Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cannabis gesundheitschädlicher als bisher angenommen

04.04.2005


Bereits geringe Dosis kann Wahnvorstellungen und mentale Krankheiten auslösen



Ein überraschendes Ergebnis hat eine Studie über die Verabreichung von Cannabis-Medikamenten gebracht: Denn trotz der streng kontrollierten Untersuchungssituation konnten bei einem Teil der Probanden starke psychischen Störungen festgestellt werden. Entgegen der derzeitigen medizinischen Annahme, dass die Verabreichung einer geringen Dosis Cannabis bei manchen Erkrankungen durchaus gesundheitliche Vorteile birgt, ermittelte nun ein Forscherteam des Institut Universitaire de Medicine Legale, dass Cannabis schädlicher ist, als bisher vermutet.

... mehr zu:
»Cannabis »THC-Konzentration


Das Forscherteam führte seine Untersuchungen unter strengen klinischen Bedingungen und mit der Erlaubnis einer Ethik-Kommission durch. Den Probanden wurde oral eine geringe Dosis delta-9-tetrahydrocannibol (THC) - dem aktiven Bestandteil von Cannabis - verabreicht. Das Medikament löste jedoch bei einem Teil der Probanden schwerwiegende Angststörungen aus, welche ein typisches Anzeichen für eine durch Cannabis initiierte Psychose sein können. In weiterer Folge klagten die Versuchspersonen über Realitätsverlust, Entpersonalisierung, Schwindel und paranoide Vorstellungen.

Überraschend waren die Ergebnisse der Studie insofern, da schon bei einer sehr geringen Dosis dieser Halluzinationsprozess einsetzte. Denn wird Cannabis geraucht ist die THC-Konzentration im Blut im Grunde genommen wesentlich höher. Die Auswirkungen der Droge zeigen sich beim Rauchen erst ab einer THC-Konzentration von 10 ng/ml Plasma. Bei den Testpersonen zeigten sich dieselben Effekte bereits bei einer Konzentration von 4,7 bis 6,2 ng/ml und wurden beängstigender als beim Rauchen empfunden. "Möglicherweise wird dieser Effekt dadurch ausgelöst, dass das Cannabis nicht geraucht und inhaliert, sondern oral eingenommen wird. Wir nehmen an, dass durch die Verdauung spezielle THC-Stoffwechselprodukte erzeugt werden, welche die psychotischen Effekte einleiten", erklärte Studienleiter Bernard Favrat.

In den vergangenen Jahren ist die THC-Forschung massiv forciert worden, denn dem Wirkstoff werden vielfältige therapeutische Vorteile attestiert. So kann die Droge die spastische Muskellähmung bei Multiple-Sklerose-Patienten erleichtern, den Appetit von Aids-Patienten wiederherstellen und als Schmerz- und Anti-Brechmittel bei Krebspatienten fungieren, die sich gerade einer Chemotherapie unterziehen.

Auf Grund der Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit und unter Einbezug anderer Studienergebnisse, die ebenfalls belegen, dass Cannabis das Risiko für mentale Krankheiten erhöht, fordern Favrat und sein Team nun eine größere Vorsicht beim Einsatz dieser Therapierung eine weitere Erforschung der THC-Wirkung.

Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der BMC Psychiatry http://www.biomedcentral.com/bmcpsychiatry nachlesbar.

Evelyn Lengauer | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.hug-ge.ch
http://www.biomedcentral.com/bmcpsychiatry

Weitere Berichte zu: Cannabis THC-Konzentration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics