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Wie Leukämiezellen der Immunüberwachung entkommen

17.03.2008
Das Immunsystem spielt eine wichtige Rolle bei der Verhinderung von malignen Erkrankungen. Mittlerweile ist klar, dass eine Krebserkrankung nur dann entsteht, wenn es entarteten Zellen gelingt, der Überwachung durch das Immunsystem zu entkommen.

Insbesondere bei der Entstehung bzw. Verhinderung von Leukämien spielen, neben anderen Komponenten des Immunsystems, die Natürlichen Killerzellen (NK Zellen) des Organismus eine zentrale Rolle. Durch welche Mechanismen es Leukämiezellen gelingen kann, den NK Zellen zu entkommen untersucht eine Arbeitsgruppe um den Tübinger Mediziner Helmut Salih.

Ziel des von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projektes ist es, hierbei detailliert die Rolle eines Eiweißmoleküls aufzuklären, durch welches Leukämiezellen die Reaktivität von NK Zellen hemmen können. Durch ein besseres Verständnis dieses Mechanismus soll es gelingen, die Immunlage therapeutisch zu Gunsten von Leukämiepatienten zu beeinflussen.

NK Zellen spielen als erste Verteidigungslinie des Immunsystems eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr von Tumoren. Jüngste Daten belegen insbesondere die Bedeutung von NK Zellen bei der Immunüberwachung von Leukämien. Die Mechanismen, durch welche NK Zellen ihre Zielzellen erkennen und abtöten sind erst in den letzten Jahren besser verstanden worden. Man weiß nun, dass die Reaktivität von NK Zellen durch eine Balance aus verschiedenen aktivierenden und hemmenden Eiweißmolekülen (Rezeptoren) reguliert wird.

Zur Rolle des Rezeptors CD137 bei NK Zellen im Menschen ist bisher nichts bekannt. In Mausmodellen wurde gezeigt, dass eine Aktivierung von CD137 eine Immunreaktion gegen Tumoren auslösen kann. Erstaunlicherweise wurde von uns beobachtet, dass die Reaktivität von menschlichen NK Zellen, im Gegensatz zur Situation in der Maus, durch CD137 gehemmt wird. Zudem fanden wir, dass Leukämiezellen den Gegenpart von CD137, den CD137 Liganden, auf ihrer Oberfläche aufweisen und damit über CD137 angreifende NK Zellen gewissermaßen lähmen können. Zudem ermöglicht der CD137 Ligand den Leukämiezellen, bestimmte Zytokine (die Botenstoffe des Immunsystems) zu produzieren, welche eine Immunreaktion in Patienten unterdrücken können.

In dem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt soll nun detailliert erarbeitet werden, welche Vorteile der CD137 Ligand den Leukämiezellen erbringt und über welche molekularen Mechanismen dies erfolgt. Zudem soll erarbeitet werden, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass Leukämiezellen mit dem CD137 Liganden die Reaktivität von CD137-exprimierenden NK Zellen hemmen können. Hierbei soll vor allem auch die Diskrepanz zur Situation in der Maus aufgeklärt werden. Zudem wird noch erarbeitet, ob der Nachweis von CD137 Ligand bei Patienten mit Leukämien dazu dienen kann, eine Patientengruppe mit einer schlechteren Prognose zu identifizieren. Ziel ist die umfassende Charakterisierung der Rolle von CD137 und seinem Liganden bei der Immunüberwachung von Leukämien durch NK Zellen, um durch eine gezielte Beeinflussung/Blockade dieses Molekülsystems die Immunreaktion von NK Zellen in Patienten mit Leukämien zu verstärken.

Kontakt: Prof. H. Salih, Tübingen
Tel. +49 (7071) 298 2711 Fax +49 (7071) 294391
e-mail: helmut.salih@med.uni-tuebingen.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 200.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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