Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung zum Schutz des Gesichtsmuskelnervs

23.05.2008
Bei chirurgischen Eingriffen an den Ohrspeicheldrüsen oder bei ausgedehnten Ohr-Operationen (seitliche Schädelbasis) stehen die beteiligten Mediziner regelmäßig vor einer potenziellen Gefahrenquelle: In diesem Bereich liegt der Gesichtsmuskelnerv, der nicht verletzt werden darf.

"Eine Verletzung dieses Nervs würde erhebliche funktionelle und kosmetische Defizite nach sich ziehen", erläutert Mathias Hofer von der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik des Universitätsklinikums Leipzig.

Nach einer klinikinternen Studie unter PD Dr. med. habil. Gero Strauß werden etwa 30 Prozent der Operationszeit darauf verwendet, den Nerv sicher darzustellen. In dieser Zeit ist das Streßniveau für den Operateur deutlich erhöht. Gleichzeitig unterliegt der Patient der Narkosebelastung. Zur Darstellung und Identifikation können bildgebende Verfahren oder auch ein so genanntes EMG verwendet werden - nun wollen die Mediziner beide Systeme erfolgreich zusammenführen.

Beim EMG wird über eine Sonde Strom abgegeben, der den Gesichtsmuskelnerv (Nervus facialis) stimuliert. An der unwillkürlichen Reaktion der Muskulatur etwa des Augenlids kann der Arzt erkennen, dass er den Nerv gefunden hat und wie dessen Verlauf ist. "Auch über bildgebende Verfahren wie die Computertomographie kann der Facialis dargestellt werden", so Hofer. Allerdings kann ein Operateur während eines Eingriffs nicht ständig die Bilder des CT im Blick haben. Hier soll in Zukunft ein Zusammenspiel von EMG und Bilddaten einsetzen.

... mehr zu:
»EMG »Gesichtsmuskelnerv »Sonde

Die Idee besteht darin, die Stimulationssonde zu navigieren, also ihre Position im Raum zu erfassen. Die Methode wurde gemeinsam mit Partnern vom Lehrstuhl für Mikro- und Medizingerätetechnik der Technischen Universität München unter Leitung von Prof. Tim Lüth entwickelt. Dafür wurde ein so genanntes Phantom des Gesichtsmuskelnervs gebaut und mit zwölf Messpunkten versehen. An Phantom und Sonde sind Tracker-Sterne angebracht, dadurch werden diese für eine Navigationskamera sichtbar. Die Positionen der Sonde und des Patientenmodells im Raum können so von einem chirurgischen Navigationsgerät erfasst werden.

Durch die mit der Sonde ermittelten Daten wird der Nerv im CT nachgezeichnet, und festgestellt, ob eine Korrelation der Position des Nervs mit den Bilddaten gegeben ist. Ziel ist also die Zusammenführung der EMG-Ergebnisse mit den Bilddaten. Zugleich wird dadurch Redundanz erzielt: Zwei Systeme bestätigen unabhängig voneinander die Lage des Nervs.

Eingesetzt werden könnte die Technik laut Hofer in weiteren Bereichen, wo Nerven geschützt werden müssen. Der Einsatz könnte nach einer klinischen Studie - innerhalb eines Jahres erfolgen. Für den Patienten würde das Risiko einer Nervenverletzung reduziert, zusätzlich wäre eine wesentlich verkürzte Narkosezeit absehbar. Der Operateur würde bei der Suche nach dem gefährdeten Nerv viel Zeit sparen bei gleichzeitig reduziertem Stressniveau. Ihre Ergebnisse stellten die Wissenschaftler bei der wissenschaftlichen Tagung "5th International Conference on Computer Assisted Surgery around the Head" vor und wurden dort mit einer Urkunde belohnt.

Tobias D. Höhn | idw
Weitere Informationen:
http://hno.uniklinikum-leipzig.de

Weitere Berichte zu: EMG Gesichtsmuskelnerv Sonde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics