Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zement in der Wirbelsäule verjagt den Schmerz

31.03.2004


Wenn der Alltag zu einer Qual wird: Osteoporose und Tumorbefall können lähmende Dauerschmerzen an der Wirbelsäule auslösen. Im Kampf um Schmerzfreiheit und Mobilität hilft den Betroffenen ein modernes und schonendes Verfahren, die so genannte Vertebroplastie. Radiologen spritzen dabei in die betreffenden Wirbel einen speziellen "Knochenzement". Die Radiologische Klinik des Universitätsklinikums Bonn ist eines der wenigen Zentren in Deutschland, das diesen schmerzlindernden Eingriff durchführt.


Radiologe Wilhelm demonstriert an einem Wirbel-Modell das Prinzip der Vertebroplastie.
Foto: Dr. Inka Väth / Uni Bonn



Knochen geben durch Osteoporose oder Tumorbefall in ihrer Festigkeit nach. So ist die Wirbelsäule nicht mehr belastbar und einzelne Wirbelkörper können brechen - oft reicht schon das Heben eines schweren Gegenstandes oder ein leichter Sturz. Die Folgen davon sind massive Schmerzen, die häufig auch mit starken Medikamenten nur schwer behandelbar sind. Nicht selten ist der schmerzgeplagte Patient bettlägerig und auf fremde Hilfe angewiesen.



Eine neue, vielversprechende Behandlungsmöglichkeit, die Vertebroplastie, setzt direkt bei der Schmerzursache an. Ärzte füllen den porösen, gebrochenen Knochen mit einem speziellen "Zement" auf, der fast identisch ist mit den bei Gelenksersatz-Operationen schon seit langer Zeit eingesetzten Zementen. "Besonders die Knochenhaut reagiert schmerzempfindlich auf Druck- oder Zugbelastung. Wir wollen in erster Linie die Wirbelsäule stabilisieren und damit die Schmerzen reduzieren. Die Patienten benötigen dann nur noch wenige oder keine Schmerzmedikamente mehr", sagt Dr. Kai Wilhelm von der Radiologischen Universitätsklinik Bonn. Dazu schieben die Radiologen vorsichtig eine Hohlnadel in den verformten Wirbelkörper und spritzen Knochenzement ein. Eine permanente Bildkontrolle mit einem hochauflösenden Zwei-Ebenen-Röntgengerät macht diesen Eingriff sicher. Nur äußerst selten treten Komplikationen durch unbeabsichtigten Abfluss von Knochenzement auf.

Der zähflüssige Zement verfestigt sich nach wenigen Minuten und stabilisiert die Fraktur. Oft verspüren die Patienten schon kurz nach der Behandlung eine Schmerzlinderung. Bald können sie wieder aufstehen und selbständig nach Hause gehen. "Gerade für die Krebspatienten ist die Mobilität wichtig, denn dadurch können Komplikationen durch zu langes Liegen vermieden werden. Dabei muss die Vertebroplastie in die Tumorbehandlung mit Chemo- und Strahlentherapie integriert werden", erklärt der Privatdozent. In komplizierten Fällen, beispielweise bei einem eingeklemmten Nerv, arbeiten die Radiologen eng mit der Neurochirurgischen und Unfallchirurgischen Universitätsklinik zusammen. In solchen Fällen beseitigen die Chirurgen die Ursache operativ und fixieren häufig die Wirbelsäule mit einem Metallimplantat. "Sind die Knochen durch Osteoporose brüchig halten diese Implantate aber nur schlecht in den angrenzenden Wirbelkörpern", erklärt Radiologe Wilhelm.

Ist zusätzlich die Wirbelkörperhinterkante von der Fraktur betroffen, wird die Vertebroplastie nicht eingesetzt. Denn dann besteht die Gefahr einer Querschnittslähmung durch unkontrolliert ausströmenden Knochenzement, der das Rückenmark einengt. Eine völlig neue Methode hilft Osteoporose-Patienten nun auch in diesen Fällen. "Bei der so genannten Ballon-Kyphoplastie schafft ein Ballon-Katheter einen Hohlraum und ermöglicht uns so, den Knochenzement gezielt einzuführen", sagt Radiologe Wilhelm. Bei frischen Frakturen kann dieses Verfahren sogar die Wirbelsäule leicht wieder aufrichten. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für ältere Menschen mit einem durch Osteoporose verursachten Rundrücken, auch "Witwenbuckel" genannt.

Das Bild zur Pressemitteilung gibt es im Internet unter http://www.uni-bonn.de >> Aktuelles >> Presseinformationen.

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Kai Wilhelm
Radiologische Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-6505 oder 6311
E-Mail: wilhelm@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | Uni Bonn
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2004/123.html

Weitere Berichte zu: Knochenzement Osteoporose Radiologe Vertebroplastie Wirbelsäule

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Goldstandard für die Messung von Schmerzen
03.07.2018 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Im Focus: Magnetic vortices: Two independent magnetic skyrmion phases discovered in a single material

For the first time a team of researchers have discovered two different phases of magnetic skyrmions in a single material. Physicists of the Technical Universities of Munich and Dresden and the University of Cologne can now better study and understand the properties of these magnetic structures, which are important for both basic research and applications.

Whirlpools are an everyday experience in a bath tub: When the water is drained a circular vortex is formed. Typically, such whirls are rather stable. Similar...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation

13.07.2018 | Informationstechnologie

Fachhochschule Südwestfalen entwickelt innovative Zinklamellenbeschichtung

13.07.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics