Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Allergooncology: Junges Forschungsgebiet international etabliert

15.04.2008
Die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Allergie und Tumorentwicklung - und der mögliche Nutzen für zukünftige Krebstherapien - hat sich endgültig als eigenständige Forschungsdisziplin etabliert.
Das ist das Fazit des 2. International AllergoOncology Symposiums, das am Wochenende wieder in Wien stattfand. Die Organisatorin Prof. Jensen-Jarolim zeigte sich über die Teilnahme von über 100 MedizinerInnen und WissenschafterInnen aus über 10 Nationen hoch erfreut. Zeitgleich wird das von ihr mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF aufgebaute Forschungsgebiet durch einen ersten Übersichtsartikel im internationalen Journal "Allergy" gewürdigt.

Seit über 50 Jahren ist das Phänomen bekannt - seit nur ca. 3 Jahren ist es ein eigenes Forschungsgebiet: der Einfluss allergischer Reaktionen auf die Entwicklung von Tumoren. Die als AllergoOncology bezeichnete Disziplin untersucht, wie allergische Reaktionen das Wachstum von Krebstumoren reduzieren können. Als Gründerin dieses Gebiets gilt Prof. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien. Bereits vor Jahren begann sie im Rahmen eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF mit dem Aufbau der AllergoOncology als eigenen Bereich der Medizinforschung.

SYNERGIE & SYMPOSIUM
Auf dem von ihr zum zweiten Mal organisierten International AllergoOncology Symposium trafen sich am vergangenen Wochenende internationale ImmunologInnen und OnkologInnen in Wien, um mögliche Synergien ihrer Arbeiten zu diskutieren. Beispielhaft für das breite Spektrum an Themen kann der Vortrag von Prof. Chris Parish von der John Curtin School of Medical Research in Australien stehen. Er berichtete über Arbeiten an einem Mausmodell, das dank der Gabe weißer Blutkörperchen, die auch in Zusammenhang mit Allergien stehen, resistent gegen bestimmte chemisch induzierte Tumore wurde.

"Auch wenn Ergebnisse aus Tiermodellen nicht auf den Menschen übertragen werden können, so zeigen Arbeiten wie die von Prof. Parish das beeindruckende therapeutische Potenzial der AllergoOncology", kommentiert Prof. Jensen-Jarolim diese Arbeit.

Eine weitere Arbeit, die von Dr. Manuel Penichet, University of California, vorgestellt wurde und in Zusammenarbeit mit den Gruppen von Prof. Hannah Gould, King's College, London, und von Prof. Jensen-Jarolim durchgeführt wird, hat die gezielte Bekämpfung von Brustkrebs zum Ziel. Dafür macht sich das Team eine wesentliche Eigenschaft jener speziellen Antikörper zu Nutze, die gemeinhin für allergische Reaktionen verantwortlich sind: die so genannten IgE-Antikörper. Diese wirken hoch reaktiv und mit langer Wirkungsdauer gegen Proteine, die vom Körper als ungewollt betrachtet werden. Ganz gezielt und hochspezifisch kann diese IgE-Antwort auch gegen Proteinstrukturen auf bestimmten Tumorzellen gerichtet werden. Eine Wirkung, die von den kooperierenden Gruppen genutzt und durch spezifische Änderungen der Antikörperstruktur verstärkt werden kann.

... mehr zu:
»FWF

Doch Prof. Jensen-Jarolim war es im Rahmen des Symposiums auch wichtig das Potenzial der AllergoOncology kontrovers, auch innerhalb einer von Life Science-Journalistin Johanna Award-Geissler geleiteten Podiumsdiskussion von ExpertInnen, zu diskutieren. Dazu Prof. Jensen-Jarolim: "Um ein neues Forschungsgebiet nachhaltig zu etablieren, brauchen wir kritische Stimmen und konsequente Kontrollen. So wurden am Wochenende Daten einer Studie aus Wien präsentiert, die bei über 22,000 untersuchten KrebspatientInnen keinen generellen Zusammenhang zwischen Sterblichkeit und der IgE-Konzentration im Serum, außer bei Lymphomen und Leukämien, feststellen konnten. Die Ursachen hierfür müssen weiter analysiert werden."

Wie sehr die AllergoOncology aber bereits in der internationalen Medizin und Wissenschaft etabliert ist, belegt auch der vorab am Wochenende exklusiv veröffentlichte Übersichtsartikel, der im internationalen Fachjournal "Allergy" in wenigen Wochen offiziell publiziert wird. Für den FWF sind das Symposium und der State of the Art-Artikel ein schöner Beleg für die Sinnhaftigkeit der frühzeitigen Unterstützung transdiziplinärer Forschungsgebiete wie dem der AllergoOncology.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Erika Jensen-Jarolim
Medizinische Universität Wien
Institut für Pathophysiologie
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
T +43 / 1 / 40400 - 5120
E erika.jensen-jarolim@meduniwien.ac.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T + 43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Prof. Erika Jensen-Jarolim | Medizinische Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at

Weitere Berichte zu: FWF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemie aus der Luft: atmosphärischem Stickstoff als Alternative

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Gebirge bereiten Boden für Artenreichtum

22.10.2018 | Geowissenschaften

Neuer Wirkstoff gegen Anthrax

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics