Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Beschleuniger an der RUB: Vielversprechender Forschungsansatz mit radioaktiven Implantaten

15.04.2008
Tumorstammzellen gezielt töten
Europaweit einzigartig ist der Beschleuniger, den die Ruhr-Universität Bochum vor kurzem in Betrieb genommen hat. Mit seiner Hilfe lassen sich in Zukunft neue spezielle radioaktive Implantate für die Krebsbehandlung herstellen. Die Anlage arbeitet mit bis zu 100.000 Volt Beschleunigungsspannung und ermöglicht es zum Beispiel, das radioaktive Isotop Phosphor (32 P) in winzige Drähte hineinzuschießen. Die Drähte werden anschließend über eine dünne Nadel direkt in einen Tumor injiziert und geben dort ihre Strahlung ab, um die Tumorstammzellen zu töten. Am RUBION (Zentrales Isotopenlabor und Dynamitron-Tandem-Labor der RUB) beginnt nach nur sechsmonatiger Aufbau- und Testphase ein fachübergreifendes Forschungsprojekt an dem Naturwissenschaftler und Mediziner der RUB, der LMU München sowie weitere Unternehmen und Institute beteiligt sind.

Den Tumor von innen zerstören

"Der Ansatz ist vielversprechend", sagt Dr. Jan Meijer, Geschäftsführer von RUBION, "aber wie immer sollte man in der Krebsforschung nicht zu optimistisch sein." Die Idee des Forschungsprojekts basiert auf der Erkenntnis, dass ein Tumor abstirbt, sobald seine Stammzellen nicht mehr funktionieren. Hier kommt das hochradioaktive Isotop 32 P ins Spiel: Es hat eine Halbwertszeit von 14 Tagen und seine Reichweite der emittierten Elektronen im Körper ist so gering, dass es einen Tumor gezielt zerstören kann, ohne das umliegende gesunde Gewebe zu beschädigen.

... mehr zu:
»Implantat »RUB »RUBION

Exakt messen, gezielt schießen

"Die Herausforderung ist, die Radioaktivität exakt zu bestimmen und zu messen. Dafür bieten wir am RUBION mit unseren Methoden und den am Netzwerk beteiligten Wissenschaftlern die idealen Voraussetzungen", so Dr. Meijer. Damit das Verfahren funktioniert, sind zunächst viele Tests nötig. Nachdem der Beschleuniger im RUBION aufgebaut wurde, laufen erste Versuche mit nicht-radioaktivem Material, ehe die Bochumer Forscher Experimente mit 32 P starten. Der Beschleuniger ist übrigens kaum drei Meter lang, macht eine scharfe Rechtskurve und beschleunigt ein Phosphor-Ion auf einem Teilstück von gerade mal 15 Zentimetern. Das reicht, um 32 P auf das Ziel - etwa den Draht - zu schießen. Der im Forschungszentrum Karlsruhe entwickelte 100 kV-Beschleuniger war dort bereits mehrere Jahre erfolgreich im Einsatz.

Beliebige Träger herstellen

Biochemiker am RUBION und dem Lehrstuhl für Biochemie von Prof. Rolf Heumann züchten bereits tierische Stammzellen für spätere Experimente, um die Wirkung neuer Therapieverfahren zu erforschen. Bis dann ein neues Verfahren so weit ausgereift ist, dass es für klinische Studien in Frage kommt, vergehen einige Jahre. "Prinzipiell sind radioaktive Implantate eine seit vielen Jahren erprobte Technik in der Krebstherapie", so Meijer. "Neu an dieser Technik ist aber, dass wir dann beliebige, für die Behandlung zugeschnittene radioaktive Träger herstellen können."

Die Möglichkeiten ausreizen

Das nötige Know-how haben die Bochumer Forscher allemal mit ihrer langjährigen Erfahrung sowohl im Betrieb von Teilchenbeschleunigern (Dynamitron-Tandem-Labor, DTL) als auch im Umgang mit hochradioaktiven Stoffen im Zentralen Isotopenlabor (ZIL) der RUB. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, um den neuen Beschleuniger zu betreiben und seine Möglichkeiten auszureizen. Die Arbeitsgruppe setzt damit verstärkt auf die Grundlagenforschung in der Brachytherapie - sozusagen die Bestrahlung "von innen" mit radioaktivem Material. Während in Bochum der Schwerpunkt auf der Untersuchung der Stahlensensitivität unterschiedlicher Zelltypen liegt, wollen die Kollegen in München die Modulation der Wundheilung untersuchen.

Das Potenzial ausschöpfen

"Diese Therapie hat viele Vorteile, ihr Potenzial ist noch längst nicht ausgeschöpft", sagt Prof. Dr. Irenäus Adamietz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie im Marienhospital Herne und St. Josef-Hospital Bochum (Klinikum der RUB). "Wir arbeiten im RUBION fachübergreifend mit Kollegen aus der Biochemie und Physik zusammen, um diese Techniken zu optimieren. Das neue Verfahren ist sowohl für die Wissenschaft als auch für neue Therapieansätze von großem Interesse." Damit die Anwendung letzten Endes für die Patienten möglichst schonend und nicht-operativ möglich ist, beteiligt sich das auf minimalinvasive Methoden spezialisierte Grönemeyer-Institut für Mikrotherapie an diesem Forschungsprojekt.

Weitere Informationen

PD Dr. Jan Meijer, Geschäftsführer von RUBION, Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-26612, E-Mail: jan.meijer@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rubion.rub.de

Weitere Berichte zu: Implantat RUB RUBION

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics