Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mangelernährung im Überfluss - Wie sich Mangelernährung im Krankenhaus auswirkt

12.06.2008
In deutschen Krankenhäusern ist fast jeder dritte bis vierte Patient mangelernährt. Höheres Alter, Krebs- und Mehrfacherkrankungen sind die Hauptfaktoren für eine Mangelernährung.

Sie führt zu einem längeren Krankenhausaufenthalt und Genesungsverlauf sowie zu höheren Kosten. "Aktuelle Berechnungen (CEPTON, 2007) lassen im deutschen Gesundheitswesen durch krankheitsbedingte Mangelernährung zusätzliche Kosten von neun Milliarden Euro annehmen", sagt Prof. Dr. Arved Weimann, Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie Klinikum "St. Georg" Leipzig gGmbH und neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) anlässlich der Dreiländertagung "Ernährung 2008" in Hamburg.

Besondere Risikogruppen für Mangelernährung seien geriatrische Patienten, Patienten mit bösartigen Tumoren und solche mit schweren chronischen Erkrankungen, insbesondere auch vor Organtransplantation. Ein zielgerichtetes Ernährungsmanagement (stationär und ambulant) und die rechtzeitige und richtige Ernährungstherapie kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern und bieten ein hohes Einsparpotenzial für das Gesundheitswesen.

Die Netzwerkstudie "Mangelernährung" der DGEM hatte Ende 2006 ergeben, dass 43 Prozent der Krankenhauspatienten über 70 Jahre mangelernährt waren, dazu litten im Vergleich nur 7,8 Prozent der Patienten unter 30 Jahren an Mangelernährung. Die meisten Fälle von Mangelernährung wurden in geriatrischen (56,2 %), onkologischen (37,6 %) und gastroenterologischen (32,6 %) Abteilungen beobachtet. Insgesamt mussten mangelernährte Patienten mit einer 43-prozentigen Verlängerung ihres Krankenhausaufenthaltes rechnen. Die gesamte Studie finden Sie in: "Clinical Nutrition", Volume 25, Issue 4, August 2006, p. 563 - 572, The German Hospital Malnutrition Study.

Der Europarat hat 1999 eine Initiative zur "Hospital Malnutrition" ins Leben gerufen und 2003 eine Resolution der Minister verabschiedet (https://wcm.coe.int/rsi/CM/index.jsp) Wesentliches Ziel war hierbei, in den Mitgliedsländern die Bedeutung des Ernährungsstatus in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Bisher bestand große Unsicherheit bei der Erfassung des Ernährungsstatus und beim frühzeitigen Erkennung von Risikopatienten. Die Initiative setzt sich für einheitliche Standards und Richtlinien ein. Eine weitere Initiative ist der europaweite "NutritionDay", der an einem Stichtag die Ernährungssituation in europäischen Krankenhäusern und in 2008 auch erstmalig in Pflegeheimen erfasste.

Bisher fehlte eine einheitliche Empfehlung zur Definition der Mangelernährung. Das hat sich nun geändert: Es gibt einheitliche Empfehlungen der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) zur Erkennung von Risikopatienten. Liegt der Gewichtsverlust bei mehr als fünf Prozent in den letzten drei Monaten, ist der Körpermassenindex (BMI) kleiner als 20,5 und wurde in der letzten Woche nur 75 Prozent der üblichen Kalorienmenge verzehrt, so deutet das auf eine Mangelernährung und schwere Erkrankung hin.

Ein schweres ernährungsmedizinisches Risiko liegt besonders bei Patienten der Chirurgie vor, wenn einer oder mehrere der folgenden Parameter für den Patienten zutreffen: BMI kleiner als 18,5, Gewichtsverlust zehn bis 15 Prozent in den letzten sechs Monaten, Subjective Global Assessment (SGA) Grad C, Serumalbumin kleiner als 30g/l bei Ausschluss einer Leber- oder Nierenerkrankung. (ESPEN, 2006).

Um die Mangelernährung gezielt zu bekämpfen, muss zunächst eine klare Indikation für die Überwachung des Ernährungsstatus gestellt werden. Das bedeutet, der Ernährungszustand des Patienten wird nicht nur erhoben, sondern auch permanent überwacht und gegengesteuert. Nur dadurch kann man verhindern, dass die Mangelernährung sich manifestiert und zu längeren Liegezeiten und schwierigerem Krankheitsverlauf führt. Gleichzeitig ist es notwendig, eine gezielte und rechtzeitige Ernährungstherapie einzuleiten. Dies gilt umso mehr, da die Verweildauer im Krankenhaus durch das pauschalierte Entgeltsystems (DRG) häufig verkürzt wird. Hier ist besonders wichtig, dass eine sektorenübergreifende Infrastruktur zwischen stationärer und ambulanter Betreuung eine Fortsetzung der Ernährungstherapie im ambulanten Bereich garantiert.

Ansprechpartner
Präsident Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V.
Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie, Klinikum "St. Georg" gGmbH,
Delitzscher Str. 141
04129 Leipzig
Tel.: 0341/909-2200 oder 2240
Fax: 0341/909-2234
e.mail: Arved.Weimann@sanktgeorg.de

Rita Wilp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgem.de

Weitere Berichte zu: Ernährungstherapie Mangelernährung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics