Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kohlenmonoxid als Medizin

18.08.2003


Kohlenmonoxid freisetzende Komplexverbindungen als neue pharmakologische Wirkstoffe?



Erst die Dosis macht das Gift: Kohlenmonoxid (CO) ist bekannt als giftiges Gas, das z.B. für die zuweilen tödliche Wirkung von Autoabgasen in geschlossenen Garagen verantwortlich ist. Paradox ist daher, dass der Mensch selber täglich 3 bis 6 cm3 CO produziert. Diese Menge ist bei bestimmten Krankheiten weit höher und CO kann im Atem nachgewiesen werden. Britische Forscher um Brian E. Mann von der University of Sheffield und Roberto Motterlini vom Northwick Park Institute for Medical Research in Harrow haben jetzt eine Familie CO freisetzender Komplexverbindungen entwickelt, die sich als neue Klasse von Pharmaka erweisen könnte.



Wie sich herausgestellt hat, spielt CO eine wichtige Rolle als Signalüberträger bei bestimmten physiologischen Vorgängen, insbesondere im Herz-Kreislauf-System, und hat in verschiedenen Bereichen der Medizin Bedeutung. So hilft es etwa, Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen zu unterdrücken, und vermindert Schäden, die durch eine Unterbrechung der Blutzufuhr eines Organs oder Gewebes (Ischämie) verursacht werden.

CO als Pharmakon zu nutzen ist also nahe liegend. Mann und Motterlini wollen CO dabei nicht als Gas einsetzen. Sie suchen nach einer Verbindung, die erst im Körper CO freisetzt. Dafür wählten sie Carbonylmetall-Komplexe: Um ein zentrales Metallatom gruppieren sich CO-Moleküle sowie verschiedene weitere Liganden. Als besonders vielversprechend erwiesen sich einige Ruthenium- und Eisen-Komplexe. Die Ruthenium-Komplexe setzen in Gegenwart von Myoglobin, einem Protein, das am Sauerstoff-Transport in Muskeln beteiligt ist, sehr rasch CO frei. Im Tierversuch zeigten sich unter anderem eine gefäß- erweiternde Wirkung und eine deutliche Verlängerung der Lebensdauer nach Herztransplantationen. Besonders bemerkenswert auch ein spezieller Eisen-Komplex, der CO nicht auf Myoglobin überträgt, aber dennoch gefäßerweiternd wirkt. Das CO scheint hier direkt in der Zelle frei gesetzt zu werden, sodass sich die Möglichkeit eröffnet, CO ins Gewebe zu bringen.

"Angesichts der wohl bekannten Toxizität von CO scheint es unwahrscheinlich, dass es als Gas medizinisch nutzbar sein könnte. Aber auf der Basis CO freisetzender Moleküle, wie unserer Carbonylkomplexe, könnten neue Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie neurodegenerativer und entzündlicher Krankheiten entwickelt werden," zeigt sich Mann optimistisch und erinnert an NO, Stickstoffmonoxid, ein ebenso toxisches Gas: NO freisetzende Medikamente haben inzwischen große Bedeutung erlangt. Um neue CO-Pharmaka zur Martktreife zu bringen, haben das Northwick Park Hospital und die University of Sheffield die Firma hemoCORM gegründet.

Kontakt:

Prof. B. E. Mann
Department of Chemistry
The University of Sheffield
Sheffield S3 7HF, Großbritannien
Fax: (+44) 114 273 8673
E-mail: b.mann@sheffield.ac.uk

Dr. R. Motterlini
Vascular Biology Unit
Northwick Park Institute for Medical Research
Watford Road, Y Block
Harrow, Middlesex, HA1 3UJ, Großbritannien
Fax: (+44) 208 8693270
E-mail: r.motterlini@ic.ac.uk

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.sheffield.ac.uk

Weitere Berichte zu: Eisen-Komplex Gewebe Kohlenmonoxid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics