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Disease Mangement Programme (DMP) Asthma und COPD

25.07.2002


Wissenschaftliche Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und der Deutschen Atemwegsliga zur geplanten Einführung von DMP´s für Asthma und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und die Deutsche Atemwegsliga erstellen - entsprechend den methodischen Vorgaben zur Entwicklung von Leitlinien für Diagnostik und Therapie der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) - evidenzbasierte Leitlinien für die Behandlung pneumologischer Erkrankungen.
Die letzte Asthma - Leitlinie der Atemwegsliga entstand im Jahre 1998 (Empfehlungen zur Asthmatherapie bei Erwachsenen und Kindern) und wird derzeit aktualisiert. In wenigen Wochen wird die Neufassung der zuletzt 1995 herausgegebenen Leitlinie zur Behandlung der COPD - als S2 Leitlinie - zur Verfügung stehen.

"Disease Management Programs" (DMP´s) wurden im Ausland als Gesamtkonzept eines aus medizinischer und ökonomischer Sicht optimierten Managements häufiger Erkrankungen entwickelt. Es besteht internationaler Konsens, und es gibt teilweise wissenschaftliche Evidenz, dass die Anwendung von unter Einhaltung methodischer Vorgaben erstellter evidenzbasierter Leitlinien in der täglichen Praxis zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung führt.

Die Notwendigkeit zur Optimierung der Qualität der medizinischen Versorgung (und ihrer Wirtschaftlichkeit) auf der Basis solcher evidenzbasierten Leitlinien wurde vom Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen im Gutachten 2000/2001 angemahnt.

Sowohl Asthma als auch COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) haben eine Prävalenz von jeweils mindestens 5% in der Gesamtbevölkerung. Insgesamt leiden mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland an Asthma und COPD. Die beiden Krankheitsbilder sind für einen wesentlichen Anteil der Kosten im gesamten Gesundheitswesen verantwortlich. Sie stellen die häufigsten pneumologischen Erkrankungen dar und werden teilweise durch Allgemeinärzte, Internisten und Kinderärzte, teilweise durch Pneumologen behandelt.

Die Implementierung vorhandener Leitlinien als Entscheidungshilfe für den Arzt und Patienten bei Diagnostik und Therapie stellt die verantwortlichen Fachgesellschaften und die Ärzteschaft vor eine große Herausforderung. Insbesondere Allgemeinärzte sehen sich mit einer Fülle von Leitlinien konfrontiert.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und die Deutsche Atemwegsliga unterstützen daher jede Initiative, die zu einer Verbreitung evidenzbasierter, nach Vorgaben der AWMF erstellter Leitlinien für Asthma und COPD führt und eine qualitative Verbesserung der ärztlichen Versorgung verspricht. Bei der Einführung von DMP´s müssten jedoch mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

1. DMP´s für Asthma und COPD müssen evidenzbasierte, nach Vorgaben der AWMF erstellte Leitlinien zugrunde gelegt werden.

2. Eine Verbesserung der Versorgung durch Anwendung der Leitlinien kann nur dann erwartet werden, wenn alle relevanten Aspekte der Leitlinie: qualifizierte und abgestufte Diagnostik, Prävention, medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungsmaßnahmen einschließlich Patientenschulung, Rehabilitation, Ernährungsberatung etc. eine angemessene Berücksichtigung im DMP finden.

3. Bei der Festlegung von Therapien in DMP´s ist zu berücksichtigen, dass die aus Studien abgeleitete und in den evidenzbasierten Leitlinien verwendete Evidenz sich häufig auf Daten selektierter Studienpopulationen bezieht. Somit ist die externe Validität solcher Daten (für den individuellen Patienten) manchmal begrenzt. Daten aus Metaanalysen von Studien vergrößern statistisch positive Effekte, eliminieren Unterschiede und sind nicht vorbehaltlos auf jeden einzelnen Patienten übertragbar. Die Möglichkeit einer abweichenden, individuellen ärztlichen Behandlung muss im Einzelfall gewahrt bleiben.

4. Asthma- und COPD -Patienten sind heute weltweit, so auch in Deutschland, teilweise unterversorgt. Die angestrebte flächendeckende Verbesserung der medizinischen Versorgung durch die Einführung von DMP´s wird zu einer Identifizierung und einer intensiveren Behandlung von Patienten sowie möglicherweise zu einer Senkung der Mortalität mit zunächst steigenden Kosten führen. Entsprechende Finanzmittel sind bereitzustellen.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und die Deutsche Atemwegsliga befürworten im Interesse einer besseren Versorgung der Patienten die Einführung von DMP´s für Asthma und COPD. Es darf jedoch nicht - weder aus finanziellen, noch aus organisatorischen Erwägungen oder als Folge einer Bürokratisierung - zu einer Verschlechterung der Patientenversorgung kommen.

Korrespondenzadresse:
Deutsche Atemwegsliga e.V.
Prof. Dr. med. Heinrich Worth
Burgstraße 12
33175 Bad Lippspringe

Dr. Ulrich Kümmel | idw

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