Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tissue Engineering: Menschliches Gewebe aus dem Bioreaktor

14.02.2005


Die Züchtung von funktionsfähigem Gewebe aus körpereigenen Zellen zur Reparatur geschädigter Herzklappen oder anderer Strukturen des Herzens oder der Luftröhre zeigt ermutigende Fortschritte. Die Herstellung lebender, mitwachsender Herzklappen aus körpereigenen Zellen zum Beispiel brächte nicht nur in der Kinder-Herzchirurgie einen Durchbruch, damit würden auch die Beschränkungen der gegenwärtig verfügbaren Herzklappen aus Kunststoffen oder aus biologischen Materialien überwunden.



"Gute Fortschritte machen derzeit die Studien zum Tissue Engineering von Herzklappen", berichtete Prof. Dr. Axel Haverich auf der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz-und Gefäßchirurgie in Hamburg. Ein Ziel der regenerativen Medizin bestehe darin, mittels Tissue Engineering - also der Gewebezüchtung - künftig funktionsfähiges Gewebe aus körpereigenen Zellen im Labor zu züchten und anschließend Patienten per Transplantation einzupflanzen, um auf diesem Weg nicht fehlendes oder erkranktes Gewebe zu ersetzen. Das im Bioreaktor hergestellte Gewebe wird mit der Zeit dem natürlichen Umfeld immer ähnlicher. "Hier sind im Wesentlichen die Herzklappen, Herzmuskel und die Luftröhre Ziel der gegenwärtigen Untersuchungen", führte der Herz- und Transplantationschirurg von der Medizinischen Hochschule Hannover aus.



Herzklappen wachsen nach Implantation im Kindesalter voraussichtlich mit dem Patienten

Im Zusammenhang mit dem Tissue Engineering von Herzklappen seien experimentelle Arbeiten im Großtier bereits weit fortgeschritten, erste klinische Anwendungen würden durchgeführt, fasste Prof. Haverich die die aktuelle Situation zusammen: "Dabei werden im Wesentlichen biologische Grundstrukturen von verstorbenen Menschen oder Tieren als Matrix mit Gefäßzellen des späteren Transplantat-Empfängers besiedelt. Erste klinische Versuche legen nahe, dass diese Klappen nach Implantation im Kindesalter in der Tat mit dem Patienten mitwachsen."

Die Herstellung lebender Herzklappen aus körpereigenen Zellen brächte nicht nur in der Kinder-Herzchirurgie einen Durchbruch, damit würden auch die Beschränkungen der gegenwärtig verfügbaren Herzklappen aus Kunststoffen oder aus biologischen Materialien überwunden.

Erfolgreiche Herstellung von Herzmuskelgewebe bei Klein- und Großtieren

Auch experimentelle Untersuchungen zur Herstellung von Herzmuskelgewebe seien inzwischen weit fortgeschritten, führte Prof. Haverich aus: "Die Besiedlung verschiedenartiger biologischer oder künstlicher Grundstrukturen mit patienteneigenen Zellen zur Herstellung funktionsfähigen Herzmuskelgewebes haben aber noch nicht den Weg in die Klinik gefunden. Denn die Herzmuskelzellen des Erwachsenen lassen sich derzeit in Kultur noch nicht vermehren, weshalb eine Konstruktion funktionsfähigen Herzmuskelgewebes klinisch noch nicht verwirklicht wurde." Im Tierexperiment hingegen konnten eine Reihe wichtiger Fortschritte erzielt werden, indem solche besiedelten Matrizes bereits in Klein- und Großtieren erfolgreich eingesetzt wurden.

Klinisch wird zum Ersatz erkrankten Herzmuskelgewebes zum Beispiel bei Neugeborenen oder Infarktpatienten die Erschaffung einer mit Blutgefäßen versehenen ("vaskularisierten") Matrix Voraussetzung sein. Prof. Haverich: "Hier erzielten Verfahren des Tissue Engineering im vergangenen Jahr erhebliche Fortschritte in dem Sinne, dass solche Matrizes, die eine ausreichende Versorgung der aufgebrachten Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen sicherstellen, zum Ersatz von rechtem Vorhof und rechter Herzkammer eingepflanzt wurden. Durch den Mangel an besiedelbaren Zellen beim Menschen war dies bisher klinisch nicht möglich, allerdings sind solche vaskularisierten Matrizes bei einzelnen Patienten in der Herztumor-Behandlung bereits eingesetzt worden. Dazu wurden Dünndarmabschnitte mit einem Gefäßstiel zum Beispiel zum Ersatz des rechten Vorhofs verwendet."

Teilersatz der Luftröhre mittels Tissue Engineering

Erstmals in Deutschland wurden Patienten vor zwei Jahren mit einem Teilersatz der Luftröhre behandelt, der mittels Tissue Engineering gewonnen wurde. Diese Entwicklung stammt aus den Leibniz Laboratorien der Medizinischen Hochschule Hannover und wurde bei Tumorkranken eingesetzt. Prof. Haverich: "Weitere experimentelle Untersuchungen zur Herstellung von Flicken zur Deckung größerer Defekte bzw. zum Ersatz der gesamten Luftröhre werden derzeit durchgeführt, wobei auch hier die Blutgefäßversorgung des Implantats eine entscheidende Rolle spielt."

Kontakt:
Pressezentrum Congress Centrum Hamburg (CCH): Tel.:(++49) 040-808037-5116
Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK)
Christiane Limberg, Düsseldorf (Pressereferentin der DGK), D-40237 Düsseldorf, Achenbachstr. 43, Tel.: 0211 / 600 692 - 61; Mail: limberg@dgk.org
Roland Bettschart, Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH; Mobil: 0043-676-6356775; bettschart@bkkommunikation.at

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org
http://www.gstcvs.org

Weitere Berichte zu: Herzklappe Herzmuskelgewebe Luftröhre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

In Form bleiben

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weizen hat ein fünfmal umfangreicheres Erbgut als der Mensch

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wenn Schwefel spurlos verschwindet

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics