Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gebärmuttergeschwülste aushungern: Radiologen präsentieren erste Langzeitergebnisse einer neuen Methode

02.05.2005


Seit einigen Jahren steht zur Behandlung gutartiger Gebärmuttertumoren eine neue Therapieoption zur Verfügung: Bei dem Embolisation genannten Verfahren drosseln Radiologen die Nährstoffversorgung der Geschwulst durch eine minimal-invasive Behandlung.

... mehr zu:
»Embolisation »Gebärmutter »Myom

Nun präsentieren Experten auf dem Deutschen Röntgenkongress erste Langzeitergebnisse dieser noch neuen Methode. Ein wichtiges Resultat: Frauen, welche sich dieser Behandlung unter-zogen haben, würden sie ihrer besten Freundin weiterempfehlen.

Frauen mit gutartigen Geschwülsten der Gebärmutter, so genannte Myome, standen bis vor kurzer Zeit in Deutschland zwei Behandlungsoptionen zur Verfügung: eine Hormonbehandlung oder die operative Entfernung der Gebärmutter bzw. die gebärmuttererhaltende Entfernung der Myome bei einer Gebärmutter- bzw. Bauchspiegelung.


Gutartige Myome bilden sich schätzungsweise bei 20 bis 40 Prozent aller Frauen jenseits des 30. Lebensjahres. In Abhängigkeit von ihrer Lokalisation unterscheidet man außen aufsitzende Knoten ("subseröse Myome"), in der eigentlichen Wand der Gebärmutter gelegene Myome ("intramurale Myome") und solche, die in die Gebärmutterhöhle hineinragen (" submuköse Myome"). Beschwerden hat etwa ein Drittel der betroffenen Frauen - Menstruationsschmerzen, stärkere Blutungen, Druck auf Darm und Blase oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Seit wenigen Jahren setzen Radiologen bei diesen Tumoren eine alternative Behandlung ein: die minimal-invasive Myom-Embolisation. Bei dieser schonenden Methode werden die Geschwülste durch eine Blockade der sie versorgenden Blutgefäße quasi ausgehungert. Die Embolisation kommt in erster Linie für Frauen infrage, die keinen Kinderwunsch mehr haben. Am besten geeignet ist die Behandlung bei Geschwülsten, die in der Gebärmutterwand wuchern (intramuralen Myomen). Nicht möglich ist sie bei Myomen, die außen auf der Gebärmutter aufsitzen oder die nur nach innen in die Gebärmutterhöhle wachsen. Bei so genannten submukös-transmuralen Myomen befindet der größte Teil in der Wand der Gebärmutter, ein kleinerer Teil wächst unter der Schleimhaut. Wird in diesen Fällen embolisiert, kann der in die Gebärmutterhöhle hineinwachsende kleinere Teil des Myoms abgehen und dabei Blutungen verursachen. "Über diese Möglichkeit muss man die Patientinnen aufklären", erklärt Professor Götz Richter von der Radiologischen Klinik der Universität Heidelberg. Die meisten Patienten 80 bis 90 Prozent entscheiden sich dennoch auch in diesem Fall für eine Embolie, so die Erfahrung des Heidelberger Radiologen.

Im Jahr 1995, als die Myomembolisation entwickelt wurde, fanden in Deutschland etwa 50.000 Myomoperationen statt. Diese Zahl verdoppelte sich bis zum Jahr 2000. Im Vergleich dazu führten Radiologen im Jahr 2003 etwa 500 Embolisationen durch. Die Indikationen wurden zurückhaltend gestellt, so lange Langzeiterfahrungen fehlten. Dies beginnt sich nun zu ändern. Gleich mehrere Forschergruppen präsentieren auf dem Deutschen Röntgenkongress ihre Daten. Diese zeigen, dass das Verfahren wirksam und sicher ist und die Frauen wenig belastet. Darum werde die Zahl der Eingriffe in der Zukunft sicherlich steigen, prophezeit Richter. Denn immerhin sei die Embolisation bei fünf bis zehn Prozent der Myompatientinnen eine sinnvolle therapeutische Option.

Bei dem Eingriff wird nach einer gründlichen Vordiagnostik mit der Magnetresonanz-Tomographie zur Darstellung des Blutgefäßsystems der Gebärmutter und der Gebärmutter selbst unter örtlicher Betäubung ein Katheter nacheinander über eine oder beide Leistenarterien bis zu den Arterien vorgeschoben, welche den Hohlmuskel mit Blut versorgen. Danach spritzen die Ärzte unter Röntgenkontrolle mikroskopisch kleine Partikel aus Polyvinylalkohol oder so genannte Trisacryl-Mikrosphären in die Arterien. Dies drosselt die Nähr- und Sauerstoffversorgung der zumeist sehr gut durchbluteten Geschwülste und lässt sie langfristig schrumpfen. Auf Dauer wird die Durchblutung der Gebärmutter durch diese Maßnahme nicht beeinträchtigt.

Die meisten Frauen leiden direkt nach dem Eingriff für kurze Zeit unter Schmerzen, die mit den Beschwerden nach einer Operation vergleichbar sind, aber sehr viel schneller abklingen. Darum können die Frauen die Klinik zumeist nach 48 Stunden verlassen.

Inzwischen liegen erste Langzeitergebnisse vor. Götz Richter hat inzwischen über 100 Patientinnen im Alter von 33 bis 57 jahren behandelt und ein Jahr lang nachuntersucht.

Indikation für die Therapie waren in den meisten Fällen häufige Menstruationen, oft verbunden mit starken Schmerzen. Im Schnitt hatten die Frauen 3 Myome, am häufigsten in der Gebärmutterwand.

Im Zeitraum der Nachuntersuchungen schrumpften die Myome im Schnitt um 70 Prozent. Bei einem Teil der Frauen verschwanden die Wucherungen sogar ganz. Mit einem Fragebogen bewerteten die Frauen darüber hinaus ihre Beschwerden auf einer Skala von - 3 bis + 3. Resultat: Die Zahl der Blutungen und die Schmerzen gingen deutlich zurück, die Blutungsscores stiegen von im Schnitt -2,2 auf +2,3, die Schmerzscores von -2 auf + 1,3. Die Frauen fühlten sich in Beruf und Privatleben nicht mehr beeinträchtigt und gaben ihrem Gesundheitsstatus insgesamt gute Noten.

Nur in drei Fällen kam es zu Komplikationen: Einer Frau musste die Gebärmutter aufgrund schwerer Blutungen entfernt werden, bei einer zweiten blieben die Blutungen drei Monate aus und bei einer dritten wurde das Myom ausgestoßen, was einen dreitägigen Klinikaufenthalt erforderlich machte. In weiteren drei Fällen war eine erneute Embolisation erforderlich, da der Gefäßverschluss unvollständig war.

Das entscheidende Ergebnis für Richter ist aber, "dass alle 58 Frauen der Studiengruppe, die den Eingriff bereits seit zwei Jahren hinter sich haben, diesen ihrer besten Freundin empfehlen würden."

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.roentgenkongress.de
http://www.awmf.org

Weitere Berichte zu: Embolisation Gebärmutter Myom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics