Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Volkskrankheit Vorhofflimmern: Kompetenznetz liefert wichtige Erkenntnisse für bessere Versorgung

27.03.2008
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie; 27. bis 29. März 2008, Mannheim

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, insbesondere bei älteren Menschen. In Deutschland gibt es rund eine Million Vorhofflimmer-Patienten, Tendenz steigend. Und das ist mit Risiken verbunden:

Die Pumpfunktion des Herzens ist eingeschränkt, zudem haben Betroffene ein deutlich erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Jeder fünfte Schlaganfall geht auf die gefährliche Störung zurück. Über Forschungserfolge des Kompetenznetzes Vorhofflimmern berichten Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die am 27. März in Mannheim beginnt. Erwartet werden mehr als 6.000 Teilnehmer aus 25 Ländern.

Forschung für bessere Versorgung

Im Kompetenznetz Vorhofflimmern arbeiten seit fünf Jahren Wissenschaftler und Ärzte zusammen, um die Behandlung und Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Finanziert wird das Forschungsnetzwerk vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). "In den vergangenen Jahren wurden im Kompetenznetz Vorhofflimmern rund 20 Forschungsprojekte entwickelt, vorbereitet und durchgeführt", berichtet dessen Sprecher Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Breithardt (Münster).

Flec-SL-Studie: Viel versprechende neue Kurzzeitbehandlung

Ein Beispiel ist die aktuelle Flec-SL-Studie, in der Experten des Netzwerks eine neue antiarrhytmische Kurzzeitbehandlung testen. Erste Ergebnisse präsentierte in Mannheim Projektleiter Prof. Dr. Paulus Kirchhof (Münster).

Durch eine elektrische Kardioversion, also einen kurzen Elektroschock in Narkose, kann Vorhofflimmern in vielen Fällen erfolgreich beendet werden. Allerdings tritt die Rhythmusstörung bei vielen Patienten in den ersten Wochen oder Monaten danach wieder auf. "Dieses Wiederkehren der Rhythmusstörung lässt sich in vielen Fällen durch eine Behandlung mit so genannten Antiarrhythmika verhindern, doch diese Medikamente sind vor allem bei längerer Einnahme mit gefährlichen Nebenwirkungen verbunden", sagt Prof. Kirchhof. "Im Rahmen der Flec-SL-Studie untersuchen wir ein neues Behandlungskonzept mit kürzerer Therapiedauer, die nicht nur Patienten weniger belastet, sondern darüber hinaus auch Kosten spart." Die Studie, an der 40 Zentren beteiligt sind, wurde im März 2005 gestartet und läuft noch bis 2009.

Pathophysiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Umbauvorgänge im Vorhof sich innerhalb von vier Wochen innerhalb des Vorhofflimmerns wieder erholen. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass eine Behandlung vor allem in der ersten Zeit nach einer Kardioversion sinnvoll ist. Üblich ist derzeit aber noch eine Langzeitbehandlung, da bisher keine Daten zur optimalen Behandlungsdauer vorlagen.

Eine erste Zwischenauswertung der Daten von 242 Patienten hat jetzt gezeigt: Eine Kurzzeitbehandlung mit dem Wirkstoff Flecainid über vier Wochen kann das Wiederauftreten von Vorhofflimmern jedenfalls vermindern. Prof. Kirchhof: "Bei den Patienten, die mit der Substanz behandelt wurden, lag die Rezidivrate nach vier Wochen bei 30 Prozent, in der Kontrollgruppe ohne Flecainid erlitten rund 50 Prozent der Patienten einen Monat nach der Kardioversion einen Rückfall."

Der zweite Analyseschritt, der die Kurzzeit- mit der Langzeittherapie vergleicht, ist nach Studienende im Jahr 2009 geplant. "Schon heute können die weiteren Analysen dazu beitragen, Patienten für eine Kardioversion und eine Therapie mit Antiarrhythmika gezielter auszuwählen", so Prof. Kirchhof. "Wenn sich die Hypothese der Studie bestätigt, könnte die Behandlung mit Antiarrhythmika nach Kardioversion für viele Patienten einfacher und kürzer werden."

Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK)
Christiane Limberg, Düsseldorf (Pressereferentin der DGK, Tel.: 0211- 600 692 - 61; Fax: 0211- 600 692 - 67; limberg@dgk.org ; Tel. im Kongresszentrum 0621-41065002

Roland Bettschart, B&K Medien- und Kommunikationsberatung, mobil 0043 676 6356775

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6450 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa.

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Berichte zu: Antiarrhythmikum DGK Kardioversion Vorhofflimmern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore
19.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics