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GSK Stiftung prämiert Arbeit über neue zelluläre Targets für antivirale Therapie

10.07.2002


Prof. Stephan Ludwig hat während seiner Arbeit an der Universität Würzburg einer zukunftsträchtigen Strategie zur Bekämpfung von Virusinfektionen neuen Auftrieb gegeben. Er erhielt dafür am 10.7.2002 zusammen mit seinem Kollegen Dr. Stephan Pleschka, Universität Giessen, den Preis für "Klinsche Forschung 2002" der GlaxoSmithKline Stiftung.


Infektionen mit dem Influenza A Virus, dem Erreger der Virusgrippe, gehören immer noch zu den großen Seuchen der Menschheit und fordern pro Jahr laut WHO-Angaben mehrere 100 000 Todesopfer. Leider sind Viren durch ihre hohe Mutationsrate Meister in der Anpassung an antivirale Substanzen. Richtet sich eine Substanz gegen eine Funktion des Virus, so werden sehr schnell resistente Varianten selektiert, manchmal bereits binnen weniger Passagen.

Dem Grippevirus den Weg in die Resistenz abzuschneiden, das ist die Strategie von Prof. Ludwig, der inzwischen einen Ruf an die Universität Düsseldorf angenommen hat, und seinen Kollegen. Dazu machen sie sich die Tatsache zunutze, dass alle Viren in starkem Maße auf Funktionen ihrer Wirtszellen angewiesen sind. Also hemmt man am besten zelluläre Funktionen, die für die Vermehrung des Virus notwendig sind (nicht aber für das Überleben der Wirtszelle selbst). Ein Entweichen des Virus durch Mutation ist dann nicht ohne weiteres möglich.


Viren aktivieren bei einer Infektion eine ganze Reihe von Signalkaskaden in der Zelle, die gewöhnlich der Abwehr des Virus dienen. Ludwig fand aber auch einen Signalweg, von dessen Aktivierung die Virusvermehrung im Gegenteil abhängt. Dieser, als Raf/MEK/ERK Kinasekaskade bezeichnete Signalweg wird von Influenza missbraucht, um einen ganz bestimmten Transportprozess von Virusbestandteilen aus dem Zellkern zu ermöglichen. Die große Bedeutung dieser Erkenntnisse liegt in der Tatsache, dass man durch Blockierung der Raf/MEK/ERK Kinasekaskade durch pharmakologische Substanzen die Virusvermehrung hemmen kann, ohne die Zelle selbst zu schädigen. Auch die Vermehrung eines anderes RNA Virus, das Borna-Disease Virus, konnten die Forscher auf diese Weise hemmen. Borna-Disease Virus wird beim Menschen in Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen gebracht.

Diese Ergebnisse haben inzwischen zur Gründung der Firma Creatis GmbH geführt, die den gefundenen neuartigen Ansatz zur antiviralen Therapie gegen RNA Viren, insbesondere Influenza Viren weiterverfolgt. Möglicherweise wird dies schon bald zur Entwicklung einer neuen Generation von anti-viralen Medikamenten führen.

Dr. Stephan Schröder-Köhne | idw

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