Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Therapiekonzept zur extremen Oberkieferalveolarfortsatzatrophie

22.09.2004


Prof. Dr. Dr. Dieter Weingart vom Klinikum Stuttgart stellt sein neues Behandlungskonzept auf der DGZMK-Jahrestagung vom 30.09.-02.10.04 vor


Extreme Atrophiegrade des Oberkiefers sind fast immer die Folge von frühzeitigem Zahnverlust und langjähriger totalprothetischer Versorgung. Beide führen schließlich zu Situationen in denen der Zahnarzt keine Totalprothese mehr zum Halten bringen kann. Der Patient ist nicht nur ästhetisch entstellt, sondern hat auch erhebliche Probleme bei der Nahrungsaufnahme und beim Sprechen. Diese extremen Atrophiegrade chirurgisch zu therapieren war lange eine der schwierigsten Aufgaben für die rekonstruktive Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Mutige aufwendige Operationsmethoden, wie die Le Fort I Osteotomie mit sandwichartiger Interpositions-Osteoplastik, waren mit nicht unerheblichen Risiken behaftet.

Auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie stellte Prof. Dr. Dr. Dieter Weingart vom Klinikum Stuttgart Katharinenhospital, Tagungsleiter bei der DGZMK-Jahrestagung, nun sein neues Behandlungskonzept vor und konnte bereits ermutigende Ergebnisse aufzeigen.


Die Stuttgarter gehen behutsam und vorsichtig an die komplexe Wiederherstellung heran. So wird grundsätzlich zweizeitig vorgegangen und als Augmentationsmaterial nur der patienteneigene Knochen verwendet. Auf risikoreichere vertikale Onlayosteoplastiken wird verzichtet. Das Maß des Erfolges der Methode ist die gelungene Umsetzung einer zu Beginn genau geplanten prothetischen Rekonstruktion. Die spätere Implantatposition hat sich ausschließlich nach der prothetisch wünschenswerten Pfeilerpositon zu richten. An den strategisch erforderlichen, wünschenswerten Implantat-Positonen werden in einem ersten Eingriff Beckenknochen eingebracht, und zwar in Kombination eines beidseitigen operativen Sinuslift und einer lateralen Augmentation. Sechs Monate später werden die Implatate distal der Eckzahnregion inseriert, da die Augmentation und Implatation im Frontzahnbereich erhebliche Probleme in der Entwicklungsphase und ästhetische und funktionelle Probleme in der prothetischen Versorgung dieser Patienten zur Folge hatte. Drei Monate später können die Implantate dann prothetisch belastet werden. Die Sicherheit und der vorhersagbare Erfolg dieses Konzepts belegen Zahlen einer Stuttgarter Studie.

57 konsekutiv behandelte Patienten wurden mit dieser Kombination aus beidseitiger Sinus-Lift-Operation und lateraler Kieferkammaugmentation mit autologen Knochenblöcken und Spongiosachips aus der Beckenschaufel behandelt. Nach einer sechsmonatigen Einheilungsphase wurden insgesamt 284 Titanschrauben-Implantate inseriert. Nach einer dreimonatigen Osseointegrationsphase wurden die Implantate freigelegt und mit festsitzenden oder herausnehmbaren Suprakonstruktionen belastet. Während des gesamten Beobachtungszeitraums kam es zu keinem Implantatverlust. 3 Implantate zeigten therapierbare periimplantäre Infektionen. Komplikationen der Spende- und Empfängerregionen waren gering und hatten keinerlei Auswirkungen auf den klinischen Behandlungserfolg.

Schlussfolgerung: Dieser neue Therapieansatz der beschriebenen Kombination der Sinuslift-Operation mit der lateralen Augmentation des Kieferkammes ist für die Behandlung von Patienten mit hochgradig atrophischen Oberkiefern in der Hand von gut ausgebildeten und erfahrenen Chirurgen mit ausreichenden klinischen Möglichkeiten eine sehr sichere Methode, die gut vorhersagbare klinische Erfolge ermöglicht.

Markus Brakel | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgzmk.de

Weitere Berichte zu: Augmentation Behandlungskonzept DGZMK-Jahrestagung Implantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Pflanzenmütter kommunizieren mit ihren Embryonen über das Hormon Auxin

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus wird zum Internetstar

17.07.2018 | Architektur Bauwesen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics