Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sechswöchiges Tempelleben für psychisch Kranke heilsam

05.07.2002


Aufenthalt bei Hindu-Mönchen so wirksam wie psychotrope Substanzen

Ein sechswöchiger Aufenthalt in einem Tempel im süd-indischen Tamil Nadu erzielt bei psychisch Kranken den selben Effekt wie die monatelange Einnahme von Medikamenten. Wie Psychiater vom National Institute of Mental Health and Neuroscience (NIMHANS) im indischen Bangalore im British Medical Journal dokumentieren, seien durch das Tempelleben die Symptome der psychischen Störungen um rund 20 Prozent zurückgegangen. Diese Werte sind laut Meinung des Studienleiters Ramanathan Raguram vom NIMHANS mit der Wirkung von Psychopharmaka zu vergleichen. Auch die Familienangehörigen bewerteten den Zustand der Patienten im Verlauf des Tages als wesentlich besser.

Die Studie wurde im Tempel von Muthuswamy in der Stadt Velayuthampalayampudur in Südindien durchgeführt. Der Tempel wurde vor 60 Jahren errichtet und erlangte als Heilungsstätte für psychische Störungen in Indien Popularität. Raguram untersuchte zwischen Juni und August 2000 31 Personen, die den Tempel zur Linderung ihrer psychischen Störungen aufsuchten, mit üblichen Tests. Bei sechs der Patienten wurden Wahnvorstellungen und bei 23 eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Zwei der Patienten waren manisch-depressiv. Am Ende ihres Aufenthaltes bei den Hindu-Mönchen verbesserten sich die Werte des so genannten "Brief-psychiatric-rating-scale"-Tests um 20 Prozent. Der Test erhebt 18 psychotische Symptome auf einer Sieben-Punkte-Skala.

Die Patienten wurden im Tempel nicht speziell behandelt und mussten für die Verbesserung des geistigen Zustands an keinen Ritualen oder Zeremonien teilnehmen. Sie sprachen einzig ein 15-minütiges Morgengebet und verbrachten den Rest des Tages mit routinemäßiger Gartenarbeit. "Den Patienten wurde lediglich eine Umwelt ohne Bedrohungen geboten. In der Geschichte der Psychiatrie waren dies die ursprünglichen Intensionen, warum diese Zufluchtsstätten gebaut wurden", so Raguram. In Indien besuchen viele geistig kranke Personen aller Glaubensrichtungen diese religiösen Orte. Der Psychiater schmälert aber die Ergebnisse der Studie, da es keine Vergleichsgruppe gab. "Um die Wirksamkeit zu überprüfen, müsste eine Doppel-Blind-Studie durchgeführt werden", so Raguram. Weiters weist er darauf hin, dass jeder Tempel anders funktioniert und es daher unzulässig sei, die Resultate zu generalisieren bzw. diese auf andere Tempel zu übertragen.

Sandra Standhartinger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.nimhans.kar.nic.in/
http://bmj.com/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mister Raney bekommt Konkurrenz - Ein neuer Katalysator auf Nickel-Basis nutzt Nano-Strukturen

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

16.07.2018 | Physik Astronomie

Rostocker Forscher testen neue Generation von Offshore-Windenergie-Anlagen

16.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics