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Herztransplantationen trotz Blutgruppenunverträglichkeit

17.01.2005


In Europa erstmalige Operation von zwei Säuglingen



Eine entscheidende und unabdingbare Voraussetzung für die Durchführung von Or-gantransplantationen war und ist die Übereinstimmung der Blutgruppen zwischen Organspender und Organempfänger. Gerade im Säuglings- und Kindesalter stellt dies aber ein sehr großes Problem dar. Zum einen haben schwer herzkranke Neuge-borene und Säuglinge nur relativ kurze Zeit, in der sie auf ein geeignetes Spenderorgan warten können, da sie ansonsten sterben. Zum anderen kommt es immer wieder vor, dass wegen fehlender Übereinstimmung der Blutgruppen kein geeigneter Empfänger gefunden werden kann, obwohl Eltern eines hirntoten Kindes ihr Einverständnis zur Organtransplantation gegeben hätten.



Diese in höchstem Maße unbefriedigende Situation war für die Ärzte im Klinikum der Universität München am Standort Großhadern Anlass, bei zwei lebensgefährlich erkrankten Säuglingen eine Herztransplantation vorzunehmen, obwohl Spender und Empfänger ungleiche Blutgruppen hatten. Bevor die Spenderherzen wieder vom körpereigenen Blut des Empfängers durchblu-tet wurden, mussten in einem aufwändigen Verfahren die Antikörper gegen die neue Blutgruppe aus dem Serum der kleinen Patienten herausgefiltert werden. Erst als keine Antikörper mehr nachweisbar waren, konnte der Blutstrom wieder frei gegeben werden. In der nachfolgenden Intensivphase wurde eine spezielle immunsuppressive Therapie durchgeführt. Regelmäßige Untersuchungen zeigten, dass die kleinen Patienten keine neuen Antikörper bildeten. Beide Kinder sind von Seiten der Herzfunktion derzeit in einem stabilen Zustand. Abstoßungsreaktionen wurden nicht beobachtet.

Diese Operationen stellen einen weiteren Meilenstein in der engen Zusammenarbeit zwischen Professor Dr. Bruno Reichart (Direktor der Herzchirurgischen Klinik) und Professor Dr. Heinrich Netz (Leiter der Abteilung für Kinderkardiologie) dar. Gerade solche neuen und wegweisenden Eingriffe sind aber nur in einem ausgewiesenen Transplantationszentrum wie Großhadern möglich, wo auch andere Institute und Kliniken ihr spezielles Fachwissen für diese europaweit einmaligen Operationen zur Verfügung stellen. Der Erfolg dieser multidisziplinären Arbeit wird die betroffenen Kliniken auch ermutigen, die Schritte hin zu einem pädiatrischen Transplantationszentrum, die bereits eingeleitet wurden, entschieden weiter zu verfolgen.

Für weitere Informationen steht Ihnen Professor Dr. H. Netz, Leiter der Abteilung für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Telefon 089/ 7095-3940.

S. Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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