Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Einblicke in die Entstehung von Krebs

28.04.2003


Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass genetische Veränderungen zur Entstehung von Krebs führen können. Die genetische Information ist in der Basenabfolge (A, C, G und T) der Erbsubstanz DNA enthalten und stellt den genetischen Bauplan des Körpers dar. Alle Zellen des Körpers enthalten eine identische Kopie dieses Bauplans. Trotzdem können die Zellen verschieden aufgebaut sein und sehr unterschiedliche Funktionen ausüben. Der Grund dafür ist, dass je nach Zelltyp - zum Beispiel Muskel- oder Nervenzelle - jeweils nur ein bestimmter Teil der genetischen Information abgelesen wird. Das hängt von der Verpackung (Chromatinstruktur) und der Modifikation der DNA durch Anhängen so genannter Methylgruppen (Methylierung) ab. Chromatinstruktur und DNA-Methylierung werden daher auch epigenetische Information (griech.Vorsilbe epi: über) genannt, also Informationen, die über die rein genetische Information der Basenabfolge hinausgehen. Jetzt hat in einer Kooperation mit Prof. Dr. Rudolf Jaenisch (Whitehead Institute am Massachusetts Institute of Technology, MIT, in Cambridge/USA) und Prof. Dr. Joe Gray (Universität von Kalifornien) die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Heinrich Leonhardt (Ludwig-Maximilians-Universität und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, MDC, Berlin-Buch) zeigen können, dass auch epigenetische Veränderungen zur Entstehung von Krebs führen können. Die Arbeiten sind in der renommierten Fachzeitschrift Science (Vol. 300, No. 5618, pp. 442-443; 455; 489-492) erschienen.



Die Forscher veränderten das Gen für ein Enzym (DNA-Methyltransferase 1), das normalerweise Methylgruppen an die DNA anfügt. Der Gendefekt führt bei den Mäusen zu einer Verringerung der DNA-Methylierung, und macht es möglich, die Auswirkungen epigenetischer Störungen direkt zu untersuchen. Die Mäuse werden ohne erkennbare Defekte geboren und sind lediglich etwas kleiner als ihre Artgenossen. Aber schon im Alter von drei bis vier Monaten entwickeln sie aggressive Tumore in den Lymphknoten. Eine genaue Untersuchung dieser Tumore zeigte, dass die verringerte Methylierung (DNA-Hypomethylierung) zur Destabilisierung des Genoms geführt hatte. So lag in fast allen Tumorzellen das Chromosom 15 in drei statt der üblichen zwei Kopien vor. Welche dramatischen Folgen ein überzähliges Chromosom haben kann, wird am Beispiel der Trisomie 21-Patienten deutlich. In den Tumorzellen der hypomethylierten Mäuse wird besonders das c-myc Onkogen stark exprimiert, was das unkontrollierte Wachstum dieser Zellen erklären könnte. Hierzu passt, dass das c-myc-Gen auf dem Chromosom 15 liegt, das in den Tumoren in dreifacher Kopie vorliegt. Die Arbeit hatte im Wesentlichen Francois Gaudet, Doktorand aus der Arbeitsgruppe von Prof. Leonhardt durchgeführt, der dafür bei einem Doktorandenwettbewerb im MDC einen Preis bekommen hatte. Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Forscher, dass epigenetische Störungen zur Destabilisierung des Genoms und zur Krebsentstehung führen und damit die gleichen fatalen Folgen haben können wie genetische Veränderungen.

... mehr zu:
»Chromosom »DNA »Methylgruppe


Möglicherweise haben diese Erkenntnisse auch Konsequenzen für die Krebstherapie. So werden unspezifische DNA-Methylierungshemmer bereits zur Krebstherapie eingesetzt. Doch erscheint auf Grund der jetzt gewonnenen Erkenntnisse nach Auffassung der Wissenschaftler die Entwicklung spezifischer Inhibitoren dringend notwendig.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Barbara Bachtler
Robert-Rössle-Str 10
13125 Berlin
Tel: 030/94 06 - 38 96; Fax:030/94 06 - 38 33
E-Mail: bachtler@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: Chromosom DNA Methylgruppe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics