Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Weichmacher" können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen

21.10.2002


Die erste Anwendung einer neuen Untersuchungsmethode stimmt bedenklich: in einer Testgruppe wies ein Drittel der Personen Dosen der Substanz auf, die deren Vorsorgewert überschreiten


Ob ein potenziell schädlicher Stoff die Gesundheit des Menschen bedroht, lässt sich ohne den Nachweis der Konzentration im menschlichen Organismus nicht sagen. Das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg hat einen Durchbruch auf diesem Gebiet zu verzeichnen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Angerer ist es erstmals gelungen, einem allgegenwärtigen und als gefährlich eingestuften "Weichmacher", der unter anderem die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann, anhand von Stoffwechselprodukten auf die Spur zu kommen, die im menschlichen Körper gebildet werden.

Diethylhexylphthalat (DEHP) gehört zur Stoffklasse der Phthalate, die Kunststoffen ihre Elastizität verleihen. Im Alltag einer modernen Gesellschaft sind solche Weichmacher überall zu finden.Bei weitem der wichtigste Kunststoff-Weichmacher ist DEHP.Von höchster umweltmedizinischer Bedeutung ist dies, weil DEHP unter den Phthalaten auch die größte toxische Wirksamkeit aufweist. Besonders ausgeprägt sind die hormonähnlichen Wirkungen.


Um zu klären, welche Phthalatmengen im menschlichen Körper tatsächlich anzutreffen sind, förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein Forschungsvorhaben an dem Erlanger Institut. Holger Koch, Doktorand des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin und staatlich geprüfter Lebensmittelchemiker, hat das Projekt mit großem Erfolg bearbeitet.

Gelöst wurde die diffizile Aufgabe, indem im menschlichen Urin Stoffwechselprodukte des DEHP erfasst wurden, die erst im Organismus entstehen. Diese Produkte können nicht "von außen" in die Urinproben gelangen, was falsche Ergebnisse ausschließt. Allerdings war es für diese Vorgehensweise nötig, solche Metaboliten zunächst im Labor herzustellen. Die Synthese der Stoffwechselprodukte ist im Rahmen des Forschungsprojekts ebenfalls zum ersten Mal gelungen.

Kinder besonders gefährdet?

Mit Hilfe der Standardsubstanzen und unter Einsatz einer neu erarbeiteten analytischen Methode sind 85 Personen aus der Allgemeinbevölkerung untersucht worden. Für ein Drittel der Untersuchten wurden DEHP-Mengen festgestellt, welche die sogenannte reference dose (RfD) überschreiten. Die Referenzdosis ist ein von der Umweltbehörde der USA aufgestellter Wert, der aus Gründen der gesundheitlichen Vorsorge nicht überschritten werden sollte. “Dieses umweltmedizinische Ergebnis verdient um so mehr Beachtung, als damit zu rechnen ist, dass manche Bevölkerungsgruppen, darunter vor allem Kinder und Kleinkinder, noch größere DEHP-Mengen aufnehmen”, konstatiert Prof. Angerer. Gleiches gilt für Dialysepatienten, Plasmaspender und alle, die besonders intensiven Kontakt mit Kunststoffen haben.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Jürgen Angerer
Tel.: 09131/85-2 6131
E-mail: angerer@asumed.med.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/docs/FAUWWW/Aktuelles/2002/Forschung_2002/640weichmacher.html

Weitere Berichte zu: DEHP Stoffwechselprodukt Umweltmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Quantenverschränkung erstmals mit Licht von Quasaren bestätigt

20.08.2018 | Physik Astronomie

1,6 Millionen Euro für den Aufbau einer Forschungsgruppe zu Quantentechnologien

20.08.2018 | Förderungen Preise

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics