Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapie verbessert Überlebenschancen

19.12.2007
Seit 2005 werden am Universitätsklinikum Rostock Patienten mit bösartigen Hirntumoren durch ein neues Behandlungssystem therapiert. Die jetzt vorliegenden Behandlungsergebnisse belegen: Die Therapie verbessert die Überlebenschancen der Patienten und wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus.

Bei der so genannten interkavitären Radiotherapie findet die Bestrahlung des Tumors direkt vor Ort durch das Einbringen radioaktiver Substanzen statt. Bisher wurden in Rostock 13 Patienten auf diese komplizierte, aber hochwirksame Weise behandelt. In Rostock wurden auf diese Weise sogar bessere Behandlungsergebnisse erzielt als in den USA.

Bei der in Rostock angewandten interkavitären Radiotherapie erfolgt die Bestrahlung durch eine radioaktive Substanz, die am Ort des zuvor entfernten Tumors wirksam wird. "Auf diese Weise soll ein Nachwachsen des Tumors nachhaltig verhindert, die Überlebensdauer der Patienten verlängert werden", sagt Professor Dr. Jürgen Piek, Leiter der Abteilung für Neurochirurgie.

Am Universitätsklinikum Rostock wird dieses Verfahren als Standardtherapie bei Rezidiven (erneutes Tumorwachstum) eingesetzt. Bestimmte Formen der Hirntumoren (Glioblastoma multiforme) gehören zu den bösartigsten Tumoren des Erwachsenenalters überhaupt. Trotz Operation, Strahlen- und Chemotherapie überlebt lediglich ein Viertel der Patienten länger als zwei Jahre, so Professor Piek. Die meisten Patienten erleiden ein erneutes Wachstum des Tumors (Rezidiv), wobei nach internationalen Erfahrungen die mittlere Überlebenszeit trotz erneuter Operation dann weniger als halbes Jahr beträgt. 70 Prozent der Patienten versterben innerhalb des ersten Jahres, nachdem ein solches Rezidiv aufgetreten ist.

... mehr zu:
»AöR »Radiotherapie »Rezidiv

Aus diesem Grunde bemühen sich weltweit sämtliche neurochirurgischen Kliniken um zusätzliche Behandlungsverfahren, welche die Prognose dieser Patienten verbessern können. Als besonders effektiv hat sich unter diesen Zusatztherapien die sogenannte interkavitäre Radiotherapie mit Jod-125 (Gliasite RTS TM) erwiesen. Bei diesem Verfahren wird dem Patienten nach der Entfernung seines Rezidiv-Hirntumors ein Ballonkatheter in die Tumorhöhle implantiert, welcher anschließend mit radioaktiver Flüssigkeit gefüllt wird und so die eventuell verbliebenen Tumorreste am Rand der Resektionshöhle gezielt und nebenwirkungsarm bestrahlt und so ein Nachwachsen des Tumors verzögern oder gänzlich verhindern soll.

Durch die am Klinikum Rostock durchgeführte Behandlung konnte die Ein-Jahres-Überlebensrate nach Auftreten des Tumorrezidivs auf über 60 Prozent gesteigert werden, die mittlere Überlebenszeit der seit 2005 behandelten 13 Patienten beträgt mittlerweile 69 Wochen. Ermöglicht wurden diese Behandlungserfolge durch die enge Kooperation im Klinikum zwischen den Abteilungen und Kliniken für Neurochirurgie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie. "Mit dem Erfolg dieser Therapie liegt unsere Arbeitsgruppe sogar deutlich über den Behandlungsergebnissen, die unlängst in einer großen Studie in den USA erzielt worden sind", sagt Professor Piek. "Wir werden damit diese Patienten sicherlich nicht definitiv heilen können, das kann zur Zeit niemand. Aber wir können den Patienten in dieser hoffnungslosen Situation ein zusätzliches risikoarmes Behandlungsverfahren anbieten, das nach den bisherigen Daten ihre Lebenserwartung weiter deutlich verlängert und ihre Lebensqualität nicht beeinträchtigt."
Kontakt
Prof. Dr. med. Jürgen Piek
Abteilung für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel. 0381/4946439
Prof. Dr. med. Carl Schümichen
Klinik für Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Gertrudenplatz 1
18057 Rostock
Tel. 0381/4949101
Professor Dr. Rainer Fietkau
Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Südring 75
18059 Rostock
Tel. 0381/4949001
Prof. Dr. Peter Schuff-Werner
Ärztlicher Direktor
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock
Tel. 0381/4945011
Fax. 0381/4945012

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: AöR Radiotherapie Rezidiv

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Humane Papillomviren programmieren ihre Wirtszellen um und begünstigen so die Hautkrebsentstehung
12.12.2019 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher untersuchen Rolle der Zellmembran bei der Entstehung chronischer Krankheiten
10.12.2019 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Cheers! Maxwell's electromagnetism extended to smaller scales

More than one hundred and fifty years have passed since the publication of James Clerk Maxwell's "A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field" (1865). What would our lives be without this publication?

It is difficult to imagine, as this treatise revolutionized our fundamental understanding of electric fields, magnetic fields, and light. The twenty original...

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Im Focus: Highly charged ion paves the way towards new physics

In a joint experimental and theoretical work performed at the Heidelberg Max Planck Institute for Nuclear Physics, an international team of physicists detected for the first time an orbital crossing in the highly charged ion Pr⁹⁺. Optical spectra were recorded employing an electron beam ion trap and analysed with the aid of atomic structure calculations. A proposed nHz-wide transition has been identified and its energy was determined with high precision. Theory predicts a very high sensitivity to new physics and extremely low susceptibility to external perturbations for this “clock line” making it a unique candidate for proposed precision studies.

Laser spectroscopy of neutral atoms and singly charged ions has reached astonishing precision by merit of a chain of technological advances during the past...

Im Focus: Ultrafast stimulated emission microscopy of single nanocrystals in Science

The ability to investigate the dynamics of single particle at the nano-scale and femtosecond level remained an unfathomed dream for years. It was not until the dawn of the 21st century that nanotechnology and femtoscience gradually merged together and the first ultrafast microscopy of individual quantum dots (QDs) and molecules was accomplished.

Ultrafast microscopy studies entirely rely on detecting nanoparticles or single molecules with luminescence techniques, which require efficient emitters to...

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Hefe-Spezies in Braunschweig entdeckt

12.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Humane Papillomviren programmieren ihre Wirtszellen um und begünstigen so die Hautkrebsentstehung

12.12.2019 | Medizin Gesundheit

Urbane Gärten: Wie Agrarschädlinge von Städten profitieren

12.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics