Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie stark muss die Immunabwehr unterdrückt werden?

18.02.2004


Gentests ermöglichen individuelle Dosierung von Cyclosporin nach Transplantation / Weniger Abstoßungen und Nebenwirkungen



Wissenschaftler des Instituts für Immunologie und Ärzte der Medizinischen und Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg haben eine Methode entwickelt, die es erlaubt, den individuellen Grad der Immunsuppression schnell und präzise mittels Gentests zu bestimmen. Diese Arbeit ist in der jüngsten Ausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift "Transplantation" veröffentlicht worden.

... mehr zu:
»Cyclosporin »Immunologie


Die Einführung des Medikamentes Cyclosporin, das die Immunabwehr unterdrückt, hat seit Ende der siebziger Jahre die Langzeitergebnisse von Transplantationen wesentlich verbessert. Viele Probleme in der Versorgung transplantierter Patienten gehen jedoch auf die toxischen Nebenwirkungen dieses Medikaments zurück. Zudem ist es schwierig, die individuelle Dosis zu bestimmen, die dem Patienten nicht schadet, aber dennoch wirksam eine Abstoßung des fremden Organs verhindert. Nach wie vor gebe es keine zuverlässigen und praktikablen Messgrößen für die Wirkung von Cyclosporin auf das Immunsystem einzelner Patienten, erklärt Prof. Dr. Stefan Meuer, Ärztlicher Direktor des Instituts für Immunologie. Auch der Blutspiegel, der bei transplantierten Patienten bestimmt wird, kann letztlich nur zeigen, dass das Medikament in ausreichender Konzentration verfügbar ist.

Cyclosporin hemmt das Enzym Calcineurin und unterdrückt dadurch die Aktivierung verschiedener Gene, die eine Produktion körpereigener Immunstoffe wie Interleukin-2, Interferon gamma und den Wachstumsfaktor GM-CSF auslösen. Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten bei mehr als 100 transplantierten Patienten, die Cyclosporin und weitere Immunsuppressiva erhalten hatten, welche Gene in Immunzellen (Lymphozyten) des Blutes durch die Einnahme dieser Medikamente unterdrückt wurden. Der Grad des Rückgangs der Genaktivität stimmte weitgehend mit dem Cyclosporin-Blutspiegel überein.

Hohe Genaktivität zeigt Abstoßung an

Jedoch gab es auch Hinweise, dass der Gentest möglicherweise zuverlässiger ist als die Blutspiegel-Bestimmung. "Bei einem Patienten, dessen Organ immer wieder abgestoßen wurde, haben wir hohe Cyclosporin-Spiegel gefunden, aber keine Abnahme der Genaktivität", berichtet Dr. Thomas Giese, Wissenschaftler am Institut für Immunologie. "Das Medikament war in diesem Fall offensichtlich wirkungslos." Außerdem konnten Patienten identifiziert werden, bei denen das Immunsystem offensichtlich zu stark unterdrückt wurde. Solche Patienten würden von einer niedrigeren Dosierung und damit geringeren Nebenwirkungen profitieren.

In einer klinischen Studie, die in Heidelberg begonnen wurde, deuten erste Ergebnisse auf die Richtigkeit dieser Hypothese hin. Professor Meuer geht davon aus, dass der Gentest künftig eine sinnvolle Ergänzung der Spiegelbestimmung werden könnte. Dadurch könnten die Dosen an den individuellen Bedarf des Patienten angepasst und sowohl Abstoßungen wie auch Nebenwirkungen reduziert werden.

Literatur:
Giese T, Zeier M, Schemmer P, Uhl W, Schoels M, Dengler T, Büchler M, Meuer S: Monitoring of NFAT-regulated gene expression in the peripheral blood of allograft recipients: a novel perspective toward individually optimized drug doses of cyclosporine A. Transplantation. 2004 Feb 15;77(3):339-344.

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Stephan Meuer, Ärztlicher Direktor des Institutes für Immunologie:
06221 / 56-4001 (Sekretariat, Frau Müller)

Dr. Thomas Giese, Institut für Immunologie, Labor für Molekulare Diagnostik:
Telefon: 06221 / 56-4031, E-Mail: Thomas.Giese@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | Universitätsklinikum Heidelberg
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/pressemitteilungen/2004/02/pm26.htm

Weitere Berichte zu: Cyclosporin Immunologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics