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Den Arzt in die Tasche stecken

19.07.2001


Bald Realität? Telemetrische Datenübertragung direkt aus dem Körper in die Klinik bringt Sicherheit - auch ohne viele Arztbesuche, selbst auf der fernen Urlaubsinsel - und weniger „Verkabelung“ in der Intensivmedizin.
Bild: RUB


Schemazeichnung eines Sensorsystems in der Beinarterie (Arteria femoralis) eines Kaninchens.
A: Arterie
B: Telemetriemodul,
C: Katheter
D: Drucksensor
Bild: RUB


Erfindungen z. B. aus der Automobilindustrie sollen demnächst Patienten das Leben leichter machen: Sensoren und Sender, die in den Körper implantiert werden, können etwa Blut-, Hirn- und Augeninnendruck ständig ermitteln und die Werte dem entfernten Arzt übermitteln.

Mit Sensoren und Sendern diagnostizieren

Wenn der Patient nicht zum Arzt kommen will, muss eben der Arzt zum Patienten kommen - und zwar im übertragenen Sinne: Patienten, die einer ständigen medizinischen Überwachung bedürfen, können sich auf neue technische Möglichkeiten freuen. Sensoren und Sender, die in den Körper implantiert werden, können z. B. Blut-, Hirn- und Augeninnendruck ständig ermitteln und die Werte dem entfernten Arzt übermitteln. Für diese Technik hat sich der an der Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinik Bergmannsheil gegründete Arbeitskreis Klinische Mikrosystemtechnik AKM (zehn Partner aus Industrie und Wissenschaft) Erfindungen z. B. aus der Automobilindustrie zu nutze gemacht.

Vom Airbag ins Endoskop

Was in Autos und Computern schon längst Standard ist, soll nun den Patienten das Leben erleichtern: Physikalische Sensoren, die Druck, Beschleunigung oder Temperatur messen können, werden immer kleiner. In Autos dienen sie z. B. der Steuerung eines Airbags. Die Medizin interessierte sich schon früh für diese Miniaturisierung, beschränkte sich jedoch hauptsächlich auf die Entwicklung neuer Instrumente wie Katheter und Endoskope. Deren Funktionsmöglichkeiten ließen sich so erheblich erweitern.

Lückenlose Überwachung in großer Freiheit

Neue Entwicklungen gehen aber noch viel weiter. In den Körper implantiert und per Telemetrie (Entfernungsmessung) mit der Außenwelt verbunden sollen Sensoren zukünftig die stete medizinische Überwachung verschiedenster Vorgänge im Körper ermöglichen. So entwickelten die Partner des Arbeitskreises Klinische Mikrosystemtechik an der Chirurgischen Universitätsklinik Bergmannsheil z. B. ein System zur kontinuierlichen Blutdruckmessung. Ein winziger Drucksensor und eine Telemetrieeinheit werden dabei in biokompatible Materialien verpackt und in den Körper implantiert. Die Daten des Sensors im Blutgefäß sendet die Telemetrieeinheit an den Arzt, so dass der den Blutdruck des Patienten lückenlos aus der Ferne überwachen kann. Diese Art der Druckmessung bietet sich auch für andere Bereiche an, z. B. für die linke Herzkammer, eine minimalinvassive Hirndruckmessung nach Schädelhirntrauma oder Hirnblutung oder die Augeninnendruckmessung beim Glaukom.

Energiesparend, genau und preisgünstig

Auch die drahtlose Übertragung von Beschleunigungswerten eröffnet neue Perspektiven. Sensoren messen dann z. B. Mikrobewegungen in Spalten von Knochenbrüchen, durch die sich der Heilungsprozess wesentlich verkürzen kann. Mit Hilfe von implantierten Beschleunigungssensoren können Mediziner etwa auch frühzeitig erkennen, ob sich eine Hüftprothese lockert. Die Vorteile der neuen Technik liegen auf der Hand: Neben der kontinuierlichen Datenerfassung ermöglichen sie auch die Vermeidung von Infektionen und wiederholten Kalibrierungen, sowie fehlerhafte Blutdruckmessung durch Luftblasen in System. Außerdem brauchen sie wenig Energie, die sie über Batterien oder telemetrisch erhalten können, sind wenig störanfällig, messen sehr genau und lassen sich in hohen Stückzahlen preisgünstig herstellen. Auch könnten sie zukünftig z.B. Intensivpatienten die unangenehme "Verkabelung" im Klinikbett ersparen.

MedRUBIN 2001 erschienen

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in MedRUBIN 2001, neben anderen Themen: Abwehr aus dem Gleichgewicht: Allergie durch Grippeviren (Allergologie); Ohne Schnitt unter die Haut (Dermatologie); Ein (Kunst-)Herz für Kinder (Herzchirurgie); Mit Blutstammzellen gegen Krebs (Innere Medizin); Parkinsongenetik: Schutz und Vorsorge im Blick (Neurologie); Endlich hinein in die Lehrpläne (Ethik und Schmerz); Weniger Stress, weniger Rückenschmerzen (Medizinische Psychologie); "Hauptsache gesund" (Humangenetik); Dicht am Herzschlag (Biomedizinische Technik); Reparaturstrategien des Gehirns: Schaden macht jung (Neurophysiologie); In der Bäckerhefe Erbkrankheiten auf der Spur (Zellbiochemie). MedRUBIN ist für 9 DM im Dekanat der Medizinischen Fakultät erhältlich (Tel. 0234/32-24960).

Weitere Informationen

Dr. Bernhard Clasbrummel, Prof. Dr. Gert Muhr, Chirurgische Universitätsklinik, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-0, Fax: 0234/330734, E-Mail: bernhard.clasbrummel@ruhr-uni-bochum.de, muhr@bergmannsheil.de

Dr. Josef König | idw

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