Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Materialien im Kopf: Schädelimplantat löst sich von innen her auf

13.11.2003


Schutz und Stabilität sollen Schädelimplantate bei Kopfverletzungen bieten - aber nur solange, bis der Körper die verletzte Stelle selbst wieder verschließen kann. Bis es soweit ist, wirken sie als Platzhalter für neuen Knochen; wenn er dann da ist, lösen sie sich auf. Dafür, dass dieses Konzept funktioniert, sorgte Dipl.-Chem. Carsten Schiller (Fakultät für Chemie der RUB, Betreuer Prof. Dr. Matthias Epple). Zusammen mit der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der RUB entwickelte er mehrschichtige, bioresorbierbare Materialien für Schädelimplantate. Für seine Arbeit wurde er nun mit dem 2nd Young Scientist Award der AG Biomaterialien NRW ausgezeichnet.



Implantate: Lebenslange Fremdkörper

... mehr zu:
»Implantat »RUB »Schädelimplantat


Defekte des Schädelknochens, die z.B. durch Verletzungen oder chirurgische Entfernung von Knochentumoren entstehen, werden zurzeit mit Implantaten aus Kunststoff (Polymethylmethacrylat, PMMA) oder Metallen versorgt. Diese Implantate schützen und stabilisieren zwar, bleiben aber lebenslang als Fremdkörper erhalten. Ein Implantat, das dem Körper bei der Selbstheilung hilft, wäre viel besser, dachten sich die Forscher, und entwickelten Schädelimplantate aus biologisch abbaubaren Werkstoffen.

Physiologischer pH-Wert

Die dafür verwendeten Kompositmaterialien entwickelte Carsten Schiller eigens für diesen Zweck: Sie sind zweischichtig und bestehen aus den biodegradierbaren Polyestern Poly(L-lactid) (PLLA) und Poly(D,L-lactid) (PDLLA) sowie amorphem, carbonathaltigem Calciumphosphat (ACP) bzw. Calciumcarbonat. "Im Gegensatz zu den reinen Polymeren, die beim Abbau saure Produkte freisetzen, haben diese Komposite einen physiologischen pH-Wert, da die entstehenden Säuren durch den anorganischen Füllstoff abgepuffert werden", erläutert Carsten Schiller die Vorteile des Werkstoffs.

Zweischichtiger Aufbau

Der zweischichtige Aufbau soll die Schädelregeneration durch knochenbildende Zellen aus der Hirnhaut in der porösen, schnell abbaubaren Innenschicht des Implantats ermöglichen, während die kompakte, langsamer degradierende Außenschicht mechanischen Schutz gewährleistet und die Geometrie des nachwachsenden Knochens vorgibt. Die Implantate helfen so dem Körper, neuen Knochen zu bilden und halten gleichzeit den Platz dafür von störendem Bindegewebe frei.

Maßanfertigung schon vor der OP

Für jeden Patienten muss ein individuelles Implantat angefertigt werden, maßgeschneidert für den jeweiligen Knochendefekt. Diese Maßanfertigung erlaubt es auch, den Schädel geometrisch präzise zu rekonstruieren. Bei der individuellen Formgebung der Implantate hilft eine bereits etablierte, computergestützte Verfahrenskette, die zur präoperativen Planung und Fertigung individueller Schädelimplantate aus Titan dient.

Weitere Informationen

Dipl.-Chem. Carsten Schiller, Institut für Anorganische Fachbereich Chemie, Universität Duisburg-Essen, Campus Essen, 45117 Essen, Tel. 0201/183-2054, Fax: 0201/183-2621, E-Mail: carsten.schiller@uni-essen.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Implantat RUB Schädelimplantat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

Stellarator-Rekord für Fusionsprodukt / Erste Bestätigung für Optimierung

Höhere Temperaturen und Dichten des Plasmas, längere Pulse und den weltweiten Stellarator-Rekord für das Fusionsprodukt hat Wendelstein 7-X in der...

Im Focus: Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

Bei der Entwicklung innovativer Superrechner-Architekturen ist Europa dabei, die Führung zu übernehmen. Leuchtendes Beispiel hierfür ist der neue Höchstleistungsrechner, der in diesen Tagen am Jülicher Supercomputing Centre (JSC) an den Start geht. JUWELS ist ein Meilenstein hin zu einer neuen Generation von hochflexiblen modularen Supercomputern, die auf ein erweitertes Aufgabenspektrum abzielen – von Big-Data-Anwendungen bis hin zu rechenaufwändigen Simulationen. Allein mit seinem ersten Modul qualifizierte er sich als Nummer 1 der deutschen Rechner für die TOP500-Liste der schnellsten Computer der Welt, die heute erschienen ist.

Das System wird im Rahmen des von Bund und Sitzländern getragenen Gauß Centre for Supercomputing finanziert und eingesetzt.

Im Focus: Superconducting vortices quantize ordinary metal

Russian researchers together with their French colleagues discovered that a genuine feature of superconductors -- quantum Abrikosov vortices of supercurrent -- can also exist in an ordinary nonsuperconducting metal put into contact with a superconductor. The observation of these vortices provides direct evidence of induced quantum coherence. The pioneering experimental observation was supported by a first-ever numerical model that describes the induced vortices in finer detail.

These fundamental results, published in the journal Nature Communications, enable a better understanding and description of the processes occurring at the...

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Neueste Entwicklungen in Forschung und Technik

25.06.2018 | Veranstaltungen

Wheat Initiative holt Weizenforscher aus aller Welt an einen Tisch

25.06.2018 | Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wendelstein 7-X erreicht Weltrekord

25.06.2018 | Physik Astronomie

Schnell und innovativ: Jülicher Superrechner ist eine Neuentwicklung aus Europa

25.06.2018 | Informationstechnologie

Leuchtfeuer in der Produktion

25.06.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics