Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als Baby Blues und Heultage: Junge Mütter finden im Internet Hilfe bei psychischen Problemen

07.03.2005


Schwangerschaft und Entbindung stellen für viele Frauen eine große seelische Belastung dar. Psychisch bereits erkrankte Frauen stehen vor einem weiteren Problem: Inwieweit gefährden Psychopharmaka das ungeborene Kind? Eine neue Internetseite der Frauenklinik am Universitätsklinikum Bonn bietet jetzt erste Hilfe für Betroffene.



Vom sogenannten "Baby-Blues" können viele junge Mütter ein Lied singen. Diese seelische Verstimmung nach der Entbindung, manchmal auch als "Heultage" bezeichnet, geht glücklicherweise meist nach einigen Tagen vorüber. Bei einigen Frauen entwickelt sich das Ganze aber zu einer länger anhaltenden Wochenbettdepression oder gar zu einer krankhaften und behandlungsbedürftigen Psychose. "Den betroffenen Müttern kommt in diesem Fall das Leben durchgehend grau in grau und sinnlos vor", sagt Professorin Dr. Anke Rohde, Leiterin der Gynäkologischen Psychosomatik der Universitätsfrauenklinik, "beim Baby Blues dagegen schwankt die Stimmung sehr stark und nur kurzfristig."

... mehr zu:
»Entbindung


Professorin Rohde hat das Online- Angebot http://www.frauen-und-psychiatrie.de zusammen mit dem Kinderarzt Dr. Christof Schaefer entworfen. Es soll für betroffene Frauen und deren Angehörige erste Anlaufstelle sein. Aber auch behandelnde Ärzte finden hier Informationen. Die Medizinerin stellt Unwissenheit auf beiden Seiten fest: "Junge Mütter gehen bei psychischen Problemen oft zu spät zum Arzt und dort werden sie dann gar nicht oder falsch behandelt. Aus Angst um das Kind empfehlen Ärzte dann beispielsweise abzustillen, das stürzt die Patientinnen dann in noch größere Schuldgefühle gegenüber dem Kind."

Solche Fehldiagnosen hängen nach Beobachtungen von Professorin Rohde mit der Angst vor Nebenwirkungen von Psychopharmaka für das ungeborene beziehungsweise gestillte Kind zusammen. Das betrifft vor allem Frauen, die sich bereits in psychiatrischer Behandlung befinden. Die Medizinerin hält die Gefährdung des ungeborenen Kindes durch solche Medikamente insgesamt aber für "überschätzt": "Bestimmte Präparate bergen zwar ein geringes Risiko. Setzt man aber ein Medikament einfach ab, ist die Gefahr für die Mutter um ein vielfaches höher." Hier gelte es Nutzen und Risiko gründlich und nicht schnell gegeneinander abzuwägen. Die Internetseite bietet dazu ein elektronisches Nachschlagewerk zu verschiedenen Medikamenten und ihren Auswirkungen auf Verhütung, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit.

"Ich wollte die Seite so übersichtlich und verständlich gestalten, wie ich mir das als Laie wünschen würde", erläutert Professorin Rohde. Besonders interessant könnte für junge Mütter der Selbsttest zur Depression nach der Entbindung sein. Der beinhaltet verschiedene Fragen zur seelischen Verfassung nach der Entbindung, am Ende ergibt sich dann ein Punktwert. Der Test ersetze zwar nicht den Arztbesuch, trotzdem sagt die Medizinerin: "Ab einem bestimmten Punktwert ist es wahrscheinlich, dass die junge Mutter ein behandlungsbedürftiges Problem hat." Erste Anfragen von betroffenen Müttern gingen bereits bei ihr ein.

Langfristig hofft sie, dass Ärzte ihre Patientinnen besser beraten, damit diese dann unabhängige Entscheidungen treffen können. "Denn nichts ist schlimmer", warnt Professorin Rohde "als wenn aus Angst ein Psychopharmakon einfach abgesetzt wird oder eine psychische Krankheit gar nicht erst behandelt wird. Für die Mutter ist das bei entsprechenden Erkrankungen eine Katastrophe und dem Kind ist damit auch nicht geholfen."

Kontakt für die Medien:
Professorin Dr. Anke Rohde
Leiterin der Gynäkologischen Psychosomatik
Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-4737
E-Mail: anke.rohde@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.frauen-und-psychiatrie.de

Weitere Berichte zu: Entbindung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lebensmittel der Zukunft
15.08.2018 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht Orientieren auf die Schnelle: Neue Erkenntnisse zur Wahrnehmungssteuerung im Gehirn
15.08.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Alles zur Kryotechnik: HDT bietet Seminar zum „Kryostatbau“ in Karlsruhe an

15.08.2018 | Seminare Workshops

Brandschutz im Tanklager – Tagung in Essen

15.08.2018 | Seminare Workshops

Orientieren auf die Schnelle: Neue Erkenntnisse zur Wahrnehmungssteuerung im Gehirn

15.08.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics