Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Navigationsgesteuert und auf den Punkt gebracht: Präzisionsbestrahlung durch Kontakttherapie

28.06.2002


(Berlin) Die Nahbestrahlung mit Hilfe von Nadeln und Kathetern, die sogenannte Brachytherapie, sorgt für eine konzentrierte Strahlendosis im Tumor und schont das umliegende Gewebe. Von ihr profitieren beispielsweise Frauen mit Brust- oder Gebärmutterhalskrebs und Männer mit Prostatatumoren berichten Experten auf dem morgen beginnenden Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Berlin


Die Brachytherapie, (griechisch für "Nahbestrahlung") ist eine der ältesten Strahlentherapie-Methoden. Ärzte setzten sie bereits vor mehr als hundert Jahren nach der Entdeckung des Radiums von Marie und Pierre Curie erstmals ein. Im Gegensatz zu einer Bestrahlung von außen, mit der auch große Körpervolumina durchstrahlt werden können, werden dieser Therapie sehr kleine radioaktive Strahlenquellen in die Tumorregion eingebracht.

Neuerdings ermöglichen es computergesteuerte Navigationssysteme den Strahlentherapeuten, Nadeln oder Katheter noch präziser zu platzieren. Die Positionierung der Strahlenquellen ist von entscheidender Bedeutung, um die Strahlendosis im Tu-mor zu konzentrieren und das gesunde Gewebe zu schonen. Mit spezialisierter Computersoftware planen die Ärzte inzwischen die Positionierung dreidimensional vor. Ebenso berechnen sie die Verweildauer der Strahlenquelle in verschiedenen Positionen im Katheter. So lässt sich die Verteilung der Strahlendosis individuell an die Anatomie des Patienten und die seines Tumors anpassen.


Eingesetzt wird die Brachytherapie hauptsächlich bei der Behandlung von gynäkologischen Tumoren, Brustkrebs, Kopf-Hals-Tumoren, Prostatakarzinomen, Weichteilsarkomen, gelegentlich auch bei Hirntumoren. Als Strahlenquelle dient meist 192-Iridium. Ist das Ziel der Therapie die Heilung, kombinieren die Ärzte die Brachytherapie oft mit einer Bestrahlung von außen. Bei der symptomatischen (palliativen) Behandlung fortgeschrittener Tumoren kann die Brachytherapie beispielsweise Schmerzen lindern. Oft kann sie auch dann noch Beschwerden lindern, wenn eine externe Bestrahlung bereits dosismäßig "ausgereizt" ist und nicht wiederholt werden kann ohne das gesunde Gewebe zu schädigen.

"Spickung" der Brust - eine Alternative zur Bestrahlung von außen?

Ärzte der Universität Erlangen untersuchen derzeit, ob eine alleinige Brachytherapie für die Bestrahlung nach brusterhaltender Operation ausreichend ist und auf eine Bestrahlung von außen verzichtet werden kann. Bislang wurde das Verfahren an 17 Frauen erprobt. Nach der Computerberechnung mit einem speziellen Planungssystem implantierten die Strahlentherapeuten nach der Operation unter Narkose 10-12 feine Katheter in die Tumorregion. Die Berechnungen ergaben, dass mit dieser Methode die Haut geschont werden kann und somit ein noch besseres kosmetisches Ergebnis zu erwarten ist. Ob so gleich gute Heilungsraten erzielbar sind wie durch eine Bestrahlung von außen, können die Ärzte allerdings erst in einigen Jahren beurteilen.

Brachytherapie im Gesamt-Behandlungskonzept bei Gebärmutterhalskrebs

Im Klinikum Offenbach setzen Ärzte bei Patientinnen mit inoperablem Gebärmutterhalskrebs vor Beginn einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie eine Brachytherapie ein. Unter computertomographischer Kontrolle bringen sie Katheter durch Scheide und Damm in die tumorbefallene Gebärmutter ein. Die Behandlung erfolgt zweimal in wöchentlichen Abständen. Bislang wurden 21 Patientinnen mit dem neuen Therapieschema behandelt. Mit dem speziell entwickelten Planungssystem konnten die Ärzte am Gebärmutterhals höhere Dosen als mit herkömmlichen Verfahren erzielen. Enddarm und Blase, besonders strahlenempfindliche Organe, erhielten hingegen niedrigere Dosen als üblich.
Ultraschall-basierte Planung einer Prostataspickung mit 192-iridium

Zusätzlich zu einer Bestrahlung von außen oder auch als alleinige Maßnahme kann die Prostata mit einer sogenannten interstitiellen (in das Organgewebe eingebrachte) Brachytherapie behandelt und so vor Ort eine hohe Dosis erzielt werden. Radioonkologen planen die Therapie anhand einer Ultraschalluntersuchung und berechnen die optimale Lage der Katheter. Abhängig von der Organgröße spicken die Ärzte dann unter Narkose die Prostata mit 8-10 Nadeln. Erste Ergebnisse zeigen, dass mit diesem Verfahren eine hohe Dosis am Tumor erreicht wird, während man die empfindliche Harnröhre schonen kann. Die gesamte Prozedur nimmt lediglich 30 bis 45 Minuten in Anspruch.

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org/

Weitere Berichte zu: Brachytherapie Katheter Strahlendosis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Schraubverbindungen mit standardisiertem Ultraschallverfahren

23.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren

23.07.2018 | Studien Analysen

Sauerstoffstabile Hydrogenasen für die Anwendung

23.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics