Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trittanalyse im Radrennsport und in der Medizin

18.05.2005


Eine Innovation aus dem BMWA-Programm "Innovationskompetenz mittelständischer Unternehmen" (PRO INNO)


Zur Beurteilung und Steigerung der motorischen Leistungsfähigkeit benötigen Spitzensportler und ihre Trainer spezielle Diagnoseverfahren. Mit ihrer Hilfe analysieren Athleten und Betreuer einzelne leistungsbestimmende Einflussgrößen anhand von reproduzierbaren Messwerten. Nur so können sie das Training gezielt gestalten und Prognosen über Wettkampfchancen erstellen. Im Radsport zählen vor allem Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination. Mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" hat das Unternehmen o-tec aus Bensheim zusammen mit dem Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg ein Messsystem zur Trittanalyse für Radrennfahrer entwickelt. Es kann problemlos an jedes Fahrrad montiert werden und die Leistungen und Drehmomente für das rechte und das linke Bein getrennt erfassen, was bei bisherigen Systemen nicht der Fall ist. Leistungssportler wie Michael Rich, Olympiasieger, Zeitfahr-Vizeweltmeister und Profi im Team Gerolsteiner, haben ihre Tritttechnik bereits mit Hilfe des innovativen Systems analysieren lassen.

Experten bescheinigen Spitzenradfahrern häufig einen "runden Tritt", wenn möglichst über den gesamten Kurbelkreis Vortrieb erzeugt wird. Der mechanische Wirkungsgrad errechnet sich aus der Kraftverteilung am Pedal. Das neue Messsystem wird zwischen Pedale und Tretkurbel platziert und kann problemlos jederzeit wieder abgebaut werden. Die Vortriebs- und Verlustkräfte werden mit Hall-Sensoren und Referenzfederelementen erfasst, digitalisiert und telemetrisch vom Rahmen auf eine Empfangseinheit übertragen, von dort über die serielle Schnittstelle direkt auf einen Rechner geleitet, um die gesamte Trainingseinheit zu analysieren.


Das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Freiburg setzt das System erfolgreich in seinem Radlabor ein. Durch dessen Kooperation mit dem Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald kommen zahlreiche Leistungssportler in den Genuss des neuartigen Analyseverfahrens. Neben dem Sport kommt das System auch in der medizinischen Rehabilitation zum Einsatz - an der Neurologischen Klinik des Klinikums München-Großhadern, in China, England, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz. Ein Elektrostimulator reizt die Muskeln von Patienten mit einer Querschnittlähmung, um ihnen das (Drei-)Radfahren mittels eigener Muskelkraft zu ermöglichen.

Das Gerät stimuliert in einer bestimmten Abfolge drei Muskelpartien in jedem Bein. Dazu werden auf die Haut Elektroden geklebt, über die der Stimulator Nervenfasern reizt, die zu den Muskeln verlaufen. Als Folge kontrahieren diese Muskeln. Welche Muskeln gereizt werden, hängt von der Beinposition an der Tretkurbel ab. Die Pedalkräfte werden für jeden Patienten individuell mit Hilfe des innovativen Messsystems eingestellt. Komplett querschnittgelähmte Patienten erreichen mit dieser funktionalen Elektrostimulation (FES) etwa ein Zehntel der Tretkraft eines Gesunden und können nach drei Monaten Training etwa 2,5 Kilometer weit radeln. Und diese neue Mobilität führt nicht nur zu mehr Unabhängigkeit, sondern fördert auch die Gesundheit: Die atrophischen Beinmuskeln werden wieder aufgebaut und die Haut wird durch die Bewegung besser durchblutet, was die Gefahr von Ödemen und Dekubitus senkt. Außerdem wirkt die Belastung dem Knochenschwund entgegen und hält den Kreislauf in Schwung.

Silvia Behr | idw
Weitere Informationen:
http://www.radlabor.de
http://www.aif.de

Weitere Berichte zu: Muskel Sportwissenschaft Trittanalyse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics