Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliches Gewebe: vom ‚Operations-Abfall’ zum begehrten Forschungsobjekt

30.05.2008
Bei dem ersten Münchener Expertentreffen der Stiftung Human Tissue and Cell Research (HTCR) waren sich die anwesenden Fachleute (Mediziner, Juristen, Ethiker, Journalisten) einig: Das gewaltige Potential von in Kliniken anfallendem Humangewebe für die medizinische und pharmazeutische Forschung muss besser genutzt werden.

Bisher wird Gewebe, welches im Rahmen klinisch-interventioneller Eingriffe Patienten routinemäßig entnommen wird, nach Abschluss der Untersuchungen bzw. Behandlung im Allgemeinen „verworfen“, d.h. fachgerecht entsorgt. Das Spektrum der Eingriffe, bei denen Gewebe anfällt, reicht dabei von der Darmspiegelung bis zur Krebsoperation.

Bei einer Experten-Tagung am 16. Mai 2008 im Kardinal Wendel Haus in München zeigten nun die Beiträge führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Bereich der medizinischen und pharmazeutischen Forschung, dass der Einsatz dieses menschlichen Gewebes in ihrer Forschung von wachsender Bedeutung ist. Er erleichtert den Übergang von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung und beschleunigt die Entwicklung von Medikamenten, die zudem dadurch wirksamer und sicherer werden.

Insbesondere wenn parallel zum Gewebe Informationen über den Spender, z.B. seine Krankheitsgeschichte dokumentiert werden, lassen sich damit die bestehenden Forschungslücken zwischen der Basisentwicklung im Labor, der Forschung am tierischen Modell und der Anwendung am Patienten schließen. Somit besitzt die Forschung an humanem Gewebe das Potential, zum Ausgangspunkt einer Medizin der Zukunft zu werden.

... mehr zu:
»HTCR »Humangewebe

Da beim Umgang mit Humangewebe Grundrechte und Gemeinwohl berührt werden und neben wissenschaftlichen auch wirtschaftliche Interessen zum Tragen kommen, wurden auch ethische und rechtliche Anforderungen aufgegriffen. Ethische Kriterien für den Umgang mit Humangewebe als auch sich abzeichnende juristisch-ethische Standards im europäischen Vergleich sind diskutiert worden. Ob eine einheitliche gesetzliche Regelung der Nutzung von menschlichem Gewebe für Forschungszwecke möglich bzw. überhaupt sinnvoll ist, blieb jedoch umstritten. Die Aufgaben, die sich der Fachwelt als Selbstverpflichtung im Umgang mit dem Gewebe stellen, konnten jedoch klar umrissen werden: Das Einholen der aufgeklärten Zustimmung der Patienten zur Gewebespende, die Gewährleistung von langfristigem Datenschutz und Datenmanagement, die Etablierung transparenter Verteilungskriterien und –verfahren sowie eine fortwährende Öffentlichkeitsarbeit.

Die Bewältigung dieser Aufgaben, so wurde ebenfalls deutlich, ist dringend geboten, erfordert aber die Zusammenarbeit aller Beteiligten und ist zudem, etwa konkret beim Aufbau von Gewebesammlungen, mit erheblichen Kosten verbunden. Gelingen kann sie nur durch spezialisierte Strukturen, an deren Aufbau sich die forschende Pharmaindustrie gemeinsam mit den akademischen Forschungseinrichtungen finanziell beteiligt und auch die öffentliche Forschungsförderung mitwirkt. Modellhaft für ein solches Unterfangen steht die Stiftung “Human Tissue and Cell Research” (HTCR). Sie verkörpert das Konzept des „ehrlichen Maklers“ (honest broker) und fördert in diesem Rahmen seit ihrer Gründung im Jahr 2000 die Forschung an humanem Gewebe.

Weitere Informationen zum Expertentreffen wie zur Arbeit der Stiftung unter http://www.htcr.de

Ansprechpartner:
PD Dr. Wolfgang Thasler,
Chirurgische Klinik und Poliklinik, Campus Großhadern
E-Mail: Wolfgang.Thasler@med.uni-muenchen.de
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 81.000 Patienten stationär, 12.000 teilstationär und 370.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2006 mehr als 58 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de
http://www.htcr.de

Weitere Berichte zu: HTCR Humangewebe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Forscher entschlüsseln Wirkung von Ebola-Impfstoff - Virologen der Uniklinik Köln identifizieren neue Antikörper
08.10.2019 | Uniklinik Köln

nachricht Icaros: Fliegendes Trainingsgerät
07.10.2019 | Deutsche Sporthochschule Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics