Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chinesische Pflanze gegen Malaria

29.05.2002


USA spricht sich gegen Anwendung in Afrika aus

Die Weltgesundheitsorganisation WHO will für Staaten in Afrika das chinesische Heilmittel Artemisinin gegen Malaria durchsetzen. Die amerikanische Agency for International Development spricht sich jedoch gegen dieses Mittel aus. Fest steht, dass rasches Handeln angesagt ist, denn die meisten Präparate gegen die Erkrankung sind mittlerweile wirkungslos und Malaria wird zur Todesursache Nummer eins in Afrika berichtet die New York Times. 

"Artemisinin ist ein hervorragendes Mittel. Es ist nicht nur eine Behandlung, sondern es hemmt die Form der Infektion, daher führt es zu einer schwächeren Intensität der Epidemie", so David Nabarro, Vize-Direktor in der WHO-Generaldirektion. Der Wirkstoff Artemisinin stammt aus einer Heilpflanze, die in China seit 2.000 Jahren in Verwendung ist. Vor 30 Jahren wurde das erste Derivat aus der Pflanze "Artesmisia annua" gezogen. Das Rohmaterial stammt aus China und Vietnam, obwohl die Pflanze auch in Teilen der USA wild wächst. Das Hauptargument der US-Behörde gegen den Einsatz der pflanzlichen Medizin liegen in der angeblich zu wenig untersuchten Wirkung bei Kindern und in den hohen Kosten. Dennoch räumt Dennis Carroll, ein Berater der Agency for International Development ein, dass dieses Präparat auf lange Sicht wahrscheinlich die beste Option sei. Doch die Zeit sei noch nicht reif.

Kritiker meinen, dass zu langes Warten aber die Todesrate in die Höhe schnellen lässt, da die anderen herkömmlichen Anti-Malaria-Medikamente praktisch wirkungslos werden. Problematisch in diesem Zusammenhang scheint aber vor allem die Finanzierung der Gesundheit in Ländern Afrikas: ohne finanzielle Unterstützung der Weltbank kann es sich kein Land leisten auch nur annähernd die Kosten für eine effektive Malariabekämpfung aufzubringen. Carroll bestreitet aber die Eile und argumentiert mit der mangelnden Erfahrung des Wirkstoffes bei Kindern. Schließlich gebe es nach Ansicht der Agency for International Development noch Möglichkeiten altbekannte Medikamente einzusetzen. Argumente wie diese bringen Epidemiologen wie den ghanesischen Malaria-Spezialisten Fred Binka in Rage. "In armen Ländern wie Ghana gibt es für Kinder nur eine Chance: Wenn sie beim ersten Besuch in einer Klinik das falsche Medikament erhalten, sterben sie", so Binka. Auch Bernard Pecoul, Direktor der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", meint, dass die amerikanische Position hart zu verstehen sei.

Die Argumente der US-Behörde stoßen auch deshalb auf taube Ohren in Afrika, weil für Malaria in der Forschung zu wenig Geld ausgegeben wird. Im internationalen Vergleich wird für die Entwicklung von neuen Wirkstoffen 3.360 Dollar pro Aids-Toten an Forschungskosten aufgewendet, 840 Dollar für jeden Asthma-Toten und nur 42 Dollar pro Malaria-Opfer. Malaria ist aber in 90 Staaten der Welt eine Bedrohung. 300 Mio. Menschen erkranken jährlich daran, für eine Mio. endet die Krankheit tödlich. Kinder in ländlichen Gebieten Afrikas erkranken bis zu sechs Mal jährlich an Fieberschüben. In manchen Gegenden gibt es bis zu 60 Prozent Resistenzen gegen die herkömmlichen Medikamente. Experten sind sich mittlerweile einig darüber, dass nur eine Mischung aus verschiedenen Wirkstoffen ähnlich wie die Aids-Behandlung erfolgreich ist. Nach Expertenmeinungen gilt dies aber nicht für den Wirkstoff der Artemisia annua.

Der einzige Nachteil des Heilmittels liegt in seiner Erstdosis: Bis zu 12 Pillen sind über drei Tage bevorzugt mit Milch einzunehmen. Wer sich das nicht leisten kann, sorgt unfreiwillig dafür, dass die resistentesten Parasiten überleben und mit der nächsten Anopheles-Mücke auf einen anderen Menschen übertragen werden.

Wolfgang Weitlaner | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.who.org/
http://www.usaid.gov/
http://www.nytimes.com/

Weitere Berichte zu: Malaria

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Spezialfarbstoff erlaubt völlig neue Einblicke ins Gehirn
16.08.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Keime fliegen mit
16.08.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics