Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Protein-Ablagerungen vermeiden?

20.06.2003


Forscher entwickeln neuen potenziellen Wirkstoff gegen Amyloidosen, die auf Fehlfaltung von Transthyretin beruhen



Von Morbus Alzheimer bis zum Rinderwahn - viele Erkrankungen sind auf die Ablagerung von Proteinkörnchen im Gehirn und anderen Organen zurück zu führen. Diese als Amyloide bezeichneten Proteinaggregate entstehen, wenn falsch gefaltete Proteine zu immer größeren Strukturen verklumpen. Eines der Proteine, die zum Aggregieren neigen, ist Transthyretin, abgekürzt TTR. Amerikanische Forscher haben nun einen neuen Wirkstoff entwickelt, der Ausgangsbasis für ein neues Pharmakon gegen TTR-bedingte Amyloidosen sein könnte.



TTR ist aus vier identischen Untereinheiten aufgebaut. Seine Aufgabe besteht unter anderem darin, das Schilddrüsenhormon Thyroxin durch die Blutbahn zu transportieren. In dieser tetrameren Form kann TTR nicht verklumpen. Erst wenn das Tetramer in die vier einzelnen Monomere dissoziiert, werden sie anfällig für die Bildung von Aggragaten. Wenn diese Monomere ihre Form verändern, können sie zu verschiedenen größeren Strukturen aggregieren - einschließlich der gefürchteten Amyloid-Fasern. Diese lagern sich in den peripheren Nerven und im Herzgewebe ab und scheinen so die Ursache für bestimmte Formen der Polyneuropathie und Cardiomyopathie sowie die altersbedingte systemische Amyloidose zu sein.

Wie bereits aus früheren Studien der Gruppe um Jeffrey W. Kelly am Scripps Research Institute in Kalifornien bekannt, gibt es eine Möglichkeit, die Bildung von TTR-Amyloiden zu unterdrücken: Indem man die normale tetramere Struktur mit kleinen Molekülen stabilisiert, so dass sie nicht dissoziieren. Der gesuchte Wirkstoff muss dazu genau in die Bindetasche des Tetramers passen, die normalerweise Thyroxin aufnimmt. Eine Verbindungsklasse rückte bei der Suche ins Zentrum des Interesses, die so genannten Benzoxazole. Dabei handelt es sich um ein aromatisches Ringsystem aus einem Kohlenstoff-Sechsring und einem Fünfring, der ein Stickstoff- und ein Sauerstoffatom enthält. An die Spitze des Fünfrings knüpften die Forscher einen weiteren aromatischen Sechsring, der zwei Halogenatome trägt. Ein Screening dieses Typs von Benzoxazol-Verbindungen lieferte einen Treffer, der sehr selektiv an TTR bindet und die Bildung von Aggregaten selbst unter extremen Bedingungen verhindert. Der besondere Erfolg dieses vielversprechenden Wirkstoffkandidaten liegt, einer Strukturanalyse zu Folge, entscheidend an der Ausrichtung zweier Chloratome. Diese docken exakt an zwei Bindestellen des TTR-Tetramers an, die normalerweise von zwei Iodatomen des Schilddrüsenhormons Thyroxin eingenommen werden.

Kontakt:

Prof. J. W. Kelly
Department of Chemistry and
The Skaggs Institute for Chemical Biology
The Scripps Research Institute
La Jolla, CA 92037 USA
Fax: (+1) 858-784-9610
E-mail: jkelly@scripps.edu

ANGEWANDTE CHEMIE
Postfach 101161
D-69451 Weinheim
Tel.: 06201 - 606 321
Fax: 06201 - 606 331
E-Mail: angewandte@wiley-vch.de

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://www.angewandte.org

Weitere Berichte zu: Monomer Schilddrüsenhormon TTR Thyroxin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics