Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Patienten für Patienten

16.04.2008
Viele Erkrankungen wie zum Beispiel Asthma, Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen oder Krebs, bedeuten für alle Betroffenen einen großen Einschnitt in ihren gewohnten Lebensalltag. Das bringt auch viele Ängste mit sich. Kann meine Krankheit wirkungsvoll behandelt werden? Wie verändert sich jetzt mein Leben? Was kann, was muss ich selbst tun? Das sind nur einige Fragen, die Patienten und ihre Angehörigen bewegen. Wissen ist gefragt! Dieses Wissen bieten Patientenleitlinien, die von Experten und Vertretern von Selbsthilfeorganisationen auf der Grundlage von wissenschaftlich begründeten ärztlichen Leitlinien erstellt werden.

In der Vergangenheit lag das Wissensmonopol fast ausschließlich auf Seiten der medizinischen Fachleute. Heute wissen wir: Nur der informierte Patient kann gemeinsam mit seinem Arzt entscheiden, versteht ärztliche Anordnungen und ist zufriedener mit seiner Behandlung. Eine wichtige Voraussetzung hierbei ist die gleiche Informationsbasis für Ärzte und Patienten.

Medizinische Leitlinien beschreiben die Behandlung nach dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse. Oft berücksichtigen sie aber die Patientensicht nicht ausreichend und verständlich für Laien sind sie in der Regel auch nicht. Deshalb arbeiten immer häufiger Vertreter von Selbsthilfeorganisationen in Leitlinienprogrammen mit.

Sie bringen ihre Erfahrungen ein und sorgen dafür, dass medizinisches Wissen auch für Laien verständlich und verfügbar wird. Aus ärztlichen Leitlinien werden Patientenleitlinien. Im Programm für Nationale VersorgungsLeitlinen geht man diesen Weg seit 2005. Das Programm wird getragen von den ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Ein wichtiger Kooperationspartner ist das Patientenforum, ein Zusammenschluss von Vertretern der Selbsthilfedach- und Fachverbände sowie der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Koordination und Durchführung erfolgt durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin.

Gleiches Wissen für Ärzte und Patienten
Patienten erwarten von ihren behandelnden Ärzten, dass sie in ihrem Fachgebiet auf dem neuesten Stand sind. Behandelnde Ärzte: Das können bei einer chronischen Krankheit Ärzte in Krankenhäusern, Hausärzte oder Fachärzte sein. Sie alle müssen zusammen arbeiten, Informationen austauschen und eine medizinische Versorgung nach dem aktuellen Stand des Wissens gewährleisten, die sich auch an den Bedürfnissen ihrer Patienten orientiert.

Wie dieser Wissensstand aussieht und wie Ärzte am besten zusammen arbeiten können, beschreiben Nationale VersorgungsLeitlinien. Sie werden von Experten unterschiedlicher wissenschaftlicher Fachgesellschaften gemeinsam erarbeitet und berücksichtigen auch die Anliegen von Patienten. Da sich diese Leitlinien in erster Linie an Ärzte richten, sind sie für Patienten schwer verständlich. Deshalb gibt es zu jeder ärztlichen Leitlinie auch einen Ratgeber für Patienten - eine Patientenleitlinie.

Patientenleitlinien - mehr als "übersetzte Wissenschaft"!
Patientenleitlinien sind ein Gemeinschaftsprodukt von medizinischen Experten und Patienten. Wissenschaftlich begründete Behandlungsempfehlungen aus den ärztlichen Leitlinien werden in eine allgemein verständliche Sprache übersetzt. Aber das ist nicht alles! Patientenleitlinien erklären auch, was eine optimale Versorgung bedeutet und wer daran in welcher Form beteiligt ist.

Einen großen Raum nehmen nützliche Ratschläge zum Umgang mit der Erkrankung ein, denn: Betroffene sind nicht hilflos ausgeliefert. Sie können lernen, ihre Erkrankung besser zu verstehen, die Zeichen des Körpers zu erkennen und die Behandlung wirkungsvoll unterstützen. Es gibt so Vieles, was man tun kann, um die eigene gesundheitliche Situation dauerhaft zu verbessern oder einer Verschlimmerung vorzubeugen. Die Mitarbeit von Patientenvertretern an den Patientenleitlinien ist gerade hier von einem unschätzbarem Wert.

Fragenvorschläge für die Vorbereitung des Arztbesuches und weitere Adressen und Anlaufstellen machen die Patientenleitlinie nicht nur zum Wissensvermittler sondern bieten auch Service. Jeder Patient sollte von seinem Arzt eine solche Patientenleitlinie erhalten, beziehungsweise die Information hierüber. Es gibt sie bisher zu den Erkrankungen Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, chronische koronare Herzkrankheit und Fußkomplikationen bei Typ-2-Diabetes. Weitere Themen sind in Arbeit.

Patientenbeteiligung macht's möglich
Die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Patienten in medizinischen Leitlinien ist ein wichtiges Qualitätskriterium. Sie setzt die Einbeziehung von Patienten voraus. Diese Einbeziehung geht über das Maß einer bloßen nachträglichen Stellungnahme hinaus. Heute sitzen Vertreter von Selbsthilfeorganisationen mit Experten an einem Tisch, um Leitlinien gemeinsam zu entwickeln. Im Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien wird dies seit 2005 praktisch umgesetzt. Vertreter von Patientenverbänden begleiten den Entwicklungsprozess der Leitlinien und erarbeiten gemeinsam mit Experten des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin die zugehörige Patientenleitlinie.
Wie Patientenbeteiligung funktionieren kann
Die Erfahrungen, die bei der Patientenbeteiligung am Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien gesammelt wurden, lassen sich auch auf andere Leitlinienverfahren anwenden. Im "Handbuch Patientenbeteiligung" wurden sie zusammen gestellt. Der Leser erfährt Hintergründe über Leitlinien und leitlinienbasierte Patienteninformationen, Anforderungen an beteiligte Patienten und entsendende Organisationen werden definiert, der Ablauf der Arbeit beschrieben und ein Serviceteil enthält eine Reihe nützlicher Checklisten und Fragebögen.

Alle Nationalen VersorgungsLeitlinien und Patientenleitlinien erscheinen als Broschüre beim Deutschen Ärzteverlag und sind darüber hinaus im Internet frei zugänglich.

Dr. PH Dipl.-Ing. Sylvia Sänger | idw
Weitere Informationen:
http://www.versorgungsleitlinien.de
http://www.aezq.de/publikationen/0index/schriftenreihe/view

Weitere Berichte zu: Selbsthilfeorganisation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics