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RUB-Forscher entwickelt neuartiges Wundkammersystem: BO-Chamber® hilft der Wundheilungsforschung

10.05.2004


Wundinfektionen sind ein wachsendes Problem: Immer mehr Keime entwickeln Resistenzen gegen Medikamente und sind schlimmstenfalls schuld am Tod von immungeschwächten Patienten wie Schwerbrandverletzten. Um die Wundheilung besser verstehen und beeinflussen zu lernen, hat Dr. Lars Steinsträßer (RUB-Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, BG-Kliniken Bergmannsheil, Direktor: Prof. Dr. Hans-Ulrich Steinau) gemeinsam mit Dr.-Ing. Michael Wehmöller (Lehrstuhl für Produktionssysteme, Prof. Dr. Horst Meier) ein neuartiges Wundkammersystem aus Titan entwickelt. Im Bochumer Wundkammersystem, der sog. BO-Chamber®, lassen sich Wunden erstmals standardisiert unter natürlichen Bedingungen untersuchen.


Schematische Darstellung des Titan-Wundkammersystems


Über einen Schlauch lassen sich Medikamente einbringen oder Wundflüssigkeit entnehmen



Problematisch: krankmachende, antibiotikaresistente Bakterien



Eine Verletzung der Haut bekommt der Körper normalerweise gut in den Griff: Das Immunsystem beseitigt Erreger, neue Haut entsteht, die Wunde verschließt sich. Doch das funktioniert nicht immer so reibungslos: Infektionen können die Wundheilung empfindlich stören. Doch das Verständnis der molekularen Abwehrmechanismen der Haut und warum eine Wunde heilt und eine andere nicht, ist trotz neu entwickelter Nachweismethoden noch unzureichend. Bei Brandwunden und chronischen Wunden z. B. ist die Körperabwehr gestört und krankmachende Bakterien und Pilze können sich ungehindert in der Wunde vermehren.

Fortschritt nur mit standardisierten Tierversuchen

Fortschritte im Verständnis der Mechanismen des Immunsystems und der Wundheilung sind ohne Tierversuche undenkbar. "Nur mit standardisierten Versuchen können wir bestehende Therapieoptionen verbessern bzw. neue Therapien entwickeln, da die komplexen Zusammenhänge noch nicht ausreichend simuliert werden konnten", so Dr. Steinsträßer. Mit den bisher eingesetzten Wundkammersystemen war es nur eingeschränkt möglich, infizierte Wunden zu untersuchen, da die Untersuchungsbedingungen stark variierten.

BO-Chamber: optimierte Untersuchungsbedingungen

Die neu entwickelte BO-Chamber® besteht aus einem Titanring, der binnen einer Woche in eine zuvor unter Narkose passgenau präparierte Wunde in der Haut einheilt. Die Wundkammer ist mit einem Schraubverschluss luftdicht und keimfrei abgeschlossen, so dass keine unerwünschte Infektion entsteht und das Tier keinen Schmerz spürt. Durch ein mit der BO-Chamber® verbundenes Schlauchsystem können die Forscher Wundflüssigkeit entnehmen oder Medikamente in die Wunde bringen, ohne das Tier erneut zu narkotisieren. "Dadurch, dass ein Tier problemlos mehrere Wundkammern tragen kann, sind erstmals standardisierte Vergleiche in der Wundheilungsforschung möglich, was gleichzeitig die Anzahl der benötigten Versuchstiere deutlich reduziert", erläutert Dr. Steinsträßer die Vorteile des Systems.

Hoffnungsträger; Hautäquivalente und Gentherapie

An neuen Therapiealternativen zur Verbesserung der Wundheilung wird zurzeit in Bochum intensiv gearbeitet. Neben der Forschung zur Entwicklung eines optimierten Hautäquivalentes versuchen die Forscher, mittels Gentherapie die Heilung von Problemwunden zu verbessern. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Bochumer Wundkammersystem sind so viel versprechend, dass die Harvard Universität das System bereits im Einsatz hat.

Bezug

Wi-Med Bergmannsheil GmbH, Bürkle-de-la-Camp-Platz 2, 44789 Bochum, Tel. 0234/97656-0

Weitere Informationen

Dr. Lars Steinsträßer, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bürkle-de-la-Camp-Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-3442, E-Mail: lars.steinstraesser@rub.de

Dr. Josef König | idw

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