Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dünndarm untersuchen und gleichzeitg behandeln

14.01.2005


Das Doppelballonenteroskop ermöglicht den Blick in den gesamten Dünndarm


Bis vor kurzem galt der Dünndarm als "black box" des Verdauungskanals. Wegen seiner Länge von etwa fünf Metern und seiner schweren Zugänglichkeit stießen herkömmliche Untersuchungsverfahren wie Magen- und Darmspiegelung hier bislang an ihre Grenzen. Eine deutliche Verbesserung hat zwar seit einigen Jahren die so genannte Kapsel-Endoskopie gebracht, bei der mit Hilfe einer Videokapsel kontinuierlich Bilder aus dem Dünndarm aufgezeichnet werden. Allerdings nur im Hinblick auf die Diagnostik. Eine Gewebeentnahme und eine Behandlung sind mit dieser Methode nicht möglich. Die Medizinische Klinik B des Universitätsklinikums Münster (UKM), die international zu den Vorreitern bei der Entwicklung und Anwendung neuer endoskopischer Techniken zählt, ist auf diesem Gebiet jetzt einen weiteren entscheidenden Schritt weiter: Als eine von bislang erst ganz wenigen Kliniken in Europa kommt hier jetzt ein in Japan entwickeltes Verfahren zum Einsatz, mit dem erstmals nicht nur der gesamte Dünndarm eingesehen werden kann, sondern vor Ort auch Gewebeproben entnommen und Schadstellen behandelt werden können.


Um den gesamten Dünndarm einsehen zu können, wurde ein besonders dünner und langer Untersuchungsschlauch (Endoskop) entwickelt. Das Prinzip dieses als Doppelballon-Enteroskopie bezeichneten Verfahrens ist einfach: Mit zwei von außen aufblasbaren Doppelballons, die sich an der Spitze des Endoskops und eines so genannten Übertubus befinden, stülpt das System den Dünndarm wie den Arm eines Pullovers ziehharmonikaartig übereinander, um auf diese Weise sozusagen in ihn "hineinzukriechen". Dabei werden die Ballons abwechselnd aufgeblasen und die Luft wieder herausgelassen. Nach und nach wird so der gesamte Dünndarm quasi "aufgefädelt".

"Mit der Doppelballon-Enteroskopie ergeben sich im Dünndarm nun ganz neue diagnostische und vor allem auch therapeutische Möglichkeiten", schildert Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfram Domschke, Direktor der Medizinischen Klinik B des UKM, die großen Vorteile des neuen Verfahrens im Hinblick auf eine optimale Patientenversorgung. Die Technik biete grundsätzlich alle therapeutischen Möglichkeiten der Endoskopie. Sie reichen von der Entnahme von Gewebeproben bis zur Blutstillung, von der Beseitigung von Engstellen bis zur Entfernung von Polypen. Vor der etwa einstündigen Untersuchung erhält der Patient

Beruhigungsmittel, so dass er keinerlei Schmerzen verspürt, wie Domschke versichert.

Zum Einsatz kommt die Doppelballon-Enteroskopie bei unklaren chronischen Blutungen aus dem Verdauungstrakt, deren Ursachen mit anderen Methoden wie der Magen-Darm-Spiegelung nicht geklärt werden können. "Der Vorteil der Methode besteht vor allem darin, dass bei der Entdeckung einer Blutungsquelle im Dünndarm diese sofort behandelt werden kann", betont der Leiter der Endoskopie-Abteilung der Klinik, Prof. Dr. Torsten Kucharzik. Dem Patienten könne daher häufig eine lebensgefährliche Operation erspart bleiben. Neben der Abklärung unklarer Blutungen wird das junge Verfahren auch bei Patienten mit chronischem Durchfall eingesetzt. Zur Anwendung kommt es darüber hinaus auch bei Bauchschmerzen mit Verdacht auf eine Ursache im Dünndarm, wie es bei der chronischen entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn, bei Dünndarmtumoren oder auch bei einer Zöliakie, das heißt einer Weizeneiweiß-Unverträglichkeit, vorkommen kann.

Nach den ersten Erfahrungen aus Japan und nun auch aus dem Universitätsklinikum Münster bezeichnen Experten die diagnostischen und therapeutischen Ergebnisse dieses jungen Verfahrens als ausgezeichnet. "Wenn es von erfahrenen Medizinern durchgeführt wird", so Prof. Domschke, "sind Komplikationen so gut wie ausgeschlossen."

Ansprechpartner für die Doppelballon-Enteroskopie am UKM ist Prof. Kucharzik, Tel. 0251/83 47574.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de/
http://www.klinikum.uni-muenster.de/institute/medb/

Weitere Berichte zu: Doppelballon-Enteroskopie Morbus Crohn UKM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Virotherapie bei Bauchfellkrebs erfolgreich getestet - Neue biologische Krebstherapie
18.09.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Mikrobiota im Darm befeuert Tumorwachstum
18.09.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fester Platz im Unternehmen - 36 Auszubildende und Studierende der Friedhelm Loh Group erhalten Zeugnisse

19.09.2018 | Unternehmensmeldung

Virtual Reality ohne Kopfschmerz oder Simulationsübelkeit

19.09.2018 | Informationstechnologie

Kaiserslauterer Architekten setzen Holzkuppel dank Software einfach wie Puzzle zusammen

19.09.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics