Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwerhörigkeit - Häufige Ursache von Depressionen

20.09.2002


Falsche Akzente der Sozialversicherungen in der Hörrehabilitation

In einem vielbeachteten Beitrag der Schweizerischen Medizin-Zeitung über die lebenswichtige Früherkennung von Depressionen weist Prof. Dr. F. Müller-Spahn von der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel darauf hin, dass Erkrankungen des Bewegungsapparats sowie Einschränkungen des Hör- und Sehvermögens häufig zu Depressionen führen. Diese würden oft nicht erkannt.

Selbst in der Arztpraxis liege die Quote der diagnostizierten Depressionen bei knapp 50 Prozent, obwohl es sich um ein sehr häufiges Leiden handle. Untersuchungen hätten gezeigt, dass bis zu 25 Prozent der Patientinnen und Patienten, die einen Allgemeinpraktiker aufsuchen, an Depressionen unterschiedlicher Schweregrade litten. Bei älteren Patienten dürfte diese Quote eher noch höher liegen.

Die Folgen einer nicht erkannten Depression sind vielfältig: Verlust an Lebensqualität, zunehmende soziale Isolierung, erhöhte Anfälligkeit für somatische Erkrankungen und Selbsttötungen sowie eine Zunahme finanzieller Lasten. Letzteres insbesondere dann, wenn die Depressionen nicht erkannt werden und verschiedenste überflüssige wie auch nutz- und erfolglose Behandlungsversuche nach sich ziehen.

Diese Feststellungen decken sich mit den Resultaten einer Untersuchung, die die Universität Maastricht zur Frage des Kosten/Nutzen-Verhältnisses der Hörrehabilitation durchführte. Dabei wurde die Befindlichkeit von Schwerhörigen untersucht, die erfolgreich mit Hörgeräten versorgt worden waren – durch einen Vergleich der Situation vor und nach der Rehabilitation. Viele Patientinnen und Patienten berichteten, dass sich ihr früherer, hoher Konsum an Psychopharmaka nach der Anpassung von Hörgeräten drastisch verringert oder ganz erübrigt habe.

Aus diesen Feststellungen lässt sich der Schluss ziehen, dass es eine beträchtliche Dunkelziffer an Personen gibt, die wegen ihrer unbehandelten Hörverluste unter Depressionen leiden. Diese Befindlichkeitsstörungen nehmen oft einen chronischen Verlauf und haben die Tendenz, sich weiter zu verschlimmern, ohne dass ihre eigentliche Ursache entdeckt wird: der oft schleichend verlaufende Abbau des Hörvermögens. Daraus erwachsen den Krankenkassen und Sozialversicherungen letztlich Milliardenkosten, die durch eine systematische Erfassung von Hörstörungen stark gemindert werden könnten.

Leider ist jedoch die Politik der letzteren unter dem Eindruck der leeren Kassen auf eine Vermeidungsstrategie ausgerichtet: Dabei wird versucht, bei den Betroffenen möglichst wenig Anreize für eine Versorgung mit Hörgeräten zu schaffen. So ist es beispielsweise den Hörgeräte-Akustikern als Vertragspartner der IV und des Bundesamts für Sozialversicherung nicht gestattet, Reihenuntersuchungen durchzuführen und potenziell Betroffene direkt auf ein mögliches Hörproblem anzusprechen.

Diese Politik trägt dazu bei, dass mit der Diagnose und der Kompensation von Hörverlusten während mehrerer Jahre zugewartet wird - während sich die Rehabilitationschancen laufend verschlechtern. Denn je früher Hörverluste entdeckt und behandelt werden, desto besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Rehabilitation und desto geringer die Gefahr, als Folge einer unbehandelten und sich verschlimmernden Schwerhörigkeit in Depressionen zu verfallen.

Beat Roggen | pte.online

Weitere Berichte zu: Depression Hörgerät Schwerhörigkeit Sozialversicherung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics