vor der Entlassung wird der Hausarzt schriftlich über die Arzneimitteltherapie informiert. Dann können ggf. individuelle Erfahrungen, die der Hausarzt mit bestimmten Präparaten bei dem Patienten gemacht hat, noch einfließen. Über das Internet kann der Hausarzt AiDKlinik selbst nutzen und jederzeit die Risiken und Dosierungen der Arzneimitteltherapie überprüfen.

"Ich erwarte von der Teilnahme an dem Projekt HeiCare, dass die Überprüfung und Anpassung des Verordnungsplans bei Patienten, die in der Klinik waren, künftig weniger Zeit in Anspruch nehmen wird", sagte Dr. Christiane Eicher, Hausärztin in Heidelberg, bei der Pressekonferenz.

Schulungen zum Umgang mit AiDKlinik und Patientengesprächen

Wichtiger Bestandteil des Projekts sind die Fokusgruppen und Schulungen, die die Sektion Allgemeinmedizin des Klinikums den Hausärzten anbietet: Dort werden nicht nur die Probleme der Hausärzte bei der Arzneimitteltherapie von aus der Klinik entlassenen Patienten besprochen, sondern im Umgang mit dem elektronischen AiDKlinik geschult und die Aufklärungsgespräche mit den Patienten geübt.

"Der Patient soll lernen, seine Therapie selbst zu überwachen", sagte Professor Szecsenyi. Ein Ziel von HeiCare ist es zudem, dem Patienten nach der Entlassung aus der Klinik verständliche Information Arzneimitteltherapie zu geben, die zuvor mit seinem Hausarzt abgestimmten worden ist. "Damit kommen wir auch dem Wunsch vieler Patienten nach schriftlicher Information zu ihrer Behandlung entgegen", sagte Professor Dr. Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin II, Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin.

Bei Rückfragen:
Professor Dr. Joachim Szecsenyi
Tel.: 06221 / 56 47 43 (Sekretariat)
E-Mail: joachim.szecsenyi@med.uni-heidelberg.de

Professor Dr. Walter E. Haefeli
Tel.: 06221 / 56 87 40 (Sekretariat)
E-Mail: walter.emil.haefeli@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.aidklinik.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/uploads/media/pressemappe_17-6-05.zip

Weitere Berichte zu: AiDKlinik Arzneimitteltherapie HeiCare

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics