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Extremer Anstieg von Kurzsichtigkeit in Ostasien

09.07.2004


Lebensweise verantwortlich, nicht die Gene



Ostasisatische Länder verzeichnen einen extremen Anstieg von Kurzischtigkeit. Entgegen dem verbreiteten Glauben sind die Menschen dort nicht genetisch anfälliger als andere Bevölkerungsgruppen. Die Epidemien von Kurzsichtigkeit in Singapur und Japan sind auf die Veränderungen in der Lebensweise zurückzuführen und könnten auch bald in westlichen Ländern beobachtet werden, wo sich der Lifestyle ebenfalls ändert. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Australischen National Universität in Canberra.

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Kurzsichtigkeit ist im Prinzip überall im Steigen begriffen, aber in Ländern wie Singapur hat die Krankheit ein überdurchschnittliches Niveau erreicht. Dort sind 80 Prozent der 18-jährigen männlichen Armee-Rekruten kurzsichtig, im Vergleich zu 25 Prozent vor 30 Jahren. Arbeitgeber wie die Polizei haben Probleme Bewerber zu finden, die ihren Anforderungen gerecht werden. Außerdem liegt ein steigendes Auftreten von extremer Kurzsichtigkeit vor, die bis zur Erblindung führen kann.

Warum die Rate an Kurzsichtigkeit in Ostasien so hoch ist wie nirgends sonst, gibt den Forschern Rätsel auf. Eine konventionelle Ansicht ist, dass Menschen aus dieser Region genetische Abweichungen aufweisen, die sie anfälliger machen. Aber nach der Überprüfung von 40 Studien kommen ein Forscherteam um Ian Morgan von der Australischen National Universität in Canberra und Kathryn Rose von der Universität von Sydney zu dem Schluss, dass es keinerlei Beweise für das Vorliegen genetischer Veränderungen gibt.

Beispielsweise leiden 70 Prozent der 18-jährigen Männer indischen Ursprungs in Singapur an Kurzsichtigkeit, aber in Indien selbst nur zehn Prozent. Aber auch in Schweden sind 50 Prozent der Zwölfjährigen kurzsichtig und die Experten erwarten, dass diese Rate auf 70 Prozent stiegt bis diese Kinder erwachsen sind. Es sind weit noch nicht alle Faktoren der Lebensweise untersucht, die für die Kurzsichtigkeit verantwortlich sind, und auch Schutzfaktoren sind zuwenig erforscht. Erwiesen ist jedoch, dass Kinder, die weniger lesen, mehr Zeit im Freien verbringen, wo sie viel besseres Licht haben. Studien zeigen, dass Kinder die Sport betreiben, weniger anfällig für Kurzsichtigkeit sind. Andere Experten halten die Ernährung für einen grundlegenden Faktor.

Auch wenn es zwischen Bevölkerungsgruppen keine signifikanten Unterschiede gibt, seien genetische Studien unvermeidlich, sagt Christopher Hammond vom St. Thomas´ Hospital in London, der im Zusammenhang mit der Kurzsichtigkeit 506 Zwillingspaare untersuchte, wobei er Umweltfaktoren aus dem Vergleich heraushielt. Er fand heraus, dass die Gene zu 87 Prozent die Variation in Kurz- und Weitsichtigkeit bedingen. Das Team hat mehrere Gene identifiziert, die beteiligt sein könnten, einschließlich von PAX-6, das für seine Bedeutung bei der Entwicklung des Auges bekannt ist.

Marietta Gross | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.anu.edu
http://www.usyd.edu

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