Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine wichtige Ergänzung zu Herzkatheter und Ultraschall

02.08.2004


Der Magnetresonanztomograph (MRT) liefert zusätzliche diagnostische Informationen bei akuten und chronischen Herzerkrankungen



Als eine der ersten Kliniken weltweit verfügt die Medizinische Universitätsklinik Heidelberg (Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie) nach ihrem Umzug in das neue Gebäude über einen Hochleistungs-Magnet-Resonanz-Tomographen, der im Gegensatz zu MR Tomographen (MRT) anderer Kliniken in den Bereich des Herzkatheterlabors integriert ist.



"Für den Notfall-Patienten bedeutet dies eine zusätzliche Absicherung," erklärte Professor Dr. Hugo Katus bei einer Pressekonferenz am 29. Juli in Heidelberg. Das MRT kann bei Herzinfarkt, Lungenembolie und Schäden in der Hauptschlagader wichtige Informationen liefern, die mit anderen diagnostischen Methoden wie dem Herzkatheter oder Ultraschall bislang nicht ermittelt werden könnten. Derzeit könnte die neue Methode bei etwa einem Drittel dieser Notfall-Patienten mit akuten Herzbeschwerden zum Einsatz kommen.

Einen weiteren Vorteil bietet vor allem der Standort des neuen MRT-Geräts innerhalb des Herzkatheter-Bereichs: Nach der Untersuchung mit dem Herzkatheter können Notfallpatienten in der Heidelberger Klinik ohne Verzögerung mit dem MRT untersucht werden. Damit ist das MRT essentieller Bestandteil des innovativen Heidelberger Versorgungskonzeptes von Patienten mit Schmerzen im Brustraum. Diese werden in der neuen "Chest Pain Unit" von qualifizierten Kardiologen untersucht und ggf. unmittelbar im Herzkatheterbereich weiter untersucht und behandelt. Von dort kommen sie, je nach Risiko, zur Überwachung auf die Kardiowachstation oder die Intensivstation der Abteilung Kardiologie.

Auch kleine Durchblutungsdefekte sind im MRT sichtbar

Die Magnetresonanztomographie erlaubt eine sehr genaue, differenzierte Darstellung von Körpergeweben mit hohem Wassergehalt, u.a. von Gehirn und Herz. "Schon geringfügige Veränderungen, z.B. kleine Durchblutungsdefekte, können entdeckt werden," sagte Privatdozent Dr. Evangelos Giannitsis, Oberarzt der Kardiologischen Abteilung.

Die MRT-Diagnostik in der Kardiologie hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Ergänzung bzw. zur möglichen Alternative zum Herzkatheter für die Darstellung von Herzkranzgefässen und Herzmuskel entwickelt. Auch bei chronischen Herzerkrankungen, z. B. der Herzmuskelschwäche nach einem Infarkt, kann der MRT-Befund Auskunft über die Funktionsfähigkeit des Herzgewebes geben, falls die Röntgenbilder im Herzkatheterlabor oder der Ultraschall keine exakte Diagnose liefern.

Bei dem neuen Kardio-MRT handelt es sich um ein Gerät der Firma Philips mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla. Durch seine technische Ausstattung - schnelle Gradientenbildung und parallele Bildgebung - sorgt es für hochauflösende und schnelle Bilder. Gegenüber dem Herzkatheter, dem aktuellen Verfahren der Wahl zur Darstellung von Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen, hat der MRT einige Vorteile: Es handelt sich um ein nicht-invasives Verfahren, das auf den Einsatz von Katheter und Kontrastmittel verzichtet und den Patienten im Gegensatz zu Computertomographie und Röntgen keiner ionisierenden Strahlung aussetzt. Allerdings kann es wegen des starken Magnetfeldes nicht bei allen Patienten zum Einsatz kommen, etwa bei Patienten mit Herzschrittmacher oder einem Gefäßstent, der die Herzkranzgefässe offen hält.

Belastungsuntersuchung im MRT weist koronare Herzerkrankung nach

Der Einsatz des MRT befindet sich derzeit allerdings zum Teil noch in der klinischen Erprobung. Es ist jedoch davon auszugehen, dass er künftig zur Standarddiagnostik für die Beurteilung akuter und chronischer Herzerkrankungen gehören dürfte. Eine Reihe der Herzkatheteruntersuchungen könnte dann entfallen; zuvor müssen allerdings noch vergleichende Studien durchgeführt werden. Schon heute sei jedoch klar, sagte Dr. Giannitsis, dass bei vielen Patienten die Herzkranzgefässe und mögliche Verengungen dargestellt werden könnten und damit einzelnen Patienten die Durchführung der Herzkatheteruntersuchung erspart werden könnte.

Die Anwesenheit erfahrener Kardiologen erlaubt es zudem, Belastungsuntersuchungen bei Patienten mit einer vermuteten ausgeprägten koronaren Herzerkrankung unter optimaler Überwachung durchzuführen und zu befunden.

Mittelfristig geplant ist die Durchführung sogenannter "Hybriduntersuchungen". Dabei kann von der MRT- zur Herzkatheteruntersuchung gewechselt werden, ohne dass der Patient umgelagert werden muss. In Einzelfällen können sogar Eingriffe am MRT durchgeführt werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hugo Katus: 06221 / 56-8670 (Sekretariat)

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Herzerkrankung Herzkatheter Kardiologie MRT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics