Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Standort für die Hirnforschung

10.03.2004


Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung (ZNP) an der LMU eröffnet



Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und BSE - die Begriffe haben an Schrecken nicht verloren. Neuropathologen und Prionforscher beschäftigen sich weltweit mit diesen und anderen Hirnerkrankungen bei Mensch und Tier. Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Zentrums für Neuropathologie und Prionforschung (ZNP) an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München am heutigen Mittwoch haben sich die Bedingungen für diese Forschung jetzt deutlich verbessert.



In unmittelbarer Nachbarschaft zu den naturwissenschaftlich-medizinischen Einrichtungen des HighTechCampus der LMU in München-Großhadern ist mit dem ZNP ein multifunktionales Forschungsgebäude für die Hirnforschung entstanden. Der in zwei Jahren für 19,5 Millionen Euro errichtete Neubau beherbergt auf 2583 Quadratmetern neben Büros und Laborarbeitsplätzen spezielle Sicherheitslabors der Kategorien S2 und S3. Das oberste Stockwerk bietet die Voraussetzungen, um Versuchstiere, insbesondere Mäuse, geeignet unterzubringen. Damit verfügen die Forscher nun über eine Infrastruktur, um im ausreichenden Maße Infektionsversuche für die Erforschung von Hirnerkrankungen durchführen zu können.

Das neue Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung (ZNP) an der LMU steht allen wissenschaftlichen Projekten des Bayerischen Forschungsverbunds Prionen (FORPRION) offen. Neben dem Institut für Neuropathologie der LMU (Leitung: Professor Hans Kretzschmar) beherbergt es bereits die Geschäftsstelle von FORPRION. Das Institut für Neuropathologie ist zugleich Referenzzentrum für neurodegenerative Erkrankungen und Referenzzentrum für Prionkrankheiten der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie (DGNN). Das zentrale Netzwerksekretariat des Brain-Net, der Deutschen Hirngewebebank (Referenzzentrum für Erkrankungen des ZNS), einem Netzwerk von zehn universitären Hirnbankzentren in Deutschland, hat ebenso seinen Sitz im ZNP wie die Leitung der Deutschen CJD Surveillance (epidemiologische Überwachung der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit in Deutschland). Gleichzeitig arbeitet in dem neuen Gebäude an der Feodor-Lynen-Straße eine Arbeitsgruppe des Laboratoriums für funktionale Genomanalyse (LAFUGA) des Genzentrums der LMU unter der Leitung von Professor Eckhard Wolf.

Nach Ansicht des Leiters des ZNP und Vorstand von FORPRION, Professor Hans Kretzschmar, ermöglicht der zentrale Standort eine ideale Vernetzung von Forschungsressourcen: "Eines der wichtigsten Zentren der Prionforschung und ein wesentlicher Teil der Forschungsorganisation wird hier lokalisiert sein", versichert Kretzschmar.

Der Forschungsverbund FORPRION vernetzt 26 Projekte, angesiedelt an fünf bayerischen Universitäten. Das Netzwerk umfasst die Universität Nürnberg-Erlangen, Würzburg, Bayreuth, Regensburg, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und das Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried. Alle FORPRION-Forschungsgruppen stehen über die Nationale TSE-Forschungsplattform in wissenschaftlichem Austausch mit den in der Prionforschung arbeitenden Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland.

Zur Forschung
Nicht erst seit im November 2000 das erste Rind in Schleswig-Holstein BSE-positiv getestet wurde, suchen deutsche Wissenschaftler nach den Ursachen, Verbreitungswegen und Heilungschancen von Transmissiblen Spongiformen Enzephalopathien, kurz TSE. Die durch infektiöse Eiweißablagerungen ausgelöste schwammartige Veränderung des Hirns äußert sich bei Rindern in Form von BSE, beim Menschen als Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK). Schon in den 20er Jahren beschrieben die Mediziner Hans Gerhard Creutzfeldt und Alfons Jakob erstmals und unabhängig voneinander dieses Leiden. Mit der deutschen "BSE-Krise" erfuhr diese Forschungsrichtung einen neuen Aufschwung: Anfang des Jahres 2001 gründete der Freistaat Bayern FORPRION. Ziel des Forschungsverbunds ist sowohl die einschlägige Grundlagenforschung, als auch die Suche nach Diagnosemöglichkeiten und Therapien für TSE. Nach einer Zwischenevaluation im Herbst 2003 wird FORPRION durch den Freistaat nun zunächst bis Mitte 2006 weiter gefördert.

"Die sichere Diagnose der Prionkrankheiten ist derzeit nur durch die biochemische oder histopathologische Untersuchung des Gehirns möglich", betont Professor Kretzschmar. TSE-Krankheiten können nur durch die Untersuchung von Nervenzellen nach dem Tod des infizierten Lebewesens nachgewiesen werden. Testverfahren, die beim lebenden Menschen oder Tier eingesetzt werden können, existieren derzeit noch nicht.

Auch bei der Erforschung von Alzheimer und Parkinson reichen einfache Zellkulturmodelle nicht aus, um die Krankheiten zu verstehen. Forschungen mit transgenen Mäusen ermöglichen es jedoch beispielsweise im Falle der Parkinsonerkrankung, pathologische Vorgänge gut zu rekapitulieren. Auf diese Weise könnten nicht nur die Wirkmechanismen der Erkrankung im Gehirn untersucht, sondern gleichzeitig auch potenzielle Medikamente getestet werden. Da neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson ihre Ursache ebenso wie BSE in einer Veränderung von Eiweißen im Gehirn haben, werden auch Forschungen zu diesen Leiden am neuen Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung angesiedelt sein.

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: FORPRION LMU Neuropathologie Prionforschung ZNP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics