Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Lebensader des Tumors kappen

26.06.2002


Blockade der Blutgefäßbildung soll Krebswachstum hemmen

"Wir wollen bösartige Tumoren aushungern, indem wir ihnen die Nährstoffzufuhr entziehen", sagt Professor Dr. Christoph Wagener, Direktor des Instituts für Klinische Chemie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Denn Krebszellen können ohne Sauerstoff und Nährstoffe nicht überleben. Sie zapfen das körpereigene Blutsystem an, wobei sie ihre Zellumgebung zur Neubildung von Adern anregen. Dafür benötigen sie die Unterstützung eines speziellen Gens. Diese Tatsache machen sich Professor Wagener und sein Team bei einem Forschungsprojekt zunutze, das die Deutsche Krebshilfe mit rund 254.000 Euro fördert. "Wenn es gelingt, das für die Blutgefäßbildung verantwortliche Gen auszuschalten, könnte die Versorgung des Tumors verhindert und sein Wachstum gebremst werden", erklärt Professor Wagener.

Die Neubildung von Blutgefäßen ist ein natürlicher Prozess. Die so genannte Angiogenese findet beim Menschen aber nur selten statt, etwa bei der Wundheilung oder während des Menstruationszyklus. Beim Krebswachstum kommt diesem Mechanismus jedoch eine besondere Bedeutung zu: Ab einem Durchmesser von etwa einem Millimeter benötigt jeder Tumor den Anschluss an das körpereigene Versorgungssystem, um weiterwachsen zu können. Die bösartigen Zellen senden Botenstoffe aus, um die bestehenden Blutbahnen anzuregen neue Gefäße zu bilden. Diese vom Tumor ausgelöste Gefäßbildung wird als Tumorangiogenese bezeichnet.

Die Wände der Blutgefäße sind mit Endothelzellen ausgekleidet. Diese Zellen sind maßgeblich an der Bildung von neuen Blutbahnen beteiligt. Bei der Entstehung von neuen Adern sprossen die Endothelzellen aus vorhandenen Gefäßen aus und wachsen als rohrförmige Öffnung in den Tumor hinein. Die neu gebildeten Blutgefäßzellen müssen miteinander verknüpft werden. Diese Verbindung wird von spezialisierten Eiweißstoffen übernommen. Diese Proteine, die als Zelladhäsionsmoleküle bezeichnet werden, sitzen an der Oberfläche der Endothelzellen und vernetzen die Blutgefäße zu einem funktionsfähigen Versorgungssystem. Im Verbund mit anderen Zellen bildet sich so ein neues Gefäßnetz im Tumor. Über dieses System sind die Krebszellen an das Blutsystem des Körpers angebunden und werden mit den notwendigen Nährstoffen versorgt.

In der Abteilung für Klinische Chemie der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf versuchen Wissenschaftler detaillierte Einblicke in die Rolle der Zelladhäsionsmoleküle im lebenden Organismus zu gewinnen. Die Forscher unter der Leitung von Professor Dr. Christoph Wagener interessiert besonders die genaue Funktionsweise des Zelladhäsionsproteins CEACAM-1. "Versuche haben gezeigt, dass dieses Protein an der Blutgefäßbildung beteiligt ist", so der Mediziner. Nun wollen die Hamburger Wissenschaftler untersuchen, ob durch gezielte Blockade des CEACAM-1-Gens die Ausbildung neuer Blutbahnen und damit die Tumorangiogenese gehemmt werden kann. Die Krebszellen könnten dadurch von ihrer Lebensader abgeschnitten werden.

"Wir erwarten, dass eine Therapie, die die Blutgefäßbildung hemmt, nur wenige Nebenwirkungen verursacht", sagt Professor Wagener, "denn beim Menschen werden nur in seltenen Fällen neue Adern gebildet". Den Tumor indirekt über die Blutversorgung anzugreifen sei also sehr vorteilhaft. Als Fernziel des Projektes nennt der Mediziner: "Ergebnisse unserer Versuche könnten die Grundlage für die Entwicklung von Medikamenten liefern, die das Wachstum menschlicher Tumoren hemmen".

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Blutgefäß Blutgefäßbildung Endothelzelle Krebszelle Lebensader

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät
14.12.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics