Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatz für die Behandlung der Multiplen Sklerose

17.04.2008
Multiple Sklerose ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems in Europa und Nordamerika. Mehr als eine Million Menschen sind derzeit weltweit davon betroffen. Bis heute existiert keine Therapie, die zur Heilung führt. Eine Entdeckung Würzburger Wissenschaftler lässt allerdings Hoffnung aufkommen: An Tieren gelang es ihnen, das Krankheitsbild deutlich zu lindern.

Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Schmerzen, Müdigkeit, Lähmungen: Das Krankheitsbild der Multiplen Sklerose (MS) ist vielfältig. Auslöser sind vermutlich körpereigene Abwehrzellen, die fälschlicherweise im Gehirn und Rückenmark die Umhüllung der Nervenzellfortsätze angreifen. Je nach Ort dieser Attacken variieren die Symptome.

Eine wichtige Rolle in diesem Prozess übernehmen so genannte T-Zellen, eine Gruppe von Überwachungszellen des Immunsystems. An ihnen haben Wissenschaftler der Universität Würzburg jetzt einen möglichen neuen Ansatzpunkt für eine Therapie entdeckt. Ihre Arbeit haben sie im Journal of Biological Chemistry veröffentlicht.

Den Wissenschaftlern der Würzburger Klinischen Forschungsgruppe für MS und Neuroimmunologie, Dr. Dr. Sven G. Meuth, Stefan Bittner und Professor Dr. Heinz Wiendl, ist es gelungen, auf T-Zellen einen neuen Typ von Ionenkanälen zu identifizieren. Ionenkanäle sind kleine Proteinstrukturen, die für die Aufrechterhaltung der Funktionen aller Körperzellen notwendig sind. Auf T-Zellen sind sie unverzichtbar für die Aktivierung und Zellteilung, vermutlich auch für ihre Entwicklung.

Bislang waren zwei Kanalfamilien bekannt, deren Einfluss das Schicksal von T-Zellen maßgeblich bestimmt. Der neu entdeckte Typ verspricht nach Ansicht der Forscher aus der Universität Würzburg die Chance auf eine bessere Behandlung von T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose. In ersten Versuchen gelang es den Wissenschaftlern durch eine gezielte Manipulation, beziehungsweise durch Ausschalten der Kanäle, die T-Zellen in ihrer Aktivität zu bremsen; nach den Eingriffen schütteten sie deutlich weniger Botenstoffe, so genannte Zytokine, aus, als im Normalzustand.

Inwieweit sich diese Ergebnisse bei der Behandlung der Multiplen Sklerose nutzen lassen, hat die Gruppe bereits am Tier untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Krankheit weniger schwer und deutlich kürzer verlief, wenn die Ionenkanäle manipuliert worden waren. "Diese neu identifizierte Kanalfamilie stellt eine neue molekulare Zielstruktur dar, von der wir uns auch therapeutische Möglichkeiten versprechen", sagt Heinz Wiendl.

Jetzt untersuchen die Wissenschaftler T-Zellen von MS-Patienten in unterschiedlichen Krankheitsstadien, um genauer zu verstehen, wann die Beeinflussung des Kanals therapeutisch hilfreich sein könnte. "Unsere Daten weisen darauf hin, dass wir über den neu definierten Mechanismus in der Lage sein könnten, gezielt auf 'schädliche Entzündungszellen' einwirken zu können", fassen die Forscher vorsichtig ihre Ergebnisse zusammen.

Doch sie sind zuversichtlich, dass ihre Entdeckung bedeutsame Auswirkungen haben wird. Neben weiteren Experimenten zur Funktion und Rolle des Kanals im Rahmen von Autoimmunerkrankungen wie MS streben die Wissenschaftler jetzt eine klinische Studie an, um das therapeutische Potenzial des Kanals weiter aufzuschlüsseln.

Meuth SG, Bittner S, Meuth P, Simon OJ, Budde T, Wiendl H. TWIK-related acid-sensitive potassium channel-1 (TASK-1 and TASK-3) critically influence T-lymphocyte effector functions. Journal of Biological Chemistry 2008, 28. März.

Kontakt: Dr. Dr. Sven Meuth, T: (0931) 201-23569, E-Mail: Meuth_S@klinik.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Autoimmunerkrankung Multiplen Sklerose T-Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Differenzierte Bildgebung für bessere Diagnosen bei Brustkrebs
21.01.2020 | Universität Zürich

nachricht Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen
20.01.2020 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnellster hochpräziser 3D-Drucker

3D-Drucker, die im Millimeterbereich und größer drucken, finden derzeit Eingang in die unterschiedlichsten industriellen Produktionsprozesse. Viele Anwendungen benötigen jedoch einen präzisen Druck im Mikrometermaßstab und eine deutlich höhere Druckgeschwindigkeit. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben ein System entwickelt, mit dem sich in bisher noch nicht erreichter Geschwindigkeit hochpräzise, zentimetergroße Objekte mit submikrometergroßen Details drucken lassen. Dieses System präsentieren sie in einem Sonderband der Zeitschrift Advanced Functional Materials. (DOI: 10.1002/adfm.201907795).

Um nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Zuverlässigkeit ihres Aufbaus zu demonstrieren, haben die Forscherinnen und Forscher eine 60 Kubikmillimeter...

Im Focus: Wie man ein Bild von einem Lichtpuls macht

Um die Form von Lichtpulsen zu messen, brauchte man bisher komplizierte Messanlagen. Ein Team von MPI Garching, LMU München und TU Wien schafft das nun viel einfacher.

Mit modernen Lasern lassen sich heute extrem kurze Lichtpulse erzeugen, mit denen man dann Materialien untersuchen oder sogar medizinische Diagnosen erstellen...

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

FISBA zeigt an der Photonics West die neueste Entwicklung im Bereich Lasermodule, das FISBA READYBeam<sup>TM</sup>

29.01.2020 | Messenachrichten

Potentielle Stellschraube für wirksamere Krebs-Immuntherapien

29.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

UVphotonics zeigt kundenspezifische UV-LEDs und Module auf der Photonics West

29.01.2020 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics