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Weniger Medikamentenauswahl für Hautkranke

04.12.2002


Dermatologe der Universität Jena warnt: Patienten mit seltenen Hautkrankheiten besonders betroffen.



"Menschen mit selteneren oder komplizierten Hautkrankheiten müssen in Zukunft auf bewährte Medikamente verzichten, weil diese nicht für ihre spezielle Erkrankung zugelassen sind", sagt Prof. Dr. Peter Elsner, Direktor der Hautklinik der Universität Jena. Denn nach einem Urteil des Bundessozialgerichts brauchen die gesetzlichen Krankenkassen keine Medikamente mehr zu erstatten, die über ihre eng begrenzte Zulassung hinaus verordnet werden. Für viele Hautpatienten kommt dies einem Therapieabbruch gleich, kritisiert die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG).

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Ein Beispiel: Bei der Sklerodermie, einer relativ seltenen und komplexen Autoimmunerkrankung, entzündet sich das Gefäß- und Bindegewebssystem der Haut und der inneren Organe. Die Haut wird wachsartig und hart, meist erst an den Händen mit dünnen, steifen Fingern, das Gesicht erstarrt zur Maske, am Ende steht der Tod. Häufig werden gegen diese rätselhafte Krankheit neuere Immunsuppressiva wie Ciclosporin A eingesetzt. Diese helfen dabei, die Immunreaktion, die der Körper gegen sich selbst richtet, abzuschwächen - "und das funktioniert meistens", betont Prof. Elsner.

Das Problem: Ciclosporin A ist eigentlich nur zugelassen zur Prophylaxe von Transplantatabstoßungen, auch für schwere Formen der Schuppenflechte, jedoch nicht für Sklerodermie. Hautärzte setzen sie jedoch häufig dafür ein, ebenso bei Lupus erythematodes, einer anderen entzündlichen, sehr schmerzhaften Hautkrankheit, oder bei der Vaskulitis, der Entzündung von Blutgefäßwänden - alles Indikationen außerhalb der eigentlichen Zulassung.

"Alle Arzneimittel werden in einem langwierigen, komplizierten und aufwändigen Verfahren immer nur für die Behandlung bestimmter Krankheitsbilder zugelassen", erklärt Prof. Elsner, der auch Sprecher der DDG ist, die Problematik. "Bei vielen seltenen Hautkrankheiten lohnt es sich jedoch nicht, solche Verfahren anzustrengen und teure wissenschaftliche Studien durchzuführen." Bisher war der so genannte "Off label use", der Einsatz über den eng begrenzten Zulassungsbereich hinaus, kein Problem. Auch ältere Präparate, die nicht mehr patentgeschützt und damit für die Industrie uninteressant sind, werden oft in dieser Art eingesetzt. So bekämpft etwa Penicillin nicht nur bakterielle Infektionen, sondern kann auch der Bindegewebsverhärtung bei Sklerodermie-Patienten entgegenwirken. Insgesamt ist Off label use in der Dermatologie keineswegs selten. Prof. Elsner: "Ich schätze, dass ein gutes Drittel der Hautarztpatienten mit Medikamenten im Off label use behandelt wird."

In seinem Urteil vom 19. März 2002 hat das Bundessozialgericht die Verordnung von Medikamenten außerhalb ihres Zulassungsbereichs erheblich eingeschränkt. Nur noch bei schweren, lebensbedrohlichen Erkrankungen, wenn keine andere Therapie verfügbar ist und wenn eine Zulassung zu erwarten ist, dürfen Medikamente im Off label use auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden. Das betrifft im Wesentlichen Krebserkrankungen. Der Hautarzt hingegen muss auf ältere und nebenwirkungsreichere Therapien zurückgreifen - im Fall der Sklerodermie etwa auf innerliches Kortison, obwohl dieses den modernen Immunsuppressiva eindeutig unterlegen ist. Im Einzelfall muss er sogar auf eine Therapie ganz verzichten.

"Es kann nicht sein, dass der Off label use Krebskranken vorbehalten bleibt", moniert Prof. Elsner. "Auch viele Hautkrankheiten sind durchaus als schwere Erkrankungen anzusehen, da sie zu gravierenden Einschränkungen der Lebensqualität und letztlich zum Tode führen können. Es handelt sich hier keineswegs nur um kosmetische Einschränkungen. Der bisherige Off label use von Medikamenten zur Behandlung dieser Erkrankungen sollte daher unbedingt beibehalten werden," fordert der Jenaer Dermatologe.

Kontakt:

Prof. Dr. Peter Elsner
Klinik für Hautkrankheiten der Universität Jena
Erfurter Str. 35, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 937370
Fax: 03641 / 937343
E-Mail: elsner@derma.uni-jena.de

Axel Burchardt | idw

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