Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erforschung genetischer Ursachen von Erkrankungen des Nervensystems

23.04.2001


... mehr zu:
»Nervensystem »Psychotherapie
Bundesministerium für Bildung und Forschung bewilligte 4,5 Millionen Mark für interdisziplinäres Verbundprojekt Marburger Wissenschaftler

Rund 4,5 Millionen Mark hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung einer Gruppe von Wissenschaftlern der Philipps-Universität Marburg für die Erforschung so genannter frühmanifester Regulations- und Entwicklungsstörungen bewilligt. Unter dieser Thematik kooperieren elf Abteilungen aus dem Marburg-Gießener Raum mit drei externen Partnern. Die Förderung erfolgt im Rahmen des "Nationalen Genomforschungsnetzes", für das aus den UMTS-Erlösen in den nächsten drei Jahren bundesweit insgesamt 350 Millionen Mark für die krankheitsbezogene genetische Forschung zur Verfügung stehen.

Von Marburg aus sollen in einem interdisziplinären Ansatz dabei zwei Bereiche von Erkrankungen des Nervensystems eingehend untersucht werden:
· Störungen der Gewichtsregulation (frühmanifeste Adipositas, Anorexia nervosa und konstitutionelle Entwicklungsverzögerungen von Wachstum und Pubertät). Damit befassen sich vier der fünf genehmigten Projekte unter genetischen, epidemiologischen und sozio-ökonomischen Gesichtspunkten.
· Frühmanifeste motorische Störungen (hyperkinetisches Syndrom, Gilles de la Tourette-Syndrom und frühmanifeste Dystonien).
In beiden Projektbereichen geht es - so Professor Helmut Remschmidt, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, als Sprecher des Verbundprojekts - um die Erforschung der molekulargenetischen Grundlagen, ihre funktionellen Auswirkungen, ihre klinischen Manifestationen und, darauf basierend, in der Folge auch um Behandlungsmöglichkeiten.

Die Erforschung frühmanifester Regulations- und Entwicklungsstörungen ist nach den Worten von Professor Remschmidt von großer allgemeinmedizinischer und auch volkswirtschaftlicher Bedeutung:

Adipositas ist ein zunehmendes Problem aller industrialisierten Länder. In Deutschland sind davon rund 20 Prozent der Allgemeinbevölkerung betroffen. Die Folgen der Adipositas zeigen sich in vielen Bereichen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, orthopädische Erkrankungen, Frühinvalidität).
Auch Essstörungen (Anorexia nervosa und Bulimia nervosa) erreichen in industrialisierten Ländern eine Verbreitung von rund 1 Prozent (Anorexia nervosa) und bis zu 3 Prozent (Bulimia nervosa) bei 15- bis 24-jährigen Mädchen. Die häufig auftretende Chronifizierung dieser Störungen stellt auch für die Gesellschaft ein großes Problem dar, weil im Verlaufe der Erkrankung häufig andere Störungen hinzutreten wie Depressionen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Persönlichkeitsstörungen und Angststörungen.
Das hyperkinetische Syndrom (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, ADHD) betrifft bis zu 5 Prozent der Schulkinder, hat schwerwiegende Auswirkungen auf ihre schulische Karriere (erhebliche Verhaltensauffälligkeiten, die häufig zum Schulausschluss führen), und langfristige Folgen: dissoziales Verhalten, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Kriminalität.
Ticstörungen und das Gilles de la Tourette-Syndrom (gemeinsames Auftreten von motorischen und vokalen Tics) sind von großer sozialer Bedeutung, nicht zuletzt wegen der Chronifizierungstendenz und aufgrund der Tatsache, dass sich im Langzeitverlauf häufig Zwangsstörungen hinzugesellen, die mit erheblichen Einschränkungen im alltäglichen Leben einhergehen und nicht selten zur Frühberentung führen. Chronische Ticstörungen treten in einer Häufigkeit von etwa 2 bis 3 Prozent der Allgemeinbevölkerung auf.

Der gesamte Projektbereich konzentriert sich schwerpunktmäßig auf Kinder und Jugendliche. "Wenn es gelingt, die grundlegenden Mechanismen all dieser Störungen in einem frühen Stadium und in einer frühen Altersgruppe aufzudecken, verspricht die Marburger Forschungsinitiative auch einen wirksamen Einsatz präventiver Maßnahmen nach dem altbekannten Motto ’Vorbeugen ist besser als heilen’", hebt Professor Remschmidt hervor.

Folgende Institutionen sind an dem Marburger Verbundprojekt beteiligt:
1. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Professor Remschmidt, Professor Hebebrand),
2. Neurologische Klinik (Professor Oertel, PD Dr. Bandmann),
3. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Professor Krieg, Dr. Vedder),
4. Institut für Pharmakologie und Toxikologie (Professor Gudermann),
5. Institut für Physiologie (Professor Voigt), Abteilung für Immunphysiologie (Professor Besedovsky, Dr. del Rey),
6. Arbeitsgruppe für molekulare Neurowissenschaften (Prof. Weihe) am Institut für Anatomie und Zellbiologie,
7. Abteilung für Neuropathologie (Professor Mennel),
8. Institut für Biometrie und Epidemiologie (Professor Schäfer),
9. Fachgebiet Tierphysiologie, FB Biologie (Professor Heldmaier, Dr. Klingenspor),
10. Universitäts-Kinderklinik Gießen (Professor Gortner), Pädiatrische Endokrinologie (PD Dr. Wudy),
11. Max-Planck-Institut für physiologische und klinische Forschung Bad Nauheim (Professor Schmidt)
Externe Partner sind:
12. Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der RWTH Aachen (Professorin Herpertz-Dahlmann),
13. Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Würzburg (Professor Warnke),
14. Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Regensburg (Dr. Linder).

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Helmut Remschmidt
Tel.: 06421/2866260
E-Mail: remschm@med.uni-marburg.de

Klaus Walter | idw

Weitere Berichte zu: Nervensystem Psychotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics