Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmerzmittel mit Chili wirkt ohne Taubheitsgefühl

19.05.2008
Neue Wirkstoffkombination blockiert gezielt nur Schmerzsensoren

Einen Wirkstoff zur lokalen Betäubung, der gezielt nur auf Schmerzsensoren wirkt und kein Taubheitsgefühl oder Bewegungsstörungen hinterlässt, haben der Mediziner Clifford Woolf und seine Kollegen von der Harvard Medical School entwickelt. Das Mittel besteht aus einem Abkömmling des lokalen Anästhetikums Lidocain, QX314, und der Substanz Capsaicin, die in Chilischoten das charakteristische Brennen verursacht.

"Capsaicin eröffnet Ionenkanäle, die nur in der Membran von Nervenzellen vorkommen, die für die Wahrnehmung von Schmerzen zuständig sind", erklärt Woolf. "Über die geöffneten Kanäle gelangt QX314 in die Nervenzellen und blockiert die Schmerzsensoren."

Im Gegensatz zu den bisher verwendeten Präparaten soll der Wirkstoff so keine generelle Wirkung auf alle Nervenzellen im betäubten Gebiet entfalten, sondern nur die Schmerzsensoren ausschalten. Tastsensoren und Motoneurone bleiben dabei unberührt, sodass unangenehme Folgen wie Taubheit im Mundraum oder die Einschränkung der feinmotorischen Fähigkeiten vermieden werden. Dazu haben die Wissenschaftler QX314 eingesetzt, das positiv geladen und nicht aktiv ist. Da es aufgrund seiner Ladung aber nicht selbstständig die Zellhülle der Nervenzellen überwinden kann, in denen es seine Wirkung entfalten soll, haben die Forscher es an den Chili-Extrakt Capsaicin gekoppelt. Diese Substanz nämlich bindet nur an ein bestimmtes Oberflächenprotein, das sogenannte TRPV1, das nur in der Hülle von solchen Nervenzellen vorkommt, die für die Wahrnehmung von Schmerz zuständig sind. Capsaicin fungiert so als "Türöffner" für den eigentlichen Wirkstoff.

... mehr zu:
»Capsaicin »Nervenzelle »Schmerz

An Ratten hat das Team um Woolf bereits belegen können, dass das Mittel ausschließlich die Schmerzwahrnehmung deaktiviert. Einen entscheidenden Nachteil habe die Verwendung des Capsaicin für medizinische Zwecke jedoch, denn es aktiviert die Sensoren für Schmerz und Hitze. "Deshalb scheint es, als würde der Mund brennen, wenn Menschen besonders scharfe Speisen essen", fügt Woolf hinzu.

Wenn Capsaicin klinisch angewandt seinen Kanal öffnet, werde kurzzeitig der typische Hitzeschmerz ausgelöst. Um die Schmerzmittelkombination in der Klinik benutzen zu können, müsse also ein anderer Weg gefunden werden, um TRPV1 zu aktivieren. "Wir haben versucht, dieses Problem zu lösen und kürzlich neue, schmerzfreie Wege gefunden, QX314 in Nervenzellen zu bringen. Die neue Kombination könnte in Zukunft zum Beispiel Zahnarztpatienten aber auch werdenden Müttern im Kreissaal helfen", so der Mediziner abschließend.

Claudia Misch | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.hms.harvard.edu

Weitere Berichte zu: Capsaicin Nervenzelle Schmerz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Schraubverbindungen mit standardisiertem Ultraschallverfahren

23.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren

23.07.2018 | Studien Analysen

Sauerstoffstabile Hydrogenasen für die Anwendung

23.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics