Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pille für den Mann ohne Hormone

10.12.2002


Medikament gegen Erbrankheit mit kontrazeptiven Eigenschaften



Ein Medikament, das für die Behandlung des seltenen Gendefekts, der Gaucher-Krankheit, eingesetzt wird, könnte sich auch als Verhütungsmittel für Männer eignen. Im Versuch mit männlichen Mäusen haben sich die kontrazeptiven Eigenschaften der als "NB-DNJ" (N-Butyldeoxynojirimycin) bezeichneten Substanz bestätigt. Wissenschaftler des Glycobiology Institute der Oxford University vermuten, dass das Medikament, das die Spermien schwer schädigt, auch keine Nebenwirkungen besitzt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Proceedings der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht.

... mehr zu:
»Gaucher-Krankheit »Hormon »Sperma


Die Wissenschaftler um Aarnoud van der Spoel erklärten gegenüber BBC-Online, dass die kontrazeptiven Eigenschaften des Medikaments zufällig entdeckt wurden. Es wird vermutet, dass die Substanz die Bildung der so genannten Glykosphingolipide stört. Glykosphingolipide bestehen aus Zucker und Fett und spielen eine wesentliche Rolle in der Spermienbildung. Die Substanz bewirkt somit die Bildung missgebildeter Spermien.

Behandelte Mäuse hatten kaum bewegliche Spermien. Zusätzlich stieg bei den Tieren die Zahl defekter Akrosome, kappenartiger Strukturen, die die Spermienköpfe umgeben und die Spermien beim Eindringen in die schützende Eizellenhülle unterstützen. Laut Forschern hatte NB-DNJ keine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit der Weibchen und den männlichen Testosteron-Spiegel. Wurde bei den Männchen das Medikament abgesetzt, entwickelten die Mäuse wieder funktionsfähige Spermien.

Bis die Substanz für Patienten zugänglich ist, sind noch intensive Forschungsarbeiten nötig. Im Test mit Gaucher-Patienten erwies sich das Medikament aber als sicher. Diese Tatsache, dass zur Verhütung nur ein Bruchteil der bei der Gaucher-Krankheit verwendetetn Dosis nötig ist, könnte den Prozess beschleunigen. "Bislang gibt es keinen Beweis, dass das Medikament bei gesunden Menschen wirkt", erklärte van der Spoel. In Europa ist NB-DNJ zur Behandlung der Gaucher-Krankheit zugelassen. Die Gaucher-Krankheit wird durch einen vererbten Gendefekt ausgelöst. Das Gen sorgt bei Gesunden für die Herstellung eines Stoffwechselenzyms, welches die Verdauung und Verarbeitung eines bestimmtes Fettes gewährleistet. Wenn das Enzym fehlt sammelt sich das Fett in Leber, Milz und Knochenmark des Kranken an. Dadurch werden diese Organe an ihrer Arbeit gehindert. Die Folgen sind Schmerzen, Schwäche, Gelbsucht, Knochenschäden und Blutarmut bis hin zum Tod. Seit 1991 gibt es eine erfolgreiche Enzymersatztherapie. Diese kann die Krankheit stoppen und Schädigungsprozesse oft sogar umkehren.

Sandra Standhartinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org
http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/2557953.stm

Weitere Berichte zu: Gaucher-Krankheit Hormon Sperma

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics