Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Perspektiven für Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen

11.02.2004


Mit der Installation eines neuen Hochleistungsgerätes zur Bestrahlungsplanung und Tumordiagnostik und haben sich am Universitätsklinikum Münster (UKM) neue Perspektiven für die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen eröffnet. Das Gerät, das am Freitag, 13. Februar 2004, im Rahmen eines Festsymposiums offiziell eingeweiht wird, vereint die Möglichkeiten zweier unterschiedlicher bildgebender Verfahren, und zwar der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und der Computertomographie (CT). Das UKM gehört zu den ersten Kliniken Deutschlands, die über diesen weltweit schnellsten bildgebenden PET-CT verfügen, den "Biograph Sensation 16" der Firma Siemens. Die Kombination der nuklearmedizinischen und des radiologischen Verfahren erlaubt die simultane Darstellung von Stoffwechsel und Struktur innerer Organe. Neben der Anwendung bei Tumorpatienten eröffnet das innovative Untersuchungsverfahren auch neue Perspektiven in anderen Bereichen, wie insbesondere in der Herzmedizin.


Nach einem Wettbewerb der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde das UKM als bundesweites Referenzzentrum für diese Untersuchungsmethode erklärt. Die Investitionskosten für das neue System konnten dadurch fast auf die Hälfte reduziert werden und lagen alles in allem bei rund 2,5 Millionen Euro. Der PET-CT wird gemeinsam von der Klinik für Nuklearmedizin, der Klinik für Strahlentherapie und dem Institut für Klinische Radiologie des UKM betrieben.

Das neue Hochleistungsgerät vereint einen PET-Scanner neuester Generation und ein besonders leistungsfähiges 16-Zeilen-Spiral-CT. Während mit Hilfe des CT die zu untersuchende Körperregion in 16 Schichten gleichzeitig gescannt und in einem Hochleistungsrechner zu einer gestochen scharfen dreidimensionalen Darstellung rekonstruiert werden kann, wird mit dem PET zeitgleich der Stoffwechsel in dieser Körperregion gemessen. Die überlagerten Bilder beider Verfahren bieten einen schnellen und detaillierten Einblick in die anatomischen und biologischen Strukturen des ganzen menschlichen Körpers. Dadurch können beispielsweise Gewebeproben gezielter vorgenommen und die anschließende Therapie genauer und schonender geplant werden.



Ein wichtiger Einsatzbereich ist die Krebsmedizin: So kann beispielsweise mit der PET der Zuckerstoffwechsel dargestellt werden. Gegenüber normalen Körperzellen ist er in Tumorzellen deutlich erhöht. Sichtbar gemacht werden kann dies durch radioaktiv markierte Glukose mit sehr kurzer Halbwertzeit, die sich in Gewebe mit erhöhtem Zuckerstoffwechsel anreichern. Eine Einschränkung dieses nuklearmedizinischen Verfahrens war bislang die fehlende Darstellung der Körperstruktur. Durch die gleichzeitige Computertomographie derselben Körperregion ist es nun möglich, Speicherherde mit erhöhtem Zuckerstoffwechsel räumlich millimetergenau zuzuordnen. Dies erleichtert die gezielte Behandlung der Tumoren. Auch hat die Forschung gezeigt, dass sich die die Positronen-Emissions-Tomographie und die Computertomographie und in idealer Weise ergänzen: Regionen, die mit dem einen Verfahren schwer zu erfassen sind, sind dem anderen Verfahren zugänglich.

Besonderen Nutzen erwarten die Betreiber des neuen Hochleistungsgerätes für die Strahlentherapie-Planung. Durch die gleichzeitige Information über Stoffwechsel und Struktur der erkrankten und zu bestrahlenden Körperregion kann der Strahlentherapeut das Bestrahlungsareal noch präziser als bislang eingrenzen. Auf diese Weise kann der Tumor optimal behandelt werden, ohne empfindliche benachbarte Strukturen zu beeinträchtigen.

Durch den gemeinsamen Betrieb des PET-CT wird die enge Zusammenarbeit der Klinik für Nuklearmedizin, der Klinik für Strahlentherapie und des Instituts für Klinische Radiologie weiter gefördert. Auch für die Diagnostik anderer Erkrankungen bietet das neue Gerät ideale Voraussetzungen. So kann bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit mit Hilfe der Hochleistungs-CT eine genaue Darstellung der Struktur der Blutgefäße erfolgen, während gleichzeitig mittels der PET die Durchblutung und die Stoffwechselaktivität des Herzmuskels sichtbar gemacht werden. Auch hier gehen die Mediziner davon aus, dass die gemeinsame Befunderhebung ergiebiger sein wird als die Summe der Einzelergebnisse. Und, nicht zuletzt, werden die Befunde zum Nutzen des Patienten schneller erhoben.

Jutta Reising | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore
19.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics