Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzschrittmacher mit Alarmfunktion: Deutschlandweit erster Patient erhält rechtzeitige Warnung

10.02.2005


Fortschritt in der Versorgung von Herzinsuffizienz-Patienten


Das Herzzentrum Göttingen des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen hatte im Juni 2004 deutschlandweit dem ersten Patienten mit Herzinsuffizienz einen neuartigen Herzschrittmacher implantiert. Das neue Alarmsystem im ICD (Implantierbarer Cardioverter Defibrillator) soll Herzinsuffizienzpatienten rechtzeitig warnen und so langwierige Krankenhausaufenthalte verhindern.

Jetzt hat dieser Patient als erster in Deutschland von der besonderen Überwachungs- und Vorwarnfunktion dieses Geräts profitiert. Über eine einzigartige Diagnostikfunktion stellt das Gerät bedrohliche Flüssigkeitsansammlungen in den Lungen und damit eine beginnende Lungenstauung frühzeitig fest. "Der Patient wurde über ein Alarmsignal seines Implantats frühzeitig gewarnt, noch bevor er selbst die ersten Symptome der Flüssigkeitsansammlung in der Lunge spüren konnte. So konnte er sich rechtzeitig in klinische Behandlung begeben", erläutert Frau Prof. Dr. Christina Unterberg-Buchwald, Oberärztin in der Abt. Kardiologie und Pneumologie - Herzzentrum des Bereichs Humanmedizin. Nach einer medikamentösen Behandlung zur Wasserausscheidung habe der Patient die Klinik bereits nach vier Tagen wieder verlassen können.


Flüssigkeitsansammlung in den Lungen stellt eine ernste Komplikation bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz dar und ist häufig die Ursache für wiederholte Krankenhausaufenthalte. Den meisten der stationären Aufnahmen von Herzinsuffizienz-Patienten liegt eben diese Komplikation zugrunde. "Eine Lungenstauung wird von den Patienten zunächst nicht wahrgenommen, ihr Risiko wird oft unterschätzt", sagt Professorin Buchwald-Unterberg. So würden sie häufig erst bemerkt, wenn der Patient bereits in einem kritischen Zustand ist. Oft müssten diese Patienten notfallmäßig aufgenommen und auf der Intensivstation behandelt werden. Lange und teure Krankenhausaufenthalte seien die Folge. Mit hunderttausenden von stationären Behandlungen jedes Jahr stellten solche Fälle eine hohe Kostenbelastung für das Gesundheitswesen weltweit dar.

"Die Frühwarnung durch das Implantat bei einer lebensbedrohlichen Wasseransammlung in den Lungen setzt genau an den weiterführenden Behandlungspunkten an", so Dr. Dieter Zenker, Oberarzt der Abt. Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie - Herzzentrum des Bereichs Humanmedizin. "Ambulant versorgende Ärzte können so langwierige Krankenhausaufenthalte ihrer Patienten vermeiden."
Herzinsuffizienz ist die Volkskrankheit Nummer 1 in den wohlhabenden Ländern der Erde. Allein in Europa leiden etwa 14 Millionen Menschen mit verschiedenen Schweregraden unter diesem Krankheitsbild. Der Krankheitsverlauf entwickelt sich bei vielen Patienten dramatisch, langjährige Leidenszeiten mit Luftnot, Kurzatmigkeit, Müdigkeit und fehlender Leistungsfähigkeit führen über immer wiederkehrende Krankenhauseinweisungen zum Herztod. Die Herzinsuffizienz verursacht in Deutschland geschätzte Folgekosten von etwa sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Der im Herzzentrum Göttingen implantierte Schrittmacher gehört zu einer neuen Generation von kombinierten Schrittmachersystemen. Er ist mit einem integrierten Drei-Kammer-Herzschrittmacher (CRT-D-System) der neuesten Generation (InSyns Sentry TM) der Firma Medtronic mit Sitz in Deutschland ausgestattet. In den letzten Jahren konnte vor allem eine spezielle Untergruppe von Herzinsuffizienzpatienten behandelt werden, deren Zustand medikamentös nicht weiter zu verbessern ist. Bei diesen so genannten "Kardialen Resynchronisationsgeräten" (CRT-D-System) wird zusätzlich eine dritte Sonde in die Herzvenen gelegt und damit die linke Herzseite stimuliert. Neben dem lebenswichtigen Defibrillator-Schutz und der prognostisch wirksamen Resynchronisationstherapie enthält der InSync Sentry? damit auch einen wichtigen Diagnose-Parameter. Er ist das modernste derzeit erhältliche CRT-D-System. Er ist klein (40 ccm), hat eine lange Lebensdauer und kann die meisten schnellen lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen schmerzlos und ohne Schock beenden.

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Georg-August-Universität Göttingen
Herzzentrum
Prof. Dr. Christina Unterberg-Buchwald
Dr. Peter Schott
Tel: 0551/39 - 9664

Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Stefan Weller
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 55 - Fax: 0551/39 - 99 57
E-mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: CRT-D-System Herzinsuffizienz Herzschrittmacher Lunge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Goldstandard für die Messung von Schmerzen
03.07.2018 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics